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Rick Astley - Wer ist das denn?

Ende der 80er war er DER Superstar mit "Never Gonna Give You Up": Rick Astley. Aber was macht der Teenieschwarm von damals eigentlich jetzt?

Lange war es ruhig um den heute 38-jährigen. Zwar hat er 2001 seine Platte "Keep It Turned On" herausgebracht, aber ein wirkliches Revival ist ihm damit nicht gelungen. Und so richtig scharf ist er darauf auch gar nicht.
Warum trotzdem über ihn schreiben? Nun, Rick Astley ist ins Kinogeschäft eingestiegen. Nein, keine Angst, kein verzweifelter Versuch, als Schauspieler eine zweite Karriere zu starten. Der smarte Engländer bleibt bei der Musik, genauer, bei Filmmusik. Zum Eröffnungsfilm des Hamburger Filmfest „Oh happy day“ von Hella Joof hat er den Filmscore geschrieben und teilweise auch gesungen. Ich habe Rick Astley in Hamburg getroffen.

War es das erste Mal, dass Sie Musik für einen Film komponiert haben?

Ich habe schon vorher Musik für Filme, also für Kurzfilme, gemacht. Die Idee, Musik für einen Film zu machen, war für mich also nicht total neu. Meine Frau arbeitet ja auch beim Film. Dadurch kenne ich einige Regisseure und habe auch schon eine Menge Skripts gelesen.

Was hat sie an „Oh happy day“ interessiert? Warum gerade dieser Film?

Weil er von Musik handelt und von Leuten, die zusammen kommen, um zu singen und Musik zu machen. Als ich das Skript gelesen habe, da dachte ich sofort: „Ja, das könnte was für mich sein! Das würde mir Spaß machen.“ Wenn es ein großer orchestraler Filmscore für einen epischen Film gewesen wäre, dann hätte ich es nicht gemacht. Das ist nicht mein Ding. Aber hier geht es mehr um Songs. Es geht nicht darum, die Leute im Kino mit der Musik umzuhauen. Ok, wenn sie aus dem Film rausgehen und die Melodie vom Schlussstück summen – das ist super! Aber darum geht es hier nicht. Es geht um die Gospel-Story, um diese Geschichte in der dänischen Provinzstadt, die von Liebe und so weiter handelt. Und das muss im Mittelpunkt stehen.


Wie sind Sie eigentlich mit Hella Joof, der Regisseurin, in Kontakt gekommen?

Meine Frau ist eine der Co-Produzenten des Film. Mit den Produzenten zu schlafen, ist immer eine gute Idee (lächelt). Aber Hella ist ja auch Schauspielerin und springt eigentlich auch sonst überall in der Szene herum. Daher wusste ich sowieso, wer sie ist; kannte sie und ihren Sinn für Humor.

Und wieso eigentlich ein dänischer Film? Was haben Sie mit Dänemark zu tun?

Ich bin zwar kein Däne, aber ich habe da schrecklich viel Zeit verbracht: Meine Frau ist aus Dänemark und ich war deswegen ziemlich oft dort. Ich habe zu dem Land eine ganz besondere Beziehung.
Und ich glaube, es ist gar nicht mal schlecht, dass ich nicht dänisch bin. So konnte ich mich sehr gut in die Hauptfigur des Films, den Jackson, hineinversetzen: dieses Gefühl, als totaler Outsider in so ein kleines dänisches Kaff zu kommen. Ich fühle mich schon verbunden mit diesem Film – in vielerleiHinsicht.

Aber Gospel-Musik? Welchen Bezug haben Sie zur Gospel-Musik?

Ich habe auch schon vorher mit Gospel-Chören zusammen gearbeitet - für meine CD-Aufnahmen. Ich war deswegen auch in Amerika, und habe mit Chören von dort Aufnahmen gemacht. Ich bin jetzt kein totaler Experte, aber ich liebe es. Es ist einfach brillant.
Ich liebe jede Art von Musik. Aber wenn du so eine Gruppe von Leuten hast, die wirklich gut zusammen singen – das ist einfach unübertrefflich. Das ist so menschlich; ein bisschen so wie der Vergleich Computer vs. echte Instrumente. Computer sind wirklich großartig und fantastisch. Aber wenn man jemanden live hört, der ein Instrument spielt, aus Holz oder Metall, das ist ganz was anderes. Der arbeitet damit - das ist irgendwie organisch, einfach beeindruckend. Und für mich ist es wirklich das Beste von allem: ein Haufen Leute, die zusammen singen.

Haben Sie dann auch die Gospel-Tracks komponiert und arrangiert?

Nein, das waren ja auch viele alte Songs, also Gospel-Songs wie zum Beispiel der Titelsong „Oh happy day“ und noch ein paar andere. Die Gospel-Sachen hat Laurence Johnson alle gemacht. Das war sein Ding. Der ist wirklich gut. Er ist viel besser mit dem, was er tut, als ich es jemals sein könnte. Aber ich bin zu allen Chorproben gegangen, um ein Gefühl für den Film zu bekommen. Ich habe mich da bescheiden im Hintergrund gehalten. Denn auch wenn ich schon mal mit Gospelchören zusammen gearbeitet habe, ich bin da kein Experte. Und ich denke, das hat wirklich gut funktioniert – ich hätte es nicht so gut hingekriegt mit den Gospel-Sachen und dem Chor. Da habe ich einfach nicht die Erfahrung mit.

Man hat lange Zeit nichts von Ihnen gehört. Wie sieht’s aus: Haben Sie Pläne für die Zukunft, was ihre Musik angeht?

Nein. Ich weiß nicht. Bevor ich hergekommen bin, habe ich zwei Wochen lang sehr kleine Shows in Irland, Schottland und England gegeben - mit ein paar fantastischen Musikern, die eigentlich aus dem Jazz kommen. Ich habe all die Songs gesungen, mit denen ich aufgewachsen bin. Eine Menge Songs, die meine Mum und mein Dad damals immer gehört haben. Zum Beispiel die ganzen Burt Bacharach-Songs, die man aus den Austin Powers-Filmen kennt. Und ein bisschen Frank Sinatra – eine Menge Zeug, was mein Dad immer zu Haus vor sich hin gesungen hat.

Und hatten Sie damit genauso viel Erfolg wie damals?

Nein, und ich will damit ja auch nicht groß rauskommen. Wir wollen zwar noch ein paar Gigs in New York machen, aber ich weiß nicht, wohin das führen wird: ob wir eine Platte aufnehmen, oder nicht.. Mal sehen. Auf der Tour jetzt waren wir in wirklich kleinen Clubs und haben auch nicht viel Werbung gemacht für die Konzerte. Aber ich habe es wirklich sehr genossen, es war einfach fantastisch. Es ging auch nicht darum, damit Geld zu machen. Denn wir haben auch keins gemacht (lacht). Aber das war auch nicht der Punkt. Ich hatte das alles schon, als ich meinen Durchbruch hatte. Die erste Platte, die ich rausgebracht habe, war wirklich ein großer Hit. Und eigentlich habe ich nie in kleinen Clubs gespielt, außer vielleicht ganz früher mit Freunden von der Schule. Aber ab dem Zeitpunkt, an dem ich wirklich Platten veröffentlich habe, hat sich doch alles auf einem ziemlich hohen Level abgespielt.

Aber darüber müssten Sie sich doch eigentlich freuen?!

Ja, das war großartig. Ich will es auch gar nicht verändern und meine kleine Vergangenheit neu schreiben. Aber, es ist einfach nett, an Orten zu spielen, wo du den Zuschauern aus der 1. Reihe die Hände schütteln kannst. Sie können dir was zurufen und du kannst ihnen antworten. Früher war es ja einfach nicht so.

Wenn Sie zurück blicken: Mögen Sie die Sachen, die Sie damals in den 80ern gemacht haben, denn noch immer?

Ach ja, ich kann meinen Spaß damit haben. Und ich habe auch bei diesen kleinen Gigs ein paar meiner alten Songs gespielt. Ich habe meine Akustik-Gitarre genommen und das Publikum gebeten, die Background-Vocals zu singen. Das war wirklich lustig. Aber ich brauche das nicht jede Nacht zu tun. Ich habe „never gonna give you up“ tausende Male gesungen. Das ist wirklich lange her. Ich könnte jetzt in diesen 80er-Shows auftreten, aber ich will es einfach nicht tun. Ich sehe wirklich keinen Grund, warum ich es tun sollte - außer vielleicht wegen dem Geld. Aber das Problem habe ich zum Glück nicht. Dafür bin ich wirklich dankbar.

Wenn Sie Ihre Musik von damals mit der von heute vergleichen. Was ist der größte Unterschied?

Nun ja, ich mach ja nicht wirklich Musik im Moment. Ok, ich habe diese Filmmusik gemacht und da habe ich auch Songs geschrieben. Aber das mache ich nicht für „Rick Astley“, ich tue es nicht für mich in diesem Sinne. Der Film brauchte bestimmte Sachen und ich habe mich hingesetzt, mir die Szenen angeschaut, das Script gelesen, darüber nachgedacht, was Hella wollte und habe das dann in eine Musiksprache übersetzt. Es ist einfach nicht dasselbe, als würdest du Sachen für dich selbst schreiben. Es ein total anderes Ding, das ich aber auch sehr gerne mag. Denn ich brauch nicht über MICH nachzudenken: Ich, der singt und ich, der auftritt – auch wenn ich ein paar Stücke im Film gesungen habe. Aber es war nicht über mich und das fand ich gut..

Sie sagen, sie machen nicht wirklich Musik. Was machen Sie dann so?

Ja, was mach ich? Um ehrlich zu sein, ich habe wirklich ein einfaches, relaxtes und komfortables Leben. Und ich mag es. Ich möchte keinem großen Traum hinterjagen, denn viele meiner Träume wurden bereits erfüllt. Ich habe viele Sachen, von denen ich geträumt habe, bekommen als ich jung war. Das ist auch ein bisschen komisch und ich brauchte auch ein bisschen, um mich daran zu gewöhnen. Ich hatte jetzt nicht DIE große Karriere, aber für ein paar Jahre hatte ich Nr.1-Hits in der ganzen Welt und war oft in Amerika. Und ich glaube, wenn man das einmal so jung gemacht hat, dann denkt man: Ok, und was kommt jetzt? Und manche Leute machen es einfach weiter. Aber ich hab es nicht gemacht.


Fehlt es Ihnen denn nicht?

Nein. Ich liebe es zu singen, ich liebe Musik und ich liebe es auszugehen und Bands zu sehen. Ich habe wirklich viele Freunde, die Producer und Songwriter sind. Mit denen hänge ich oft rum und wir reden viel über Musik. Aber ich muss wirklich nicht mein Leben dafür geben, hin und her zu reisen, Interviews zu geben und ständig über mich zu reden. Das ist nicht das wirkliche Leben. Ich habe eine 12-jährige Tochter und ich kann viel Zeit mit ihr verbringen. Die meisten Dads haben bestimmt nicht die Möglichkeit dazu. Ich bin wirklich dankbar dafür und ich liebe es.

5 Antworten

Kommentare

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    Rick Astley, ächz, einer meiner absoluten Achtziger-Alpträume! Was haben mich zu pubertären Tanzschulzeiten diese Songs von der Stange geärgert. Und auf seine Stimme kann ich auch nicht. Im Interview hört er sich allerdings ziemlich entspannt an, das gibt Sympathiepunkte.

    25.10.2004, 17:45 von ulfsch
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    Schön mal etwas positives über einen Ex-Teeniestar zu lesen. Keine "ja und dann hab´ ich mit Heroin angefangen, weil Koks net mehr so gut war" Story. Kein gefallener Stern.
    Und auch sehr gut, dass der in keine Achtziger-Jahre-Sendung geht.

    25.10.2004, 17:29 von tonymontana
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Einer meiner Helden von früher ...

    22.10.2004, 15:28 von KirstyLakolk
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    wie kommt man zu einem treffen mit rick astley?

    22.10.2004, 15:20 von Michi
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      @Michi lustig, ich bin viel zu jung, als dass er mein held sein könnte... aber das interview war trotzdem nett... ich war beim filmfest hamburg akkreditiert und habe darüber das interview vermittelt bekommen... wirklich n netter typ!

      24.10.2004, 22:37 von swantje_waterstraat
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