Shotgun_Nights 18.11.2007, 23:42 Uhr 3 4

Missverständnis:Tina

„Musik ist mein Leben“ sagte sie, und daraufhin beschloss ich, Rockstar zu werden.

Man kennt das ja: Drogen, Alkohol und jede menge Frauen. In der Realität sieht das leider meist ganz anders aus. In Wahrheit ist der deutsche Durchschnittsmann entweder Student eines Mittelklassestudiums oder Betriebswirt. Im besten Fall angehender Mediziner oder wenigstens bei Verstand. Drogen, Alkohol und jede menge Frauen bringen unter Umständen vielleicht viel Sex ins Haus, im schlechtesten Fall aber auch Unterhaltszahlungen für Kinder, deren Namen man nicht einmal buchstabieren kann.
Erst gestern rief eine Mutter ihre kleine Tochter, die auf den geschmackvollen Namen „Ferrero“ hörte. Der Vater war nicht dabei. Guten Freunden gibt man doch ein Küsschen?

Tina ist anders. Tina verhütet. Und darum liebe ich Tina so.

Ich bin der stille Beobachter. Der Sammler, nicht der Jäger. Fotoalben voll von Gerüchen und Gedanken. Sie weiß nichts von ihrem Glück. Ich bin der stille Beobachter. Der Sammler, nicht der Jäger. Und wenn wir ein Kind hätten, dann würden wir es „Mon - Chèri“ taufen, ein Doppelname. Und wenn ihr das nicht gefällt, dann eben „Piemont-Kirsche“! Keine Widerrede. Du bist so zuckersüß.

My Heart Will Go On.

Gestern hat sie mich angeschaut. Ganz bestimmt. Mit ihren himmelblauen Augen, direkt durch mich durch. Der Platz neben ihr ist frei. Ich auch. Für eine Frau und von Vernunft. Mein rechter, rechter Platz ist frei… Leben! Achtung! Die Notausgänge befinden sich vorne, links, rechts und da wo sie es am wenigsten vermuten. Tut aber nicht weh. Stellen sie sich nur richtig an. Niemals an der kürzen Schlange, dauert sowieso länger. Ein Blick. Augenblick. TickTack. Der Zug hat Verspätung. Sie wird nervös. Ihre Lider zucken, suchen nach Halt und krallen sich fest, nicht an mir. Wäre auch zu schön um wahr zu sein. In Wahrheit liebt sie einen anderen.

Ich spiele jetzt Gitarre. Seit gestern, als sie ihrer Freundin am mobilen Fernsprecher davon erzählte, dass Musik ihr Leben sei. Belanglos. Von Belangen. Verlangen, aber das ist ein anderes Thema. Les Paul kam mich heute Mittag besuchen, stimmig. Sechs Saiten weiter und mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Jetzt werde ich Rockstar. Ich nenne mich Pete, Michael oder Mick. Je nach Stimmung.

Jeder nach seiner Fasson.

Der Workshop „Songs von A-Z, wie schreibt man Musik, mit k natürlich!“ war ganz easy, hab ich mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt. Ein echtes Naturtalent. Darf ich vorstellen: PeteMichaelMick, je nach Stimmung, je nach Fasson. Was mir jetzt noch fehlt ist Tina, ein geregeltes Sexualleben und vor allem der Exzess. Dafür gibt es keinen Kurs, noch nicht. Er wäre überlaufen, also schenkt man ihn sich gleich. Nicht zu Weihnachten, aber fürs Nichtstun. Morgen werde ich es ihr sagen.

Morgen: Ich steige in die Bahn. Tina sitzt. Neben ihr alles frei. Ich mach mich locker, setz mich neben sie und sage mit gespielt britischem Akzent „Hey, ich bin Pete, Michael oder Mick, je nach Stimmung, je nach Fasson“ Und sie blickte mich nur entsetzt an, lachte und ich bemerke:

Missverständnis. Sie sprach von Musik und nicht von Rockstars.

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3 Antworten

Kommentare

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    Was erhebt denn bitte angehende Mediziner auch nur irgendwie über die Masse? Und sag jetzt nicht "der Umstand, dass sie sich um Menschen kümmern" oder so etwas...

    27.11.2007, 17:14 von Flocke84
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    nice

    21.11.2007, 16:33 von leBosh
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    erfrischend anders und echt toll :)

    21.11.2007, 10:13 von MiaMiau
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