Postjugendstil 09.03.2005, 14:30 Uhr 27 0

Von Kettcar und Erwartungshaltung, Rezession und sowas

Hochgejubelt werden sie, spannend sind sie nicht. Kettcars neues Album ist gleichzeitig langweilig und gut.

Die Indie-Kids sind guter Dinge, denn endlich mal eine Band, deren erstes Album sie hatten, bevor das zweite raus kam. Das neue Album klingt wie das vorherige, die Texte sind anders, die Gefühle fast die gleichen. Man kann es in einem Rutsch durchhören, nichts stößt bitter auf, kaum etwas, an das es sich zu gewöhnen gilt. Vertraut klingt die Platte, neue Phrasen, die hängen bleiben und beim nächsten Mal schon vertraut vorkommen. Die Inhalte sind gut, sie fallen uns in verschiedenen Situationen ein, manche Sätze werden sicher wieder Sprichwörter unter uns Experten. Die Alltäglichkeit dringt durch, wir erkennen uns wieder, singen bald mit und nicken bedächtig mit dem Kopf. Stimmt alles soweit, die haben Recht.
Wo Tocotronic und Fink in eine neue Welt der Songtexte aufbrechen, die Musik sich verzweigt und alles eine Einheit wird, da singen Pfadfinder- oder Antifagruppen am Lagerfeuer die Kettcar-Lieder mit der Akustikgitarre und freuen sich über so viel Indipendence. Die Zeilen sind scharfe Beobachtungen, doch sie sind für den Hörer eher Reproduktion, sie sind Musik für den gemütlichen Sessel, für den Sommer im Auto mit Fenster runter, sie sind schön und sie sind traurig, nur wirklich spannend sind sie nicht.
"Deiche" eröffnet das Album musikalisch unspektakulär, politisch gegen die Deutschtümelei mit schönen Formulierungen und Wortspielen. "Die Ausfahrt zum Haus deiner Eltern" spricht von innerer Zerissenheit und einem Unbehagen in Räumen ohne Wände, schöner Text mit passender Musik. Die Single "48 Stunden" ist die musikalische Fortsetzung von "Im Taxi weinen", was bei soviel Schönheit wenig stört und hat einen mindestens zweideutigen Text, ein kleiner Höhepunkt. "Einer" verfolgt die Idee des Fanta 4-Hits "MfG" mit Wortspielen und langweilt dabei aber eigentlich nur. Das darauf folgende Stück "Tränengas im High-End-Land" ist das, was man wohl ein Kettcar-Lied nennt: Wortspiele, auf die man selbst nicht kommt und die gut passen, Nicken im richtgen Takt leicht gemacht, mag man irgendwie. Dann "Balu", teilweise mit Wortwitzen à la Fettes Brot, aber doch auch schön und nett anzuhören. "Stockhausen, Bill Gates und ich" wurde von dem gleichnamigen Text von Cummings inspiriert, nun denn, gibt nicht viel zu verstehen, Musik wie gehabt. Und so geht es weiter, Lied um Lied, alles schön, alles gut, alles irgendwie bekannt, alles bereits liebgewonnen und darum höre ich es des öfteren.

27 Antworten

Kommentare

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    Sorry, hab mich ein wenig verspätet. Also ich finde Kettcar eine der grössten Bands überhaupt... aber eben, Geschmackssache. Wollte einfach nur in die Verteidigung.
    Hauptsache es gibt genug Liebhaber und somit die Auswahl.
    Und ja zu deinem Text, so langweilig wie der aufgebaut ist, steht Kettcar nicht zu.

    11.09.2007, 17:17 von eric_oiseau
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    danke danke einfach nur danke. ich habe all diese jubelrufe nicht verstanden, nicht daß ich kettcar nciht ertragen könnte, wenn ich noch was anneres zu tun habe kann man das hören, aber es reißt mich nciht aus dem sessel und dem autositz und wir haben bessere auch deutsche bands.

    04.04.2005, 14:20 von nasenhoch
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    ...lässt sich nicht gut streiten, deshalb tut's hier auch keiner, doch trotzdem kann man wohl zurecht sagen (nicht alleine an der Anzahl der hier stehenden Kommentare), dass Kettcar mittlerweile nicht nur in vielen Ohren, sondern auch in aller Munde sind. Ob zurecht oder nicht, lässt sich glaube ich nur subjektiv behaupten und da gehen die Meinungen auseinander wie frisch gebackenes Brot an der Heizung. Und ob der Hype nun da ist oder nicht: Deutschland kann echt mal ein paar gute Bands gebrauchen, denn warum immer nur nach Amiland schielen, wenn's auch hier ein paar Blüten gibt (ah, die können auch aufgehen! :)!

    Danke trotzdem für deinen Text und behalt dir weiterhin dein kritisches Auge.

    Gruß,
    cobold0815

    04.04.2005, 11:11 von cobold0815
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    so leid es mir tut, aber ich habe die "spatzen" auch seit über einer woche auch nicht mehr angerührt, noch nicht mal daran gedacht sie wieder aufzulegen. die langzeitwirkung des erstlings scheint da einfach abhanden gekommen zu sein. schade.

    was beilbt ist "balu" und trotzdem die ansicht, dass ein drittes kettcar album gerne kommen darf. das potential ist nicht zu übersehen.

    02.04.2005, 03:23 von bartender
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    Ich bin derjenige, der die erste Kettcar mag, die zweite aber nicht.
    Was am Ende der Platte bleibt sind 3 Hits und die zugegeben etwas traurige Einsicht, dass Kettcar für mich keine Relevanz mehr haben.
    2002 the year Schwachsin broke kam eine Platte wie Du und wieviel von deinen Freunden genau richtig, aber 2005 the year I try to cope with my life sind Platten wie The great destroyer, Heart like a river oder Ich habe keine Angst vor 1000mal wichtiger für mich als Spatzentauben (Ich krieg den Titel immernoch nicht zusammen)

    01.04.2005, 23:48 von cherrystar
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    stimmt tele sind wunderbar..
    aber das neue von kettcar hat mich auchnicht begeistert,das erste album hate ich trotzdem lieben gelernt.

    30.03.2005, 01:52 von strawberry
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