max_fellmann 15.07.2006, 15:58 Uhr 0 1

Eine für alle

Kein Star wandelt sich schneller als CHRISTINA AGUILERA. NEON sortiert das Rollenspiel.

1. Zicke
Als ihre erste Single gerade in den Charts war, machte Aguilera einen Hotelportier zur Minna, der sie nicht erkannte. Ihre Erklärung: »Fragt der Kerl mich, ob ich eine Touristin bin! Dabei bin ich ja gerade die Nummer eins der Charts!«

2. Wildes Ding
Um Tommy-Lee-Fans zu beeindrucken, zeigt Aguilera seit ihrer »Stripped «-CD mehr Haut als Kleidung. Dadurch wirkt sie »megacool« (BamS). Auch wild: Piercings. Aguilera hat elf und gibt gern Auskunft über eins im Genitalbereich. Im Interview freute sich die Frau, die vor ihrem Ehemann angeblich wenige Freunde hatte: »Ich habe von allen Seiten Komplimente dafür bekommen!«

3. Mädchen von nebenan
Wer in den USA Platten verkaufen will, muss die Bibelleser gewinnen. Also betont Aguilera, wie wichtig die Familie sei, wie normal ihre Hobbys: Fast Food und Shoppen. Außerdem behauptet sie, aus Angst vorm Dunkeln schlafe sie bei eingeschaltetem Licht.

4. Britney
Mit 12 landete Aguilera im »Mickey Mouse Club«, wo auch Britney Spears’ Karriere begann. Als Solokünstlerin war sie dann das, was man ein Me-too-Produkt nennt: Wo es genug Fans für Britney gab, mussten ein paar für eine Fast-Britney übrig bleiben. Dass auf Dauer etwas Abgrenzung nötig ist, erkannte Aguilera aber früh. Mit 18 erklärte sie der Bravo: »Brit mag die Popboys, ich mag mehr die Rockguys.«

5. Diva
Aguilera kennt den Wert der Dekadenz: Während der Produktion ihres zweiten Albums ließ sie Studiozeit verstreichen, indem sie stundenlang Tischtennis spielte. Die Plattenfirma berechnete die so entstandenen Kosten auf 200 000 Dollar.

6. Gebranntes Kind
Wir wollen Aguilera nichts unterstellen. Warum aber begann sie gerade, als ihre Karriere etwas Pfeffer vertragen konnte, über die Schläge zu sprechen, die ihr Vater in ihrer Kindheit austeilte? Eine Freundin: »Christina sah sich immer den Musicalfilm ›The Sound Of Music‹ an. So half ihr die Musik, dem Horror zu entkommen.«

7. Ehrliche Show-Biz-Arbeiterin
Wenn Stars für ihren Ruhm gerackert haben, lieben wir sie noch mehr. Aguilera (»Mein Freund ist meine Karriere«) schuftet seit Kindesbeinen. Mit acht gewann sie in der Sendung »Star Search« ein kleines Preisgeld und kaufte sich einen tragbaren Verstärker, mit dem sie in Parks auftreten konnte. Vermutlich schraubt die Frau vor Auftritten auch noch Scheinwerfer eigenhändig an.

8. Madonna
Bei ihrer Plattenfirma nannte man Aguilera anfangs »die neue Streisand«, dabei orientierte sie sich an Madonna. Weil die dafür gerühmt wird, sich ständig neu zu erfinden, probiert auch Christina immer neue Looks – so hektisch, dass niemand sagen kann, bei welcher Inkarnation sie gerade ist. Das Magazin »The Face« nannte sie deshalb »eine Mini-Madonna auf Amphetamin«. Immerhin brachte sie es so zum Zungenkuss mit der Königin bei den MTV-Awards.

9. Konzeptkünstlerin
Mit dem Video zum Song »Fighter« machte sich Aguilera an die Björk-Fans ran – als schwarze Motte, die zum Schmetterling wird. Ihr Gesicht schien zu sagen: »Ich versteh nicht, was hier los ist, also muss es Kunst sein.« Zum Themenabend auf Arte reichte es trotzdem nicht.

10. Mutter Theresa
Viele Minderheiten ergeben zusammen eine Mehrheit. Neue Zielgruppen sollte »Beautiful« ansprechen: Im Video begehren Magersüchtige gegen ihr Spiegelbild auf, im Text rät ihnen Aguilera, sich frei zu machen und schön zu fühlen. Der Ansatz ist sympathisch – aber so ganz wird man das Gefühl nicht los, da könnten bei Bedarf noch Songs für Schneckenzüchter und Schlumpfsammler folgen.

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