sendeschluss 26.08.2005, 11:41 Uhr 5 0

Ihr müsst mich feiern wie ich fall’

Jens Friebe stellt sein neues Album vor. Seinen Freunden und mir.

Dies ist keine Albumkritik. Ich habe das neue Album von Jens Friebe noch nicht gehört, obwohl es sicherlich ganz toll ist, das sagt der Spiegel, das sagt die Intro, das sagt die Spex. Ich war tatsächlich sogar schon letzten Montag im Laden und hab danach gefragt, was mir fairerweise natürlich nur Augenrollen einbrachte, denn das Album kommt erst am nächsten Montag, also in vier Tagen raus. Da trifft es sich gut, das Friebe sein neues Opus heute in der Neuen Berliner Initiative, kurz nbi vorstellt. Dachte ich, und machte mich auf den Weg dorthin, pünktlich zu Beginn war ich auch schon da, man ist ja Fan und will bloss nichts verpassen. Tat ich auch nicht, ich bekam live mit, wie die Kassenkräfte gähnend zehn Minuten lang die Tür aufmachten und sich ihren Platz zurechtmachten, sowie noch ein paar Plakate aufhingen. Andere Gäste: Fehlanzeige. Hm, deswegen verlosten Intro und Spex also noch Gästelistenplätze, oder was?

Gute Gelegenheit für mich und meine Begleitung einmal über den Hof der Kulturbrauerei zu schlendern, darüber zu räsonieren, dass diese ja nun 'eigentlich gar nicht geht', weil sich hier ja nur die Alternative-Konsens-Spiesser / Radio1-Hörer / Neue Mitte rumtriebe. Zu recht, die Kneipe auf dem Gelände, in die es uns erstmal verschlug, bot neben einem Salsa-Abend auch reichlich Unternehmensberater-Schick, und das im Prenzlauer Berg. Auch das neue nbi mag nicht so recht in dieses Ambiente passen, wir schwelgten ein wenig in Erinnerungen an die 'alte Location', wohl wissend, das so etwas wie heute dort gar nicht stattgefunden hätte, da die Anwohner später beim kleinsten Pieps sofort die Polizei verständigten. Lärmerzeugung wäre im neuen nbi kein Problem gewesen, doch es blieb zunächst, bis auf das gediegen unauffällige DJ-Team ruhig. Lange ruhig. Die ersten Gästescharen trudelten gegen 22.30 ein, und diese wurden scheinbar von Herrn Friebe alle persönlich begrüßt. Da muss man sich natürlich auch mal Zeit für ein Pläuschchen nehmen. So versammelte sich munter die Kulturbohème (guck mal, die da ist doch bei Intro, oder? Ja, und da ist auch der Typ vom Spiegel, der mich gestern so besoffen noch angebaggert hat… und achte da, Maxi Hecker war beim Frisör!) und langsam beschlich einen das Gefühl, hier auf einer netten Privatparty eingeladen zu sein, auf der alle nur gesehen werden wollen und keiner bereit ist, einem mal den Gastgeber vorzustellen.

Dabei kenne ich Jens Friebe. Vom sehen - ich habe schon im Café Kakao neben ihm eine Apfelschorle getrunken, hinter ihm im Spar-Markt an der Kasse gestanden und mich drei Reihen hinter ihm von Rufus Wainwright verzücken lassen. Die Idee ihn anzukumpeln wäre mir aber im Traum nicht gekommen, ein Fehler wie sich erweist, denn so muss ich nun auf den Auftritt warten, bis alle anderen Gäste dies getan haben. Gegen reichlich elf Uhr betritt 'the original Jenster' dann endlich die Bühne und spielt fünf Songs vom neuen Album, inklusive Schlagzeugderwisch und netter Bassistin. Die Stücke sind gut, er singt besser als auf der letzten Platte, allein das Vegetariermanifest 'Theke mit den Toten' empfinde ich als Vegetarier doch etwas zu moralinsauer und platt. aber vielleicht hab ich da ja auch was missverstanden, ich hab's ja schließlich nur einmal gehört.

Nach 5 Stücken, respektive 15 Minuten gibt's dann erstmal eine Pause, in der man sich umschauen kann und wundert, über die seltsame Mischung und Stimmung: das Privatpartygefühl verstärkt sich. Schade, grad ist man angewärmt, bereit die anderthalb Wartestunden zu vergessen und sich in der Musik zu verlieren, ist es auch schon wieder vorbei. Nach einigem weiteren Warten und nicht-mit-Jens-Friebe-reden singt er dann noch drei Stücke zum Playback. Inzwischen sind allerdings auch einige Unternehmensberater von drüben zugegen, die erste Reihe macht Fotos von den zwei Tanzposen, die der Sänger zu bieten hat, die Stimmung kippt aber noch weiter, da die Musik sich kaum noch über das selbstgerechte Geschnatter der Anwesenden erhöht. Alben gibt's auch keine zu kaufen. Schade. Ich freue mich schon darauf, mir das Album in meinen eigenen vier Wänden und fern vom realen Friebejens anhören zu können, vielleicht entlockt es mir dann ja auch das ein oder andere Lächeln. Dieser Abend tat es jedenfalls nicht - ich bin wohl zu sehr Fan und zu wenig Freund."Wichtige Links zu diesem Text"
Homepage von Jens Friebe
die INTRO findet das neue Album ganz toll
der SPIEGEL auch

5 Antworten

Kommentare

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    Hihi, ich glaub, mein alter Sportlehrer hieß Jens Friebe...

    20.01.2006, 11:49 von Esababy
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      @[Benutzer gelöscht] na, aber nicht doch :o)
      Auf dem Konzert in Köln war nur eines befremdlich: Das Publikum (größtenteils zwischen 20 und 30 – und ich würde auch nicht sagen, dass da eine 15jährige Zielgruppe angepeilt wird) war sowas von stocksteif – da hat nicht einer getanzt. Und das bei Musik, die definitiv das Tanzbein kitzelt, komisch das!
      Die Musik ist schlichtweg großartig, da geb ich Dir recht. ich finde sogar, mit dem neuen Album ist Jens Friebe ein noch größerer Wurf gelungen als mit seinem Debut!

      14.01.2006, 16:07 von madmachine
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    also ich habe das Album mitlerweile schon sehr häufig gehört, und ich muss sagen: Es ist zwar nicht ganz so gut wie das alte, aber doch ganz ganz toll.

    Anspieltipps: Kennedy & Lawinenhund

    Und zu Theke mit den Toten: Ich verstehe dieses Lied eher auf ironische Weise. Man sollte sich nur mal die zweite Strophe (die mit den Aliens) anhören....

    25.09.2005, 16:22 von noneedforaname
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    So sind Record Release Parties eben. Entweder gnadenlos langweilige Werbeveranstaltung oder Selbstbeweihräucherung aller Teilhabenden (manchmal ist das ja auch nicht zu unrecht)....

    26.08.2005, 16:08 von GettingThere
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