organic2000 22.03.2004, 00:58 Uhr 26 0

Wieso hört eigentlich keiner mehr Radio?

In unsere Mediengesellschaft ist das Medium Radio immer mehr in den Hintergrund gerückt.

Und dabei ist es doch das weitaus angenehmste, aber wohl auch auch das schwierigste Medium. Einerseits kann man es ja prima nebenbei hören, z.B. beim kochen, im Auto etc. Aber andererseits ist es schwieriger, Themen (insbesondere komplexe) leicht verständlich rüberzubringen, da ja ein Sinn weniger zur Verfügung steht, den man bedienen kann (quasi das Sehen). Doch mittlerweile fristet das Radio ein Leben hinter TV, Internet, ja sogar Printmedien.

Ich mache seit ca. 2 Jahren auf einem Lokalsender eine Radiosendung (und im Internet), und ich merke, wie abseits man stehen kann, wenn man nicht typisches Radioformat vertritt, wo man überhaupt noch Chancen hat, gehört zu werden, also Charts hoch und runter, kleine Spielchen mit den Zuhörern, platte Witze etc. etc. Das ist das Einzige (meiner Erfahrung nach), was die Menschen nebenbei noch ertragen können.

Aber warum? Ist es ein Medium, was immer mehr ausstirbt?
Ein Problem ist sicherlich, daß viele Menschen eh nur das hören wollen, was sie kennen; das sieht man ja zur Genüge im TV, bei den ganzen Revivalshows und Coverversionen von zu ziemlich jedem Song, den es einmal gab. Neues ist halt anstrengend...und unser Leben ist ja schon anstrengend genug. oder?

Andererseits fehlt in unserer Gesellschaft die Fantasie, sich bestimmte Themenkomplexe vorzustellen. Und dabei kann auch z.B. der Schrecken eines Krieges sehr bildlich sein. Wer z.B. die "Weltzeit" auf Deutschlandradio kennt, weiß was ich meine.
(Dieses Problem wurde auch schon in ähnlicher Weise im SPIEGEL der letzten Woche aufgegriffen, zum Thema ´Die Welt als Power-Point-Präsentation´.)

Das Radio hat seine klassische Funktion als Informationsmedium längst verloren. Und hat noch lange nicht seine Funktion als Unterhaltungsmedium erreicht, wenn es dieses überhaupt erreicht und nicht komplett ausstirbt.

Und es gibts soviel zu entdecken! Sehr viele, auch lokale Radios, vielleicht auch in eurer Nähe, sind so faszinierend! Es gibt so faszinierende Projekte, wie z.B. das "Radioballet" auf dem FSK (HH), wo versucht wurde, das Radio als interaktives Medium zu gebrauchen.

Deswegen wünsche ich mir, daß einige Menschen wieder öfters dieses Medium nutzen. Weil die Informationen viel klarer zur Geltung gebracht werden können, und es auf jeden Fall noch interessantere Ansätze als das JUMP-Radio-Prinzip gibt.

26 Antworten

Kommentare

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      @[Benutzer gelöscht] und die profis am samstag morgen. mit dem höhepunkt mark benecke. großartig und kaum zu schlagen. intelligentes radio mit guter musik...

      27.01.2008, 03:11 von nutella
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    Das Ganze ist, wie ich denke ein zweischneidiges Messer...ich arbeite beim WDR Radio, dass ja einige "Wellen" hat und muss sagen, dass ich auf die Frage "Hören die Menschen noch Radio?" nur mit "Jein" antworten kann. Wenn man sich mal die Anzahl der Höreranrufe und Mails anschaut, die täglich so reinkommen, dann kann man nur sagen: Radio wird mehr gehört als man glaubt. Allerdings kann ich zustimmen, dass die "jungen" Wellen ihren Sinn als Informationsmedium verloren haben und rein auf Unterhaltung gehen...allein daran zu sehen wenn man sich anschaut, dass deren Ziel oft ein Wert von 70% Musik und nur 30% Wortbeitrag ist...allerdings hat sich einfach auch der Hörer verändert. Bei einem Hörertag bei WDR 2, der erst vor kurzem stattfand und an dem Hörer mit Redaktueren sprechen konnten um Ihre Kritik oder Lob anzubringen wurde ziemlich klar, dass Dinge die kritisiert wurden wie "Ihr spielt am Tag 3 mal das gleiche Lied" oder "Ihr bringt nie was über dies oder jenes" ganz einfach nicht stimmten...Radio ist eben (oft) sehr viel subjektiver noch als TV...Grundsätzlich aber kann ich auch nur sagen: Mehr gutes Radio braucht das Land!

    26.05.2006, 10:18 von Juleco
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    Also ich höre ungelogen fast jede freie minute-die ich zuhause verbringe-radio...wobei der anteil bei mir früher höher war....komme zwischenzeitlich leider nicht so oft mehr dazu
    aber ich hatte früher auch immer spezielle sendungen die ich dann auch jeden abend hören musste...
    radio ist viel besser als diese dummen musik-sende im tv...erstens gibt es da keine gülcans,klaas und wie sie noch heißen am laufenden band-handywerbung auch mit eingeschlossen-und es werden andere bands auch gespielt(gut kommt auch auf den sender drauf an)....natürlich rede ich gerad nicht von den lokalsendern..die lasse ich mal außen vor..weil die mal brutal schlecht sind..
    ich finde aber auch dass noch mehr journalismus ins radiomikrofon gehaucht werden muss...

    28.02.2006, 18:30 von schwester_tina
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    deutsche radiosender sollten sich ein bespiel an dem österreichischen fm4 nehmen. natürlich kann auch das nicht jeder mögen, allerdings wird hier richtig schöne gute gute gute musik und andere schöne sachen gesendet.

    16.01.2006, 20:29 von weoidk
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    Es ist doch so, dass sich das Radio selbst sein Grab gräbt. Ähnlich wie in der Musikindustrie werden die einzelnen Acts/Songs immer austauschbarer und die Grenzen ziwschen den kommerziellen Radiosendern werden deutlich schwammiger. Auch was redaktionelle Beiträge anbetrifft, wandert an vielen Stellen alles ins Niveau des Privatfernsehens. Das ist schade, bringt aber scheinbar Quote.

    Ausnahmen gibt es, da gebe ich Dir recht – Das Kulturradio Deutschland etwa oder in Hessen HR1 (mit seiner Sendung "schwarz/weiß-Musik in farbe"). Da werden Geschmäcker auch abseits der breiten Masse bedient. Mehr Mut zu mehr davon!

    14.01.2006, 16:01 von madmachine
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    Ein Problem ist auch, daß GUTE Radiosendungen sich nicht so bewerben können wie Filme oder TV-Sendungen. Oder kennt jemand eine Radiozeitschrift?

    26.12.2005, 19:46 von Zisse
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    Mir gefällt eigentlich nur Internetradio, da hier nahezu jeder Musikgeschmack abgedeckt wird. Mit normalem Radio kann ich nichts anfangen weil mir die Charts auf den Wecker gehen.

    17.08.2005, 16:15 von gabbergandalf
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    Fritz war wirklich mal richtig gut. Der Bluemoon mit Kuttner ist Kult!

    Wie Dietmar Wischmeyer es mal wirklich gut bemerkte: Das Radio in Deutschland hat an Reiz verloren, weil alles in ein bestimmtes Format gezwängt wird. Jeder Sprechbeitrag wird mit einer dusseligen Melodie unterlegt, nur damit das Wort nicht in den leeren Raum fällt, alle 5 Minuten kommt ein Selbstbweihräucherungsjingle, die Mucke ist nicht wirklich toll aber auch nicht wirklich schlecht. Es fließt alles zäh in den Gehörggang hinein und versumpft in der Belanglosigkeit. Das unterfordert, aber man wird beim Autofahren nicht erschreckt...

    Viva Figaro und Radio 1

    03.06.2005, 00:13 von Duffsen
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