Der Fan zu Gast bei Feinden
Das sogenannte "Skandalspiel" Frankfurt - Nürnberg besteht aus zwei Geschichten. Warum wird aber von den Medien nur über eine Seite berichtet?
Geschlagene zwei Jahre ist es her, als Fußball in Deutschland auch bei schwarz-rot-gold-bemalten Girlies "in" war und die Sportfreunde Stiller Weltmeister im CD Verkaufen wurden.
Nun gut, ich sehe seit Mai 2007 eigentlich keine Erstligaspiele mehr - doch da mein Clubbererfreund meinen Verein bereits zweimal in Aachen unterstützt hatte, zog es mich letzten Samstag als "Revanche" ins Waldstadion zum Spiel der Frankfurter Eintracht gegen seinen Club aus Nürnberg. Dass dieses Spiel bundesweite Beachtung fand, lag, den Medien sei Dank, an den angeblich so bösen Nürnberger Fans, in deren Block ich mich nun befand.
Nach zweimaligem Geknalle, wie ich dies übrigens das letzte Mal beim Besuch der Clubberer bei uns im Stadion bereits erlebt hatte, flog eine Leuchtrakete in der 30. Minute auf's Feld und der Schiedsrichter unterbrach daraufhin sofort das Spiel für geschlagene 20 Minuten. Dass Nürnberger ab und zu gerne einen Knall haben, müsste also in der Szene bekannt sein. In der Zwangspause hielt der Nürnberger Präsident eine Ansprache auf dem Platz, und es wurde mit Spielabbruch gedroht, sollte noch eine pyrotechnische Aktion starten. Viele Eintracht-Fans waren jetzt schon tierisch sauer, da sie dieses Mal auf der braven Seite standen und dazu der frühe Führungstreffer längst egalisiert wurde.
Der Rest des Spiels ist schnell erzählt: Nach 20 Minuten wurde es wieder angepfiffen und in Halbzeit eins ist dann nichts mehr passiert. Dafür aber in der zweiten Hälfte als die Clubberer auf 1:2 und 1:3 erhöhten und der gesamte Block von Bierduschen sangesfreudiger Fans beglückt wurde. Der Präsident blieb die ganze Zeit vorm Block stehen, um seine Fangemeinde im Zaum vor dem Zaun zu halten - was tatsächlich gelang - dem Ergebnis sei Dank!
Soweit so gut oder auch so schlecht, denn Leuchtraketen gehören nicht ins Stadion. Dies sagt zumindest die Stadionordnung. Allerdings sollte diese "Lex-Arena" auch von irgendjemandem durchgesetzt werden. Dafür hat man gewöhnlich einen Sicherheitsdienst. Dieser in Frankfurt beschränkte sich allerdings darauf, die Fans beider Vereine vor der eigentlichen Kontrolle aus unerklärlichen Gründen festzuhalten, ehe es dann doch noch kurz vor dem Anpfiff unkontrolliert ins Stadion ging. Pyrotechnischen Krempel aller Art dort hineinzuschmuggeln war sicherlich ein Kinderspiel, wenn man gar nicht mal aufgefordert wird, seine Taschen zu öffnen.
Manche Medien beziehen in ihre Schelte nicht nur die Fans sondern wenigstens noch den Ordnungsdienst mit ein. Aber im Grunde genommen waren an diesem Spieltag gleich alle "Clubberer" terroristenähnliche Gestalten, die italienische Verhältnisse in Deutschland einführen wollten. Dass am Ende vier (!) Leute aus dem Block gezogen wurden, zeigt, dass man hier 3.996 Fans ungerecht gegenüber urteilt. Aber das scheint die Medien nicht zu interessieren.
Der sogenannten dritten Halbzeit schenkten Presse, Funk und Fernsehen keinerlei Beachtung. Als der Club so gegen 17.35 Uhr seine drei Punkte eingefahren hatte, dachte jeder nur noch an die Heimfahrt und war glücklich, den letzten Platz in der Tabelle verlassen zu haben. Doch so sicher die Pyro-Aktion ein Skandal war, folgte hier innerhalb weniger Stunden gleich der nächste: Bis 18.10 Uhr durften die Clubberer nicht aus dem Block. Um diesen wurde ein Kessel aus Polizisten gezogen. Danach ging es als Herde raus aus dem Innenraum bis zu den Toren zu den Zugängen der Nachbarblocks. Dort stand der Druchschnittsfranke nun im strömenden Regen bis 19.15 Uhr - eingekesselt von den Grünen Jungs und Mädels, ehe diese die "Gäste" in den Frankfurter Stadtwald trieben.
Aus diesem Clinch hinauszukommen war recht einfach, denn die Beamten hatten wohl keine Anweisung, aufgeweichte Abweichler aufzuhalten und so kamen wir bereits um 19.35 Uhr also geschlagene 120 Minuten nach Spielende am S-Bahnhof "Stadion" an, um wieder nach Hause zu fahren. Vom Gleis aus konnten wir die Herde beobachten, die in sicherer Entfernung zum Bahnsteig weiter eingekesselt wurde.
Warum diese Einschränkung der persönlichen Freiheit notwendig war, konnte uns niemand so recht sagen. Ganz schlaue wählten die 110 und bekamen nur die Antwort, nicht schon wieder anzurufen. Eigentlich gab es nur zwei Gründe: Entweder wurden die Clubberer vor den "freundlichen" Heimfans so geschützt oder es wurden halt die 3.996 Fans, die ihre Mannschaft lediglich unterstützen wollten, einfach mal kollektiv für das Verhalten von vier Vollpfosten "bestraft".
Dieses "Nachspiel" wird von den Medien in keinster Weise erwähnt. Es zeigt wieder einmal, wie einseitig manches Mal auch in Deutschland über ein Thema berichtet wird. "Die Welt zu Gast bei Freunden" das war früher - jetzt geht's wieder in die Normalität der Bundesliga, in der der Fan oftmals auch Feind ist. So zumindest musste man sich als Gast in Frankfurt vorkommen. Genauso wie diese Welt-bei-Freunden-Geschichte von den Medien inszeniert wurde, wird auch dieses Geschehen verzerrt dargestellt. Und in unserer "Copy-Paste-Gesellschaft" wird statt investigativem Journalismus lieber vom Nebenmann abgeschrieben und die Clubberer als die Bösen der Nation dargestellt - fertig!





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