Paulsi 17.06.2018, 14:07 Uhr 19 1

Die Weltmeisterschaft beginnt, doch verliert euch nicht im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer!

Fahnenschwenken, Fangesänge, Fanbekleidung, nationale Symbole und Rituale und die Gefahr der nationalen Identität während der Fußballweltmeisterschaft

2006- das Sommermärchen. 2014- Deutschland wird Weltmeister.

Die vierwöchige Begeisterung im Jahr 2006 wird wohl keinem in Vergessenheit geraten. Diese Fußballweltmeisterschaft in Deutschland war nicht nur eine Weltmeisterschaft. Sie war etwas Zauberhaftes, gar ein "deutsches Sommermärchen" oder das "Wunder von Berlin". Das Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" hat Deutschland wohl erfüllt, indem es sich als weltoffenes Land präsentierte. Ein "Schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer" und das Verhältnis zu nationalen Symbolen lassen eine Annäherung der Gesellschaft mit ihrer eigenen Nation erkennen, die zuvor durch die Geschichte Deutschlands versagte. Fangesänge, gefüllte Plätze beim Public Viewing, Massen in den Fußballstadien, Nationalflaggen an Hauswänden, Deutschlandlieder ertönen aus allen Ecken. Es scheint eine Ausnahmesituation zu herrschen. Ein nationales Fieber droht auszubrechen. Die Scham vor der eigenen Nation verschwindet, vielmehr überkommt die Deutschen der Nationalstolz während der Fußballweltmeisterschaft 2006.

 

Die WM 2006 hat einen Wandel des nationalen Verständnisses und des Nationalbewusstseins hervorgerufen. Das gehemmte Verhältnis zur eigenen Nation und das Misstrauen zu Deutschland schwindet, lässt den übersteigerten Nationalismus hinter sich und ruft vielmehr einen positiven Bezug zur deutschen Nation hervor.

 

Doch ist diese nationale Identität nicht gefährlich in Deutschland? Ist die Angst Fremder nicht gerechtfertigt, wenn ein Nationalismus in Deutschland während einem Wettkampf zwischen Nationen aufkommt? Wie wird das Aufkommen einer nationalen Identität im Zusammenhang mit der Deutschen Geschichte, der Flüchtlingskrise, der Pegida-Bewegung  und der AFD-Politik in Deutschland interpretiert?

 

Bei der Weltmeisterschaft wird die Nationalmannschaft zum Ankerpunkt der nationalen Identität. Nationalflaggen, Nationalhymne, Fanartikel und Fanbekleidung lassen nicht nur Fußballfans, sondern einen Großteil der Gesellschaft auf die Nationalmannschaft fokussieren und erinnern sie an ihre Mitgliedschaft in der Nation.


Kollektivbewusstsein vs. Individualismus

Die Bilder während einer Weltmeisterschaft zeigen, dass von Individualismus nicht mehr viel zu sehen ist. Das schwarz-rot-goldene Fahnenmeer und die deutsche Fanbekleidung nehmen die Individuen ein. Sie gliedern sich in die Fangemeinschaft ein und stehen und handeln nun unter dem Kollektivbewusstsein. Die Ähnlichkeit der Gemeinschaft ist sowohl äußerlich, als auch innerlich zu erkennen. Mit der Identifikation und der Verinnerlichung mit der eigenen Nation wird gleichzeitig eine Abgrenzung zu anderen Nationen deutlich.

 

Geht es also wirklich nur um Fußball bei der WM?

Um auf die Frage zurückzukommen, ob das Aufkommen einer nationalen Identität in Deutschland während einem Wettkampf zwischen Nationen nicht gefährlich sei: Ja, das ist es. Warum? Weil es eben nicht nur um Fußball bei der WM geht. Für viele ist diese Großveranstaltung Mittel zum Zweck, nämlich für das Verbreiten einer übersteigerten nationalen Identität. Es besteht die Gefahr, dass die Euphorie, die während einer Weltmeisterschaft herrscht, missbraucht wird, zur Abgrenzung zu anderen Nationen und als Machtkampf zwischen ihnen. Denn bei einer derartigen Großveranstaltung nimmt die Interaktion zwischen den einzelnen Individuen zu und in der Euphorie entwickelt sich ein gemeinsames Interesse und eine Ähnlichkeit, die kollektive Handlungen und Denkweisen fördert.

 

Heute ist es wieder soweit. Heute beginnt für Deutschland die Fußballweltmeisterschaft 2018. Heute wird wieder stolz die Nationalhymne gesungen. Heute werden zahlreiche Fangesänge angestimmt. Heute erblühen die Garderoben in Schwarz-Rot-Gold. Heute verwandeln sich Stadien, öffentliche Plätze und Wohnzimmer in ein Schwarz-Rot-Goldenes Meer. Heute verschwindet das Individuum und taucht unter in das Schwarz-Rot-Goldene Meer. Heute wird Deutschland wieder Eins.

 

 Doch schwimmt gegen den Strom, überdenkt die kollektiven Handlungen und Denkweisen. Lasst euch nicht zu sehr von der Euphorie leiten. Vergesst nicht, dass es bei der FUSSBALLweltmeisterschaft um Fußball geht, bei der viele, unterschiedliche und einzigartige Nationen aufeinandertreffen. Versteht diesen Wettkampf nicht als ein Gegeneinander der Nationen und als eine Abgrenzung von diesen. Versteht ihn nicht als einen Kampf und das Beweisen von Machtverhältnissen.

Versteht die WM als ein Zusammenkommen vieler Nationen, die den Austausch der kulturellen Vielfalt ermöglicht.

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19 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Und darum ist die WM auch der Beweis das man es zwar verleugnen kann, aber trotzdem noch alle irgendwie national ticken...

    20.06.2018, 13:56 von chiral
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    • 0

      ;)

      Hab ich nicht cerstanden, magst mir das vielleicht erklären?

      22.06.2018, 10:05 von chiral
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    • 3

      "was wohl passiert wäre"

      Zur Info: Die DDR gibt es nicht mehr.
      Dank mir später.

      20.06.2018, 10:33 von LordChandos
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      Also ist Merkel doch der "Endplan" von Honecker.
      Mir wird einiges klar..

      20.06.2018, 12:28 von LordChandos
    • 1

      Du bist ja auch ein ganz besonderer Mensch...

      20.06.2018, 13:54 von chiral
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    • 2

      Dann können wir jetzt endlich immer vom wir sprechen. Wir sind die Borg und unser Bedürfniss ist die Assimilation. Ich fühl mich so geborgen.

      20.06.2018, 20:06 von Freyr
    • 1

      Das ss ist kein politisch motiviertes Bedürfnis.

      20.06.2018, 20:24 von Freyr
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      Natürlich gibt es sich gleichende physische und psychische Grundbedürfnisse, allerdings unterscheiden sich schon diese Grundbedürfnisse in ihrer Ausprägung von Individuum zu Individuum, ergänzt durch weitere ganz individuelle Bedürfnisse. Parallelen Übereinstimmungen ja, aber nicht gleich. 
      Betrachtet man "besonders" ohne Qualitative Wertung eröffnen sich auch hier weitere Möglichkeiten der Interpretation.
      Und nein, ich mache mich nicht lustig über Deine Person, habe nur den Ansatz der Gleichheit weitergesponnen.

      22.06.2018, 01:00 von Freyr
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    • 0

      Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.

      23.06.2018, 15:09 von Freyr
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