Kleiner Mann, ganz groß
Der wunderbare Teitur verzaubert bei seinem Konzert das Erlanger Publikum.
Eine passendere Einstimmung auf das Konzert von Teitur als den Münchner Singer/Songwriter Phil Vetter hätte man sich kaum vorstellen können. Mit viel Charme und Witz trägt der an Nick Drake und Bob Dylan geschulte Musiker seine manchmal schwungvollen, manchmal traurigen Songs vor, die unter anderem um das tragische Ende einer Liebesbeziehung zweier Stubenfliegen (Kerze!) oder einen Jazzstudenten, der sich nichts sehnlicher wünscht, als einen Besuch von Xzibit, der seinen rostigen Polo pimpen soll, drehen.
Dann irgendwann betreten der bestens gelaunte Teitur Lassen und seine beiden Kollegen die Bühne des Erlanger E-Werks. Keine zehn Minuten dauert es, bis die drei Musiker von den winzigen Färöer-Inseln die Herzen des Publikums erobert haben. Das phantastische „Don´t Want You To Wake Up“ und die in holprigem Deutsch mit einem hinreißenden skandinavischen Akzent vorgetragene Ankündigung „Und jetzt kommt für sie „Louis, Louis““ genügen, um auch dem letzten Griesgram ein beseeltes Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.
Schon nach den ersten beiden Songs beschleicht die Zuschauer, die Teiturs aktuelles Album „Stay Under The Stars“ genauer kennen, ein Verdacht, den der 29-jährige kurz darauf bestätigt. Er habe beschlossen, das aktuelle Album an diesem Abend komplett zu spielen und sich dabei streng an die Reihenfolge der Platte zu halten. Eigentlich eine ganz schlechte Idee, gibt er selbst zu, aber manchmal müsse man eben auch schlechte Ideen in die Tat umsetzen. Letzten Endes ist die Idee aber gar nicht einmal so schlecht. „Stay Under The Stars“ ist schließlich ein wunderbares Album mit herrlichen, im besten Sinne altmodischen, kleinen Songs, das man durchaus von vorne bis hinten durchhören kann. Den strengen musikalischen „Fahrplan“ des Abends peppt Teitur mit seinen Ansagen auf. So merkt er zum Beispiel an, dass man als Deutscher das a im Wort Spaß dehnen sollte, denn Spaaaaß klinge schon sehr posh.
Ältere Songs spielt das illustre Trio erst in der Zugabe, die vom wunderschönen „Josephine“, einer Liebeserklärung an das gleichnamige Nachbarmädchen aus Teiturs Kindheit, eröffnet wird – auf Zuruf einer Zuschauerin („Und nun für sie as a spezial treatment: „Josephine“.“).
Irgendwann ganz am Ende steht Teitur Lassen dann ganz alleine auf der Bühne und stimmt mit der akustischen Gitarre das ergreifende „I Was Just Thinking“ an. Das ist so schön, dass es keiner im Saal mehr wagt, sich zu bewegen, geschweige denn zu sprechen. Sogar der höchst aktive Tontechniker – ein stämmiger Skandinavier mit rotem Vollbart, der den gesamten Abend selbst beim traurigsten Song noch fröhlich hinter seinem Mischpult herumgetanzt ist – steht nun gebannt da und hört seinem Kumpel vorne auf der Bühne zu. Abgesehen von der Musik hört man nun nur noch ein Geräusch – viele laut im Takt schlagende Herzen. Ganz groß!"Wichtige Links zu diesem Text"
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Kommentare
Teitur scheint echt sau gut zusein, die Lieder gefallen mir! Cooles YouTube-Video auf der MySpace Page von Teitur.... :]
16.02.2007, 14:40 von Stockhausen