schubia.wanzhaar 13.02.2011, 02:32 Uhr 0 4

Tanz.

Ich seh dein Lächeln. Und deine Energie haut mich um.

Kein Schlaf. Leerer Magen. Zugemüllter Kopf. Irgendwie ein alles-scheiße-gefühl.

Ich führe lange Gespräche mit einer bezaubernden Frau. Wir sitzen in diesem linken Schuppen auf ´ner verranzten Couch, rauchen, trinken und halten Händchen. Du erzählst von ihm, seinem Tod und deiner Seite der Verarbeitung. "Ich wein gleich", sagst du. Ich nehme deine Hand und lasse sie nicht mehr los. Wir reden über Liebe, Trauer, Sexismus, und die Unfähigkeit der Menschen. Wir reden über Menschen, die nicht mehr lachen können. Wir lachen, weinen, haben Gänsehaut, aber niemals schweigen wir.

Wenn die Tür aufgeht dröhnt die laute Musik in den Vorraum. Menschen aller Art gehen rein, raus, stehen in der Tür. Ich schaue mich um und sehe nichts. Wo sind die Herzen? Wo sind die Seelen? Es macht mich traurig, dieses genichtse.

Ich hatte schon vorher gesehen, dass er auch da ist. Das einzige Herz hier, die einzige Seele. Ich liebe seine Art, die Dinge zu sehen. Er ist unbeschreiblich rein, zart, angenehm. Ab und an läuft er mit einem Lächeln auf mich zu und setzt sich kurz. "Wann legt er endlich auf?", fragst du.

Als es anfängt, bin ich ganz aufgeregt. Er macht das heute zum ersten Mal, und ich kann sehen, dass er Angst hat. Er spielt den ersten Track an und die Masse bewegt sich. Ich lächle. Ich tanze. Ich bin frei. Die Musik strömt durch meine Venen. Langsam bewege ich meinen Körper, strecke die Arme aus, lächle.
Ich lächle ihn an. Er macht seine Sache so gut. Er ist Herr der Musik, er bringt Menschen zum tanzen. Er bringt mich zum lächeln. Seine Energie, diese unglaubliche, positive Energie die jetzt gerade in diesem Moment von ihm ausgeht ist wundervoll. Ich bin so frei, frei von allem. Denn die Musik lässt mich tanzen, in andere Sphären tauchen und alles vergessen.

Ich schließe die Augen, denke nicht mehr. Ich bin so weit weg und nehme die Melodie mit. Ich nehme die Energie mit, ich tanke auf.
Ich bin nicht mehr da, nein. Ich bin an einem anderen Ort, ganz oben.
Alles verschwindet aus meinem Kopf und ich lächle immer weiter. Ich tanze und ich lächle.

Als ich die Augen öffne, ist viel Zeit vergangen. Ich weiß nicht, wie lange. Ich schaue nach links. Ich schaue nach rechts. Alle sind glücklich.

Hier finden die Menschen ihr Herz, hier finden sie ihre Seele. Hier können sie frei sein.


Danke.

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