GregoryCorso 20.11.2005, 12:37 Uhr 8 0

Babyshambles

"Down In Albion", das erste Album der wohl unzuverlässigsten Band der Welt

Als ich das Album zum ersten Mal gehört habe, musste ich mir vorstellen wie es ist, an einem Bahnhof oder vor einem Club zu sitzen. Ein zerzauster Straßenmusiker setzt sich neben mich und spielt auf seiner Gitarre einige Lieder und erzählt mir Geschichten aus seinem Leben. Durcheinander, mal fröhlich und mal traurig, aber immer aus dem Herzen.

So oder so ähnlich müsste man sich nach einer Stunde, drei Minuten, neunundvierzig Sekunden Musik fühlen. "La Belle Et La Bête", merkwürdig das die Babyschambles solch strukturierte Songs in den Taschen bereit halten und damit überraschen. Aber wie kann es anders sein, bzw. von Pete Doherty und Co kommen. Strukturiert denkste, natürlich bleibt ein weiterer durchsichtiger Fortlauf aus. Nervös und abgedreht wirken die verspielten Gitarrenparts, der Bass bildet ein kraftvolles Rückrat und steht wie ein Fels in der Brandung, die Stimme Pete Dohertys schwankt wie ein Schiff auf offenem Meer hin und her, zwischen Höhen und Tiefen, passend zu seiner Persönlichkeit.

Das schon früh veröffentlichte "Fuck Forever" hängt einem immer noch im Ohr, wie das Grummeln im Margen nach einem durchzechten Abend, mit viel Bier und kaltem Zigarettenrauch. Wie ein Schlag auf den Hinterkopf erwacht man aus der angespannten Stimmung des Anfangtracks. "I'm so clever" but he’s got a lot of problems, hat Herr Doherty an dieser Stelle für sich bestimmt festgestellt und wandelt zwischen Einsicht und Realitätsferne.

Macht es doch Spaß bei „Pipedown“ mit den Füßen zu stampfen wie ein wilder Stier. „You better pipe down you got the right sound put the pipe down oh my, oh my, oh my…”, man glaubt Pete hat anscheinend aus seinen Fehlern gelernt und erklärt in „Pipedown“ wie man damit anfangen könnte wieder bei null zu starten.

Wie ein schönes Gefühl an das man sich klammern will, "I'm In Love With A Feeling", schön und vertraut wie ein Tag ohne Regen und traurigen Gesichtern. Doch Pete Doherty würde nicht Pete Doherty heißen wenn er nicht so seine Musik ausleben würde wie sein Privatleben, launisch und unberechenbar.

Zentral bildet das allgegenwärtige "Albion" die Heimat die er sich wünscht, in der man über Gefühle und Probleme spricht als wäre es die normalste Sache auf Erden. Ein Ort in dem sich Menschen mit verlebten Gesichtern treffen, um zu reden und zu trinken wie alte Schulfreunde.

Schönes Fundstück, was längere Zeit Freude und Trauer beschert, Gefühle die das Leben lebenswert machen. Eine schöne Einführung ins „Albion“.

8 Antworten

Kommentare

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    Schön geschrieben der Text, kann auch nicht den Kommentar von DesignForLife verstehen, verstehe daher auch deine Reaktion. Das Libertines-Buch hab ich zwar auch nicht gelesen, hab mir aber trotzdem ne Theorie aufgestellt die zeigen würde dass Albion doch eine Phantasie-Welt ist .............

    Ich fang mal so an
    .........wenn wir es genau betrachten, heißt Albion nicht England, sondern war eine Bezeichnung für Großbritannien. Und der Umstand dass dieses Wort schon mal von jemandem verwendet wurde, schließt nicht aus, dass Pete Doherty diesen Terminus für seine Phantasiewelt benützt. Und dass Doherty in einer Phantasie-Welt lebt oder dies zumindest möchte, bestätigt der Konsum diverser Drogen als Zeichen der Realitätsverweigerung. Nicht nur sein Bewusstseinszustand ändert sich für beschränkte Zeit, er nimmt sich auch die Freiheit Gesetze zu brechen und nach anderen Gesetzen zu leben. Somit baut er sich sein eigenes Land, eine eigene Welt nach seiner Phantasie, mit eigenen Gesetzen.
    Weiß nicht ob das nachvollziehbar ist oder nicht...........

    stay tuned

    05.10.2006, 14:44 von martinsson
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    ich finde es erstmal erstaunlich, das sie es tatsächlich geschafft haben, ein album auf den markt zu schmeißen.
    und es ist wirklich ok

    27.11.2005, 17:56 von Le_Libertinchen
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    Hey! Also, man muss nicht unbedingt Libertines-Experte sein, um über Dohertys Albion Bescheid zu wissen. Eigentlich muss man nur den neuesten Musikexpress gelesen haben... Selbstverständlich ist es ein altes Wort für England, jedoch hat Doherty seine phantastische Traumwelt einfach so genannt, ähnlich der Romantiker, die sich in das 'finstere' Mittelalter voller Mysterien zurückwünschten... Ansonsten ist es eine ziemlich gute Platte. Das kann ich nach nur einmaligem Hören sagen. Und ich wie ich in früheren Beiträgen zu Pete und Kate schon mal gesagt habe: Pete ist cool. Der Typ ist so verdammt cool, dass einem Angst und Bange wird. Denn er lebt! Und jeder, der was an Pete auszusetzen hat, sollte erst darüber nachdenken, ob das wirklicher Anstand ist, der aus ihm selbst spricht oder einfach nur blanker Neid.... Wünsche Euch 'nen crazy Tag... BlackRebel

    23.11.2005, 13:13 von BlackRebel
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    Aha ein Libertines-Experte also :) Sehr schön geschrieben.

    23.11.2005, 12:59 von Alternative
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    Ich glaube du solltest dir mal das Buch "Kids in the Riot:High &Low With the libertines" durch lesen, ich glaube dann würdest du verstehen was ich meine, macht aber nichts ich helfe dir gerne wenn du noch weitere Fragen zu Pete oder den Libertines hast. Wünsche dir noch nen schönen Tag

    22.11.2005, 15:10 von GregoryCorso
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    Albion ist übrigens ein veralteter Ausdruck für England, und nicht für irgendeine Phantasiewelt. Ansonsten ist die Platte klasse. Aber von Holy Pete war ja auch nichts anderes zu erwarten, oder?

    ...

    22.11.2005, 11:36 von DesignForLife
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