open up my eager eyes
Der Vorhang fällt und- nicht zu fassen. Da steht die beste Band aller Zeiten.
Ich sitze auf dem Boden, eingeklemmt zwischen dem Gitter und den Tausenden, die zu langsam waren. In meiner Tasche zerläuft ein Schokoriegel. Ich dachte ich könnte ihn gebrauchen. Ein Trugschluss. Im Moment sehnt sich jede Faser meines Körpers nach Wasser und der Band, wegen der meine Knochen schmerzen und wegen der ich diese stundenlangen Strapazen auf mich nehme.
Hinter mir packen einige Groupies ihre Gummibärchen aus. Ich bemerke den Blick meines geliebten Begleiters und unsere Gedanken vereinen sich: ,,Klone". Ich beobachte die Schuhe um mich herum und stelle eine Statistik auf, deren Ergebnis mich nicht überrascht. Zu neunzig Prozent nur Groupies und Klone.
Ich leide stumm vor mich hin. Er schaut besorgt und ich lächle trüb. Konzerte sind mein Verhängnis. Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.
Roadies, Stimmer, Gedudel. Ich verfluche meinen Rücken.
Die Vorband entert die Bühne. Nett, zu viel Gepose. Man kann mit dem Fuß wippen, immerhin. Ich klatsche unmotiviert und ächze bei jedem neuen Lied vor Erschöpfung. Meine Nerven liegen blank. Ich bin unaufmerksam und ehe ich es bemerke bin ich von Menschen umringt. Die erste Reihe war ohnehin nicht mein Ziel. Zu auffällig.
Ich lasse mich wieder zwischen die Knie der anderen sinken und versuche mir die Wichtigkeit dieses Abends klar zu machen. Schließlich drohe ich zu ertrinken und erhebe mich. Leute dekorieren und bauen auf und schleichen hin und her. Ein Vorhang senkt sich herab.
Schemenhafte Gestalten, Geklimper, mein Herz schlägt bis zum Hals, ich halte die Luft an. Der Vorhang fällt und- nicht zu fassen. Da steht die beste Band aller Zeiten und ich lache und wundere mich darüber, dass ich auch nur einen Moment daran gezweifelt habe. Nun beginnt die Ekstase und ich spüre meine müden Knochen nicht mehr, singe nur noch und freue mich bis an den Rand des Wahnsinns. Bis ich die Klone vor mir kreischen höre. Der angeschriene Sänger nimmt kaum Notiz davon und ich schäme mich für das Publikum, will sagen ,,Hey Jungs, tut mir echt leid, aber ein angemessenes Publikum war heute weit und breit nicht zu bekommen. Macht euch nichts draus, ich bin ja da und ich meine es ernst mit euch."
Ich trage ein Oasis- Shirt, eine Notlösung, und ziehe damit die verwunderten Blicke des Mannes mit dem Mikrophon auf mich. Sehr praktisch, denke ich und singe weiter und schließe die Augen, um zu verhindern, dass ich zurückschaue.
Eine Frau in den Vierzigern fotografiert neben mir, während überall wild geschubst wird. Sie will mir deutlich machen, dass sie nicht geschubst werden möchte. Ich fasse es kaum und schließe wieder die Augen, singe lauter und ignoriere. Das Publikum ärgert mich so maßlos, dass ich kurzzeitig aufhöre, zu lachen. Es setzt zu früh ein, grölt und hört nicht zu.
Das letzte Lied. Ich bin empört. Was ist mit ... und ...? Keine B-Seiten? Die Band verschwindet und mit ihr auch mein Lächeln. Die Schmerzen kehren zurück und ich spüre, wie ich dehydriere. Nach einer halben Ewigkeit halte ich das rettende Getränk in der Hand. Wir stürmen den Merchandise- Stand, an dem dicke Frauen XXL-Bandshirts tragen und kaufen uns glücklich.
Der Weg nach Hause, die überfüllte S-Bahn, wir triefen vor Schweiß. Alles liegt in tiefem Nebel. Ich verarbeite noch und sauge meine eigenen Erinnerungen in mir auf, spule vor und zurück und denke wehmütig an die ersten Takte zurück.."Wichtige Links zu diesem Text"
Dank an die Bitches aus der ersten Reihe.






Kommentare
Oh, da werden Erinnerungen wach! Das war echt das schönste Konzert meines Lebens, leider nicht in der ersten Reihe....
11.06.2007, 23:39 von Saphiraschlechtes Publikum auf gutenb Konzerten musste ich ledier auch schon erleben -.-
05.06.2007, 20:36 von schmeilitoller text... spricht mir aus der seele...
04.06.2007, 09:03 von PippiDD