ulfsch 23.09.2004, 14:03 Uhr 9 0

Das Roskilde-Gefühl

Dänemark, Roskilde, Ende Juni. Eigentlich ist das hier gar kein Festival. Es ist ein Suchtmittel.

Camping Stage, die kleine Bühne, bevor die Tore zum eigentlichen Festivalgelände öffnen. Das Wetter schauert vor sich hin, und durch latschende Menschenmengen mutiert der Aggregatzustand des Bodens langsam zu einer plasmaartigen Matschmasse: "Roskilde smatten" - der spezielle Roskilde-Modder.

Aber egal. Spätestens, wenn die erste Band die kleine Bühne betritt und die ersten Akkorde aus den Lautsprechern in die Gehörgänge kriechen, beginnt irgendeine archaische Region des Stammhirns damit, roskildespezifische Endorphine auszuschütten. Dieses Festival macht abhängig. Und es ist dabei völlig gleichgültig, ob das Gelände nach ein paar Tagen eher dem Veranstaltungsort eines gepflegten Nato-Herbstausflugs gleicht oder ob der Boden, zur Abwechslung von durchaus mal vorkommender dänischer Dauersonne getrocknet, sich langsam in Staubwolken auflöst - einmal dagewesen, einmal mitgemacht, immer wieder.

Woran das liegt? Nur an der Musik nicht unbedingt, letztes Jahr war das Line-up eher unterdurchschnittlich. Am Wetter auch nicht, das tendiert zumeist Richtung skandinavisch-unstet. Es ist die Stimmung, die die Produktion der Roskildehormone ankurbelt. Das fängt beim Personal an: Sämtliche Festivalhelfer bekommen für ihre Arbeit keine einzige Dänenöre, sondern arbeiten ohne Profit - wie das ganze Festival. Ihr einziger Lohn: freier Eintritt. Dafür machen sie zwei Tage Dienst an einem Getränkestand, in einer Fressbude oder gar als Sicherheitsfuzzis. Sie sind auch nur Festivalbesucher wie man selbst und wollen genauso ein paar Tage entspannte Realitätsferien mit Musik. Dazu kommen all die komischen Vögel, die von Festivals sonder Zahl angezogen werden und für die sich offenbar besonders in Skandinavien reichhaltig Biotope finden. Selbstdarsteller, Gruppeninszenierungen, Zeltverzierungen, selbstgebastelte Flaggen und haufenweise mehr zumeist ziemlich durchgedrehtes Distinktionszeug finden sich auf jedem Quadratmeter.

Und es klappt, das Roskilde-Gefühl gewinnt eine Eigendynamik, breitet sich aus, legt sich übers gesamte Areal, steigert sich weiter nach der zeremoniellen Öffnung der Tore des riesigen Konzertgeländes mit den sechs Zeltbühnen, bekommt einen zusätzlichen Arschtritt durch die Musik. Unglaublich, dass eine Veranstaltung mit annähernd hunderttausend Menschen so wenig aggressiv, so fürchterlich gut gelaunt und entspannt sein kann. Trotz literweise Tuborg, trotz oft schlechtem Wetter, trotz Schlammpfützen bis Oberkante Gummistiefel fährt man erholt nach Hause und zehrt noch wochenlang von den hübschen Erzeugnissen der eigenen Hirnanhangdrüsen. Und dann: Warten auf die nächste Dosis. Ab Dezember gibt's Karten.

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    Ich empfehle die Anreise mit der Fähre Puttgarden-Rødby. Ist entspannter als die Straßenvariante über die Große-Belt-Brücke, die mit höheren Benzinkosten und Maut insgesamt nicht billiger kommt und aufgrund des Umwegs auch nicht schneller ist. Kosten für eine einfache Fahrt mit der Fähre inkl. aller Autoinsassen: 51,- €. Dazu kommt Kraftstoff für knapp 300 km, also ca. 25,- €. Also: Auto schön mit Leuten vollpacken und ab! Es lohnt sich. :o)

    12.04.2005, 09:41 von ulfsch
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    Das Roskilde Festival reizt mich auch von Jahr zu Jahr wieder.
    Man entscheidet sich dann aber doch immer wieder für den bequemen (und mit Studententicket günstig zu erreichenden) Ort Scheeßel uns sein Hurricane.

    Mit welchen Kosten muss man denn ungefähr rechnen, wenn man, sagen wir mal von Hamburg aus anreist?

    11.04.2005, 23:36 von bartender
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    Du sprichst genau das aus, wovon mir meine norwegischen Freunde berichtet haben( war letztes Jahr ein Jahr in Norwegen). Sie haben mich förmlich angesteckt und ich will unbedingt entlich mal dorthin. Leider wird es dieses Jahr noch nicht klappen, aber nächstes Jahr, dann bestimmt!!!
    Gruß
    Skadi

    07.04.2005, 23:17 von Skadi_2muc
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    Unvergessen nach dem Schlammbad und dem fremden Mann in meinem Zelt ist mir bei unserer nächtlichen Flucht nach Kopenhagen der Anblick unzähliger ausgesetzter Gummistiefel geblieben. Hunderte entnervter Festivalbesucher müssen sie sich ausgezogen haben. Die dreckigen Stiefel lagen nun in kleinen Grüppchen oder vereinzelt in Mülltonnen, verloren auf dem Gehweg oder mitten auf der Straße. Ein seltsam poetischer Anblick.

    24.01.2005, 18:40 von uusikopio
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    YEAH !! Nächstes Jahr bin ich wieder dabei !!

    22.11.2004, 23:16 von KirstyLakolk
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