id.cay 22.03.2009, 19:25 Uhr 1 0

Explosion Tom Tom Club

Gestern, in den Flottmannhallen Herne, wurde ich von einer Energie überwältigt. Die Rede ist vom großartigen Cirque Nouveau-Vertreter Tom Tom Club.

Wie es sein kann, dass eine der weltbesten Showformationen in meinem unbedeutenden, kleinen Städtchen auftritt, ist mir immer noch ein Rätsel. Tatsache ist: Sie sind gerade auf Welttournee und es war ihr einziger Auftritt in Deutschland. Die Rede ist vom Tom Tom Club. Und nein, ich meine nicht die Band. Ich meine Ben Walsh, einen der begabtesten Drummer und Perkussionisten, den ich je gesehen oder gehört habe, der einzige Omnicord-Spieler, den ich je gesehen und gehört habe. Ich meine die Old School Hip Hop Beats und die Profi School Drum Set Beats von Scratch Master und Top-Drummer DJ Dizz1. Ich meine Tom Thum, bester Beatboxer Australiens (Ja, okay: zweitbester. Joel Turner ist ja Weltmeister). Ich meine vier Athleten der besten-da-einzigen australischen Zirkusschule The Flying Fruit Circus: Tom Flanagan, Ben Lewis, Daniel Catlow und Shane Witt.

Wovon ich hier eigentlich spreche? Gestern, in den Flottmannhallen Herne, wurde ich von einer Energie überwältigt. Die Energie eines Drummers, der von Trommeln umzingelt wird, die Energie eines DJs und eines Beatboxers die gegeneinander antreten, die Energie von vier Männern, die sich gegenseitig bis zu vier Metern in die Höhe schießen.
Was ich gesehen habe? Ben Walsh unterhält das Publikum, unterlegt auf den Drums die Artistik seiner Künstlerkollegen, trommelt auf acht Toms, die sich über, unter, rechts und links von ihm befinden und spielt mit einem Omnicord, dem wohl merkwürdigsten Instrument, dem ich bisher begegnet bin, ein Lied über ein Omnicord. Tom Thum imitiert jeden denkbaren Musikstil und jedes denkbare Instrument – mit Mund, Nase und Kehle, gibt alle Tonspuren von Billy Jean gleichzeitig zum Besten, und fordert den MPC von DJ Dizz1 heraus. Dizz1 hält gut dagegen, unterlegt alles mit energetischen Beats, lässt sich vom Zuschauer per Kamera, Beamer und Leinwand beim Scratchen über die Schulter gucken, und sitzt am Drumset, wenn Walsh gerade woanders trommelt. Flanagan, Lewis, Catlow und Witt schlagen Räder, Saltos und Flic Flacs, schwingen am Trapez durch den ganzen Zuschauerraum und schießen sich mit einer Wippe gegenseitig in die Luft, und landen auch mal auf den Schultern der anderen. Wenn ihnen langweilig wird, stapeln sie sich eben übereinander, misslingt ein Trick, wird er wiederholt.
Warum das alles so gut zusammenpasst? Mag es sich vielleicht doch sehr chaotisch anhören, so kenne ich keine Fusion, die auf der Bühne besser funktioniert. Das Extrem ist die Gemeinsamkeit all dieser Disziplinen. Jeder der Künstler erreicht die Grenzen die Kunst, vermag sie sogar zu verschieben. Wenn am Schluss die Beats aus Pult, Schlagzeug und Mensch auf die Sprünge der Athleten treffen, gibt es eine Explosion der Energie und der Zuschauer meint hinterher, sich ebenso erschöpft zu fühlen wie die Protagonisten.

Es gibt kaum eine Beschreibung für so ein Erlebnis und wie gerne würde ich empfehlen, die nächste Show zu besuchen, doch – es war ja der einzige Auftritt in Deutschland. So kann ich euch nur, um eurer selbst Willen, auffordern, die Internetseiten im Blick zu behalten und auf ein baldiges Wiederkehren zu warten. In Herne wird der Tom Tom Club wohl immer willkommen sein."Wichtige Links zu diesem Text"
MySpace: Tom Tom Club
Produzenten Strut & Fret
My Space Video: Hard n Fast
YouTube: Tom Tom Club Demo
YouTube: Acrobatics

1 Antworten

Kommentare

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    Schon komisch, dass sie sich ganz ungeniert den Namen einer 80er Band greifen. Oder sollte ich „strategisch blöd“ sagen?

    Ansonsten: Klingt gut.

    23.03.2009, 13:58 von ringerman
    • 0

      @ringerman Spielt halt zum einen auf die Trommeln, zum andern auf die Leute an. Tom Thum, der Beatboxer, Tom Flanagan, der leitende Athlet, und ich glaube Dizz1 heißt auch Tom.

      23.03.2009, 14:42 von id.cay
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