PatrickN 23.02.2011, 19:41 Uhr 0 2

Kein Warten mehr im Wartesaal - Bosse ist zurück

Ein Treffen mit Aki "Axel" Bosse in Hamburg und ein Gespräch über sein neues Album, das am Freitag 25.02 erscheint

„Wir stützen unsere Köpfe, wenn sie wieder zu schwer sind und sitzen im Wartesaal zum Glücklichsein. Sitzen im Wartesaal und sitzen Mal“, singt Aki Bosse im ersten Song seines neuen Albums, der dem Ganzen auch seinen Titel gegeben hat.. Er selbst sitzt mir jetzt gegenüber, stützt auch seinen Kopf auf eine Hand und schaut nachdenklich aus dem Fenster in dem Hamburger Cafe. Ob er um die Erwartungshaltung mancher Fans wisse, habe ich gefragt. Die derer, die erwarten, dass „Wartesaal“ wieder rockiger und rauher sein wird als der Vorgänger „Taxi“. Zufrieden nickt er nach einigen Sekunden entschlossen, lächelt und sagt „Von allen Erwartungen versuche ich mich freizumachen, Und das ist gut so“. Er versuche nie einen zweiten Song nochmal zu schreiben, alleine schon, weil das sowieso nie funktioniere. Natürlich habe man das schonmal versucht. "Wenn man einen Hit -oder bei mir eher einen Campusradiohit - wie ´3 Millionen´hatte, dann überlegt man schon, ob einem so eine Song nochmal gelingt. Aber das geht dann sowieso nicht". Auch klarere Brüche habe man sich ab und zu vorgenommen "Am Anfang gab es mal die Überlegung, dass alles so Four to the Floor Beats haben sollte, aber auch das haben wir verworfen". Und so klingt „Wartesaal“ auch wie kein Rückschritt sondern wie konsequente Weiterentwicklung ohne dabei einen krassen Bruch mit der jüngeren, musikalischen Vergangenheit zu vollziehen. „.Ich habe viele Sounds und Instrumente einbauen können, die ich mir früher nicht leisten konnte“. Welche Rolle er mit seinem Songwriting und Stil in der nationalen Musikszene spiele, sei ihm dabei nicht wichtig. „Ob ich nun das fehlende Bindeglied zwischen Poisel und Madsen bin, ist nicht relevant“. Auf seiner Facebookseite gab es schon viele Kommentare und Empfehlungen in Sachen Stilrichtung und was er zu tun und lassen habe. Und auch wenn Bosse neugierig und "fast ein wenig Facebooksüchtig" ist, würden diese Beiträge seine Entscheidungen nicht wirklich beeinflussen. Auf „Wartesaal“ findet der Hörer intelligent arrangierten Indie-Pop und –Rock mit einer melancholischen Note. Das Werk besticht durch clevere, einfühlsame Texte, die direkt aus dem Leben gegriffen sind. „Manchmal passierten die Dinge mir, manchmal Freunden“, so Bosse. Und so gibt es da den eifrigen Workaholic, der immer nur weiter nach vorne möchte in "Roboterbeine". Und an einer anderen Stelle vergleicht er das Herz der Freundin mit einer großen Metropole und an den Geigen hört man, dass er einige Zeit in der Türkei verbracht hat. "Stimmt. Da habe ich mich beeinflussen lassen. Es gab auch viele Eindrücke, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe. Gut hingehört", sagt er. Und in "Yipi" lernen wir ein Pärchen am ersten Tag nach der großen Krise kennen. Längst ist nicht alles gut, aber die schlimmste Zeit scheint überstanden und die Talsohle der drohenden Trennungsphase durschritten. "Wende der Zeit" ist dann wieder ein Song über das Aufbrechen. "Da wo deine Füße sind, beginnt die Wende Zeit", heißt es da. Und so sind es viele zwiespältige Situationen, die die Protagonisten in den Songs erleben. Nie ist alles gut und nie ist alles schlecht. Und das lässt das Ganze so natürlich und realistisch erscheinen. Bosse freut sich nun auf das Feedback zum neuen Werk und die anstehende Tour, sagt er. "Die Lieder auf die Bühne bringen". Am Ende des Albums verspricht er dann auch „Im nächsten Sommer sehen wir uns wieder“. Ein Lied, das zum Soundtrack für alle Festivalpärchen werden könnte und mit "Der Sommer ist noch lang" auf dem Vorgängeralbum gekoppelt zu sein scheint. Und in dem Song schwingt auch erneut ein wenig die Möglichkeit mit, dass das nicht so sein könnte, dass es gar kein weitere Treffen gibt. Und das zum Abschluss des Albums? Ein Zeichen? "Hm, naja, man sagt das doch immer so. Und wer weiß was kommt. Aber das heißt auf keinen Fall, dass ich ans Aufhören denke" „Ich werde so lange spielen, bis meine alte Hand vor lauter Rheuma und Gicht die Gitarre nicht mehr halten kann. Ich lebe davon und ich könnte mich niemals in ein Büro setzen“, sagt er und schüttelt sich bei dem Gedanken. Wenn er weiter solche Songs schreibt wie auf „Wartesaal“, wird er das auch nie müssen

(Links entfernt)

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