Das Leder ist rund und die Welt flach
… flach wie ein Spielfeld.
Ich kann mit Fußball ungefähr soviel anfangen, wie Frauen.
…
Stop! Der Vergleich hinkt mittlerweile. Ich habe gesehen, wie nach Bremer Heimspielen homogene Frauengruppen durch die Straßen zogen, Frauen, die ihre eh schon nicht sehr ausgesuchte Garderobe durch das Tragen unglaublich grüner Werder-Schals noch mehr verhunzen. Meine KollegINNEN organisieren Büro-Wetten – der Einsatz beträgt 20 Euro. Zwanzig!
Und sie sammeln diese PANINI-Bilder, das sind so etwas wie Pumuckel-Sammelbilder für Erwachsene, nur, dass statt Meister Eder und sein Pumuckel Meister Ballack und seine Männer auf den Karten sind. Sie betreiben damit innerbetrieblichen Handel, um die Rezeption sieht es manchmal aus wie auf dem Pausenhof einer Grundschule. Dabei haben sie alle Daten zumindest der deutschen, nicht selten aber der meisten WM-Spieler im Kopf. Also Dinge wie Wadenumfang, Schuhgröße, Anzahl geschossener Tore, Zahl roter und gelber Karten, Verletzungen, ob ledig, vergeben, verheiratet und noch viel mehr, was ich nicht mal vom mir selbst weiß.
Und ich? Ich kenne das Wort "Abseitsfalle". Und ich weiß, dass Bremen diese Saison Deutscher Meister geworden ist – was in Bremen nur schwer zu übersehen ist. Aber sonst?
… oh, ich weiß doch etwas! Ich weiß, dass Oliver Kahn auf der Bank sitzt und dafür ein gewisser Lehmann im Tor steht. Und dass diese Entscheidung derart spät gefällt wurde, dass sie in einer Katastrophe für Sammelbildsammler mündete: denn im Bilderset der deutschen Mannschaft ist immer noch Kahn der Torwart.
Eine Zeitung warb dann kürzlich damit, das quasi fehlende PANINI-Bild von Lehman im Heft zu haben und so fuhr sie einen Sonntag einige Stunden durch die Gegend und klapperte alles, was Zeitungen verkaufte, ab. Erfolglos.
Die Kollegin sollte jedoch auf eine noch härtere Probe gestellt werden: Ich bekam eine eMail mit der Info, eine Freundin habe noch 4 Endspiel(!!!)karten. Diese wolle sie lieber an gute Freunde verkaufen als bei eBay zu verhökern. Für 110 Euro. Ich lief sofort zur Fußballkollegin, die postwendend ihren Freund anrief. In diesen kurzen Minuten erhielt ich eine zweite Mail vom gleichen Absender: "Ach ja, die Plätze". Angehängt war ein Foto zerschlissener Tribünenplätze in einem Abstellraum unter einer Tribüne. Bildunterschrift: "hahahaha!". Eine dritte Mail, eine hastig formulierte Entschuldigung, hat das von nun an getrübte Verhältnis zwischen uns und der Kollegin nicht verbessert.
Ich habe schon mal eine Meisterschaft richtig mitgefeiert. Ich wohnte damals in einer typischen Studentenanfänger-WG: Bier, Fußball, Mädels und Playboy auf dem Klo (die ersten drei natürlich nicht auf dem Klo). Da konnte ich mich der damaligen WM oder EM kaum entziehen, nicht mal der zweiten Liga. Ich malte mir sogar die deutschen Farben auf die Wangen und ich jubelte. Von diesem Moment besaß ich ein Beweisfoto. Leider ist es verschollen. Ich fand, ich hab gut mitgespielt, sah authentisch aus, das Foto.
Wer diese Meisterschaft gewonnen hat?
Keine Ahnung.
Zurück zur kommenden WM (morgen!!!). Dieser ganze Zirkus um sie herum erscheint mir zuweilen sehr skurril. Die FIFA hat sich für über 500 Produkte irgendwelche Wortrechte sichern lassen wollen, wie "WM 2006", „Fußball WM 2006“ oder „WM Deutschland 2006“. Ich las von Bäckern, die Angst haben und ihre Brötchen nicht mehr Weltmeisterbrötchen nennen und auch, dass die FIFA "Empfehlungen" an umliegende Dienstleistungsunternehmen gegeben hat, die die Kleidung betreffen. Vielleicht ist das nicht wahr, aber gehört habe ich auch, dass um die Stadien liegende Schänken kein anderes Bier als das des Sponsors ausschenken dürfen. Diverse Werbung werde verhüllt und nicht zuletzt: Hyundai ist zwar Hauptsponsor der WM, die Mannschaftsbusse jedoch stellt Mercedes zur Verfügung – und muss alle visuellen Mecedes-Merkmale an ihren Fahrzeugen entfernen und stattdessen Hyundai-Werbung spazieren fahren. Ich bin mir sicher, es gibt noch weitere "Blüten" dieser Marketing-Posse.
Nebenbei: Wenn ich mir das Logo betrachte, habe ich Mühe, dieser Veranstaltung etwas Ernstes abzugewinnen. Was haben sich die Leute dabei gedacht, für einen globalen Event dieser Größenordnung Kinderkrakeleien als Logo zu verkaufen bzw. zu kaufen? Zusammen mit dem Slogan "Die Welt zu Gast bei Freunden" läßt mich das eher einen katholischen Welt-Pfadfinder-Tag erwarten. Da hat sich Deutschland wieder mal nix getraut …
Zu Samso… also … Goleo, dem schwanzlosen Ronald-McDonald-Schreck, spar ich mir weitere Kommentare.
… heute habe ich im Büro vor Fristende schnell noch meine Liste mit meinen Spieltips abgegeben. Ich hab keine Ahnung, was ich dort eingetragen habe, für mich war es wie Lotto 2 aus 5. Vielleicht bekomme ich mit den ersten Tagen ja doch noch nur noch Augen für das Runde und auch meine Welt wird flach.





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