Werther vs. Wibeau
Über das Buch, dass einen "fast gar nicht tötet und fast gar nicht krank macht".
„Romeo & Julia“, „Faust“, „Die Welle“ und „Nathan, der Weise“. Das sind Bücher die man liest wenn man zur Schule, oder wie in meinem Fall, schon wieder, bzw. immer noch zur Schule geht. Und zu diesem lustigen Sammelsurium an Unterrichts-Pflichtliteratur gehört auch Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“.
Für alle, denen dieses Stück Papierverschwendung noch nicht in die Hände gefallen ist, sei gesagt, dass diese Erzählung auf Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ basiert und das W. hier allerdings nicht für den Werther sondern den Wibeau, Plenzdorfs jungen Helden der Geschichte, steht. Der Titel ist natürlich absicht- und offensichtlich so gewählt, damit man sofort die Verwandtschaft zu Goethes Klassiker bemerkt – sehr einfallsreich Hr. Plenzdorf.
Weiterhin ist dieses Kleinod an Roman sehr, und für meinen Geschmack, zu simpel gestrickt. An allen nur erdenklichen Stellen, lässt einen Edgar Wibeau wissen, was ihn alles „fast gar nicht tötet oder fast gar nicht krank macht“ („Es tötete mich immer fast gar nicht, wenn ich so einen 25-jährigen Knacker mit Jeans sah“). Und das macht mich „fast gar nicht krank“ sondern aggressiv. Plenzdorfs Schreibweise soll der Sprache eines jungen überdrehten aufmüpfigen Heißsporns nachempfunden sein, doch stattdessen hat es eher etwas von der Zerfetzung und Verwurstung der deutschen Sprache. Nie würde ein Mensch so sprechen, noch nicht mal denken, wie Plenzdorf es den Wibeau tun lässt. Und genau das, lässt einen ab ungefähr einem drittel des Buches, eben jenes wütend in die Ecke pfeffern.
Ein weiterer störender Faktor in und an diesem Buch ist, das Plenzdorf andauernd auf „seinen“ Titel und die damit verbundene Assoziation mit Goethes Werk anspielt, indem er seinen Hauptakteur andauernd irgendwelche Leiden herunterleiern lässt. So ist zum Beispiel "das Verflüssigen wollen und das sich daraufhin verbreitende Gefühl in seinen gesamten Därmen ein echtes Leiden von ihm", textet Wibeau/Plenzdorf. Das kann zum Leiden für den Leser werden.
Insgesamt ist das Buch an den wenigsten Stellen unterhaltsam oder spannend und evtl. nur im Aufbau, denn die Geschichte beginnt mit dem Ende und findet seinen Aufbau in dem was die auftretenden Personen über den Wibeau zum Besten geben, interessant. Also viel Spaß beim Lesen!





Kommentare
hmm, ich fand den neuen W. eigentlich recht amüsant (so Phrasen "ich glaub, mich streift ein Bus" :D ), und glaube, den sollte man einfach nicht so ernst nehmen...
16.02.2004, 22:41 von Philipp@Philipp für mich waren es gerade diese stellen, die mich störten (und später total nervten). gott sei dank haben wir jetzt am dienstag den aufsatz geschrieben und sind ihn jetzt los!
19.02.2004, 20:13 von Fuya@Fuya dafür kommt jetzt nathan der weise...
19.02.2004, 20:15 von reizueberflutung@reizueberflutung Hallo reizüberfluteter, 20-jähriger Schüler
06.06.2004, 04:35 von peter4307870Offensichtlich hast Du das Buch nicht ansatzweise verstanden. Und das kannst Du auch nicht, da es lange vor Deiner Zeit in einem Land geschrieben wurde, das Du nicht kennst.
@peter4307870 Wenn Du was unterhaltsames oder spannendes brauchst - kauf Dir 'n Krimi.
06.06.2004, 05:06 von peter4307870endlich mal jemand, der meiner meinung ist. ich fand das buch nämlich auch absolut nicht gut - obwohl es "literarisch wertvoll" ist.
13.02.2004, 15:10 von Evenstargut, dass du angesprochen hast, das man das buch ganz gern mal in die ecke pfeffert, denn das hab ich auch getan. und danach sieht mein exemplar auch aus... ich schließe mich demzufolge auch deiner meinung an...
10.02.2004, 19:59 von Fuya