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ina-simone 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 1

Hochhackige Erwartungen

Glitzerbroschen, Pumps & Broadway: "Gay Messiah" Rufus Wainwright gastierte im Pabst Theatre zu Milwaukee - eindrucksvolle Beweise gibt's auf CD & DVD

. Es ist ein bisschen wie mit dem Jungen, der sich eine Modelleisenbahn zu Weihnachten gewünscht hat und dem Christbaum wohl ordentlich in die Kugeln getreten hätte, wenn er sie nicht bekommen hätte. Während der Übergabe des Geschenks tut er jedoch höchst überrascht, verteilt euphorisch Küsschen, knipst das Leuchten in seinen Augen an und denkt sich insgeheim: Ich hab's doch gewusst. In Rufus Wainwright steckt mehr von diesem Jungen, als man gedacht hätte: "Wow! I was not expecting that! Thank you so much! My God!", ruft er nach dem ersten Song seines Live-Albums "Milwaukee at last!!!" dem tosend applaudierenden Publikum zu. Aber man ahnt: Natürlich hat er damit gerechnet. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat er es sogar erwartet, dass ihm seine Fans an diesem 27. August 2007 dermaßen zu Füßen liegen, gegen Ende der Show sogar zu Pumps. Wainwright weiß um seine Wirkung und liebt es, sich in Szene zu setzen.

Und weil man das nicht nur gehört, sondern auch gesehen haben muss, gibt es neben "Milwaukee at last!!!" auch noch einen gleichnamigen Konzertfilm, der sich insbesondere auf Wainwrights glamouröse Vorlieben konzentriert - Glitzerbroschenzwang für die Band und Selbstinszenierung als "Gay messiah" ausgerechnet im Pabst Theatre zu Milwaukee inklusive. Zum vorletzten Lied trägt er einen feschen Rock in Kombination mit halb blickdichter Strumpfhose und hochhackigen Lackschühchen, ein paar Stücke vorher singt er "Between my legs" auf den Schultern seines gut gebauten deutschen Boyfriends Jörn. Was das mit der CD zu tun hat? Nichts, denn das Lied fehlt auf dem Tonträger - ebenso wie 12 weitere der DVD-Titel. Stattdessen versammelt das Live-Album, das eher als Soundtrack zum Konzertfilm verstanden werden sollte, lediglich 10 Songs - wovon sieben ursprünglich von Wainwrights letztem Studioalbum "Release the stars" stammen. Seine durchweg hervorragenden Musiker halten sich weitgehend an die Original-Arrangements und das einzige, was zumindest den Gelegenheitshörer überraschen dürfte, ist diese unglaubliche Stimme. Jeder Ton wie maßgeschneidert, bis in die allerfeinsten Nuancen.

Während Wainwright sich auf "Release the stars" den furiosen Titeltrack noch für das große Finale aufgehoben hat, haut er ihn nun gleich als Opener raus. Das ist Broadway, das ist Las Vegas, das ist Größenwahn der mitreißendsten Sorte. Mit fantastischen Bläsern, die in der darauffolgenden knappen Stunde noch so einige beeindruckende Einsätze haben. Streicher gibt es hingegen - und das ist schon ein wenig bedauerlich - überhaupt keine. Dafür aber eine tirilierende Querflöte, die den Veilchenduft-Pop von "Sanssouci" stilecht veredelt. "Going to a town", Wainwrights Hassliebeslied an Amerika, ist und bleibt ein grandioser Song, auch auf "Milwaukee at last!!!". Da dürfen Künstler und Gefolge sich auch die Zeit nehmen, "Not ready to love" und "Slideshow" im Zeitlupentempo mäandern zu lassen und innerhalb von stolzen 14 Minuten miteinander zu verschmelzen. Zum Dahinschmelzen ist auch das sehr reduziert instrumentierte "Nobody's off the hook". Wenn Wainwright am Flügel sitzt und singt, wird eines mehr als deutlich: Seine Künstlerseele braucht vielleicht die üppigen Arrangements und die Opulenz. Seine Lieder brauchen sie nicht. Sie sind schon groß genug.

Genug Ideen, um sich nicht wiederholen zu müssen, hat Wainwright auch. Dass man bei ihm ein Déjà-entendu hat, kommt äußerst selten vor. Und doch beschleicht einen bei "Milwaukee at last!!!" das Gefühl, zumindest ein Déjà-vu zu erleben. Ein Live-Album? Das hatten wir doch vor genau einem Jahr schon einmal. Allerdings handelte es sich damals um einen Mitschnitt von Wainwrights Judy-Garland-Hommage "Rufus does Judy at Carnegie Hall". Und weil's so schön war, präsentiert er aus diesem Repertoire noch einmal "If love were all", sogar noch einen Hauch hinreißender als damals. Mit dem irischen Folk-Song "Macushla", ganz ohne Mikrophon gesungen, hat "Milwaukee at last!!!" noch ein besonderes Schmankerl parat. Von den ersten vier Alben "Rufus Wainwright", "Poses", "Want One" und "Want Two" ist - und das erweist sich angesichts der erheblich abwechslungsreicheren DVD-Playlist als ein echtes Manko - nur ein einziger Song vertreten. Nämlich der, mit dem die Shows der "Release the stars"-Tour traditionell beendet wurden: "Gay messiah". Anschließend wird man noch Ohrenzeuge, wie Wainwright euphorisch Küsschen ans Publikum verteilt, das selbstverständlich sehr, sehr begeistert ist. Und dann knipst man das Leuchten in den Augen an und denkt sich insgeheim: Ich hab's doch gewusst."Wichtige Links zu diesem Text"
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Kommentare

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    hach! rufus…

    22.12.2009, 00:26 von beenerin
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