Tim123 14.06.2008, 22:18 Uhr 11 3

Eine Deutschland-Fahne an meinem Auto...

....fehlt. Und mich drängt auch nichts, das zu ändern. Alles versinkt im Fussballtaumel. Mich lässt es kalt. Bin ich etwa nicht sozialkompatibel?

Was ist mit mir los?

Um alle Klischees vorweg zu klären:

Nein, ich bin nicht schwul. Ich bin bekennend heterosexuell und habe gelernt damit umzugehen. Ich hatte mein Heten-Coming-Out bereits mit 13 und lebe ganz offen in einer Heten-Beziehung. Ich gehe Sonntags gern in Heten-Saunen und manchmal treibe ich mich Nachts in Heten-Bars rum. Ja, meine Eltern, Kollegen und schwulen Freunde wissen davon und tolerieren es. Sie mögen mich trotzdem.

Nein, ich bin nicht unsportlich. Ich gehöre nicht zu denen, die in der Schule überall eine eins hatten, außer im Sport eine vier. Bei mir war es eher anders herum. Auch wenn ich das an den Tagen der Zeugnisvergabe gern anders gehabt hätte... Aber auch nur an diesen Tagen.

Nein, ich war nicht der, den man in der Pause in die Mülltonne steckte. Auch nicht dessen Freund. Obwohl mir heute der in der Tonne leid tut. Damals nicht. Sorry, Björn.

Nein, das ist keine „Frauenversteher-Masche“. Eher ein „Männer-nicht-verstehen-Ding“.

Doch zurück zum eigentlichen Thema:

Mich hat der Virus „Fußball“ nie infiziert. Ich hab´s versucht. Wirklich. Ich habe mich ungeschützt in manche Gefahrensituation begeben. Passiv und aktiv. Ich hatte so gehofft, es würde eine Tages passieren. Aber nichts da, das Virus will nicht überspringen. Ich bin und bleibe immun. Mich lässt es wohl als einziges männliches Wesen dieser Welt verschont.

Anderen Männern (egal welchen Alters) braucht man nur einen Ball zuzuwerfen, schon drängen sich bei ihnen ansonsten vernachlässigte Gehirnregionen in den Vordergrund. Wo aber sind diese Gehirnregionen bei mir geblieben ? Und warum sind sie nicht bitte schön schneller, als die Kleinhirnregionen, die sich bei mir stattdessen manchmal ungewollt wichtig machen ? Btw.: hatte ich schon meine Carrera-Bahn erwähnt ?

Ich kann nicht verstehen, was Männer dazu treibt, „Fan“ eines kommerziellen Unternehmens im Süden Deutschlands zu werden, das stetig wechselnde Mitarbeitern hat und deren Manager wohl alle Wurstfabrikanten sind. Warum müssen Männer ihre Auto mit deren Aufklebern bekleben und jede Party mit Gesprächen über Personalpolitik, Managerschwächen und Misserfolge dieses Unternehmens füllen? Ich gebe zu, ich schwärme auch für ein Unternehmen: die Frischeabteilung meines Supermarktes. Die ist wirklich gut. Einsatz, Qualität, Spannung, spitzen Personal – aber muss ich deshalb in Bettwäsche mit Edeka-Logo schlafen wollen?

Warum muss jedes erfrischende Bad, jeder erholsame Urlaub, jeder Strandspaziergang, jede gute Party, durch die Kombination Ball & Mann sofort in ein nerviges „ich-trete-Dir-den-Ball-zu,-Du-mir“ ausarten ?

Unvergessen mein erster Besuch eines Stadions; „auf Schalke“ mit Freunden während meines Studiums. Meine lange aufgebaute Fassade des „natürlich-ist-Fußball-das-größte,-ich-kann-nur-heute- Abend-mit-Euch-Kumpels-nicht-mitgucken-weil...“ zerfiel bereits nach wenigen Minuten, als ich unschuldig fragte, warum der Stadionsprecher das Spiel nicht kommentierte. Damit war allen Beteiligten sofort klar: ich bin nicht infiziert. Dabei hatte ich das Wort „Abseits“ noch gar nicht in den Mund genommen. Ich war damit ausgeschlossen. Ich wurde behandelt, als könnte ich die ersten Zeilen dieses Textes nicht so unterschreiben. Es war zudem schrecklich langweilig. Und kalt. Und ein wenig wie „Unterschichten-TV“ schauen - nur ohne dieses „macht trotzdem Spaß“.

Zum Testen habe mich sogar mal mitten in den Ort der angeblich größt-denkbaren Ansteckungsgefahr begeben: in eine VIP-Lounge eines Fußballstadions während eines WM-Spiels. Auf den ersten Blick: nett. Die versammelten Ehefrauen der männlichen Besucher, im hinteren Teil der Lounge stehend, sogar ausgesprochen nett. Die Jungs vorne an der Scheibe wirkten aber ehe so wie Konfirmanden im Anzug, die an einer Pfütze stehen, sich nicht dreckig machen dürfen, aber es so gerne mit den anderen Kindern mitspielen wollen. Das Essen war zudem gut. Das Spiel auf dem Rasen hätten sie hingegen für mich auch ausfallen lassen können. Ich fühlte mich ein wenig, wie Herr Merkel beim Begleitprogramm eines Gipfeltreffen: allein unter Frauen und das ungewollt, eine Kindertagesstätte besuchend.

Ebenso Virus-immune Frauen dieser Welt, wie könnt ihr Sätze von Fußballern wie „Es gibt Tage da verliert man und es gibt Tage da gewinnen die anderen!“ wirklich ohne Gehirnkrämpfe ertragen?

Der gleich angeborene Schutz, der für Euch Dirty-Dancings „Mein Baby gehört zu mir!“ – Sätze ertragbar macht ?Den will ich auch !

Gut. Ich versuch es nochmal. Es scheint einfach Spass zu machen – warum sollte ich mich da bewusst ausschliessen? Vielleicht muss ich einfach nur mitmachen und dann reisst es mich mit?

Ich fange mit den Fahnen an. In Hamburg hat man für gewöhnlich zwei Fahnen: eine links, eine rechts an der Tür. Eine deutsch, eine türkisch.

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11 Antworten

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    3ltr auf 100 kilometer angeblich

    21.07.2008, 01:02 von Gellert
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    es ist zu einem zeitpunkt auch immer chic dagegen zu sein, oder?
    zumindest sollte man nicht jeden und alles gleich verballhornen...

    eigentlich nicht dikussionswürdig *mhm*

    28.06.2008, 01:03 von Mord_Wanze
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    der Text ist lustig, aber Vereinsfußball ist nicht NIátionalmannschaft. Deswegen zieht der Vergleich zwischen den Bayern und Edeka nicht wirklich, und die Fahnensache ist auch nur unzureichend erklärt.

    Bei mir ist es noch komplizierter, das süddeutsche Unternehmen interessiert mich nämlich schon, während es die Nationalmannschaft nicht wirklich tut.

    Egal, gibt ne Empfehlung

    28.06.2008, 00:13 von supermoritz
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    Was ich nicht verstehe, warum wirfst du dich mit "Frauen" allgemein in einen Topf?
    Ich kenne eine Menge Frauen, die mehr von Fußball verstehen und größere Fans sind als ihre Männer.
    Also, dieses Klichee mit Frauen und Fußball ist mittlerweile sowas von daneben.

    23.06.2008, 10:48 von Tanea
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    ich musste grinsen und nicken und grinsen und....
    das ständig im wechsel...

    23.06.2008, 08:19 von laala
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    Sorry, aber ich denke dass Dirty Dancing erträglicher ist, als so manche Pressekonferenz diverser Fußballer - und dass obwohl ich selber aktiv spiele!

    Dennoch finde ich deinen Text (wieder mal) gut!

    18.06.2008, 13:00 von Pornprincess
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    Nix gegen den FC Bayern. Der ist nämlich schwer sozial zu seinen Spielbediensteten.

    17.06.2008, 18:01 von Honigmelone
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    Ich hab nicht mal'n Auto...

    16.06.2008, 10:08 von sailor
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