SlightlyPoetic 22.07.2012, 21:30 Uhr 0 0

Wer sich in Zeiten wieder findet

Von der letzten Nacht nicht viel bewusst, lediglich gewusst, dass es ihre vulkanrotschimmernden Augen waren, die..

Von ihren vulkanrotschimmernden Augen gebannt, blickte ich auf die zu Boden gestürzte Vase, deren Scherben noch immer in ihrer Haut hängen. Das einst blonde Haar in Blut getränkt – zeugt weiße, blasse Haut noch immer von ihrer Herkunft. „Adelis nennt man diese Geschöpfe“, höre ich Delova sprechen, sichtlich unbeeindruckt von dem, was gerade geschehen ist. „Wunderschöne Gestalten aus Nahwo, dem Ort, wo Intrigen und Lügen herrschen.“ – „Was wollte sie hier?“, flüstere ich. Das alte Gemäuer um uns erinnert mich an Orte, die ich eigentlich nur aus Filmen kannte. Es sind bewegende Schatten, die mir ein wenig Angst einjagen. Dieses Gefühl, wenn man denkt, alleine zu sein und doch „RUHE!“, verdeutlicht Delova. „Da ist noch jemand.“ – Das Echo von leisem Knacken bestätigt die Aussage. Plötzlich reißt irgendetwas die, sich vor mir befindliche Türe auf.

Der Druck reißt mich zu Boden, rückwärts krabbelnd entferne ich mich von der nun – vor mir zerstörten Öffnung. Mit dem Rauch in den Augen war sehen nahezu unmöglich. Dennoch meinte ich eine Stimme zu vernehmen und Schritte, die langsam, aber stets – immer näher kamen. Während sich meine Füße weiter – von der Türe weg schubsten, stieß ich an den toten Körper der sich nun vor mir befindlichen Adelis. „Nein!“, schrie Delova! „Schweig Versagerin!“, schallte es durchs Gemäuer. Bevor sich der Rauch lichtete, schaffte ich es noch – mich hinter einem der Trümmer der bisher dagewesen Türe zu verschanzen. „Wo ist er?“, brüllte eine große, sehr schmächtige Gestalt, gehüllt in einen schwarzen Mantel und einen grauen Schal. „ich weiß nicht von wem du sprichst“, versuchte sich Delova.  „SCHWEIG!“  Ein Schrei. In meinem Versuch aus meinem Versteck heraus einen besseren Blick auf die Beiden werfen zu können, stieß ich mit dem Kopf an ein Stück der Mauer, welche sich über mir befand.  Das leise Bröckeln. Ein Blick der Gestalt in meine Richtung. „Upon, lass es – ich weiß, ich habe Fehler gemacht!“, versucht Delova die Sache zu retten. „Ist er hier?“, ignoriert der Mann die junge Kogarin. „Ehm nein…er weiß nichts, von dem Glas!“ – „Delova…ich hab dich gelehrt…jahrzentelang – gelehrt keinem Menschen von der Prophezeiung zu erzählen! Wieso?!“ – Erst jetzt erblicke ich zu meiner Rechten, Überreste eines Spiegels, indem ich einen besseren Blick auf die beiden habe.

Upon, ein scheinbar schon sehr vom Alter geprägter Mann,  lässt gerade Delova am Hals-festhaltend in der Luft baumeln, während diese noch ein paar Worte aus ihrer Lunge herauspresst:“ Die Prophezeiung besagt, dass….“ – „DIE PROPHEZEIUNG BESAGT, DASS DIE LÖSUNG IN DEN AUGEN EINER ADELIS ZU SEHEN SEIN SOLL!“ – Eine Adelis. Mit voller Gewalt schmeißt der Mann Delova gegen die Wand, reißt die Hände zum Himmel und flüstert seltsame Floskeln vor sich her. Delova scheint verwundet, richtet sich nicht mehr auf und scheint zu schwach um überhaupt irgendetwas sagen zu können. Mein Atem stockt. Schon seit Minuten habe ich das Gefühl nicht mehr atmen zu können. Mein Herz schlägt so laut, dass ich das Gefühl habe, dass jemand anderes es mitbekommen könnte. Ich richte meinen Blick erneut an die Stelle, an der das schöne Adelis-Wesen seinen Tod fand. Doch sie liegt nicht mehr da. Und auch an einer anderen Stelle war sie nicht mehr aufzufinden. Ebenso schien sich gerade alles wieder so aufzubauen, wie es war. Mit jedem Wort, des Mannes,  entfernt sich die Blutspur, baut sich das Gemäuer wieder zusammen, die Tür scheint sich wieder zu schließen, der Trümmerfels, hinter dem ich mich verstecke, bewegt sich durch die Luft um – wie es in einem Puzzle passiert – die Türe zu ergänzen, die Vase, die einst zerbrochen auf dem Boden lag, schwebt hoch – vervollständigt sich in der Luft und steht nun wieder zu 100% auf dem Platz, an dem sie schon stand, bevor die Adelis durchs Dach hereinbrach und Upon tötete. Warte. Die Adelis…sie tötete bereits…“DA IST ER!“, hör ich den Magier brüllen, bevor er mit seinen alten, hageren Fingern nach mir zeigte und mich in der Luft baumeln ließ.

Ich vernehme ein Kreischen. Ein bezauberndes Wesen stürzt durch das Dach des Gebildes. „STIRB!“, schrie Upon und schießt einen Energieblitz in meine Richtung. Das Wesen stürzt sich dazwischen,  zwei Blitze treffen sich und der Energieball wird größer und größer und größer….“Schließ deine Augen!“, schreit Delova. Hastig presse ich meine Augen zu. Alles verstummt. Ein letzter Atemzug. Rote Augen. Blut. Momente ziehen an mir vorbei; Erinnerungen – der Kopf von Delova, der zu mir spricht, dass ich warten soll. Einfach warten. „Du kannst sie aufmachen“.

Ich öffne meine Augen langsam. Schweißgebadet liege ich in meinem Bett. Meine Mutter betritt mein Zimmer:“Hast du wieder schlecht geschlafen?“, sagt sie. „Komm, es gibt Frühstück.“ – „Gleich Mum“, antworte ich im Halbschlaf. „Ach ja, bevor ichs vergesse. Du sollst noch kurz zu deiner Schwester kommen, sie wollte noch mit dir sprechen.“ – Schwester? – Sie verlässt das Zimmer.

Sichtlich zerstört setze ich mich aufs Bett, blicke mich selber im Spiegel an, erkenne die Narbe, die ich schon seit meiner Geburt an hatte. Nur nicht an der Stelle, an der ich sie jetzt mit mir trage. Was war nur los? Meine Füße platzieren sich wie von selbst auf dem Boden. Tapsen langsam – bahnen sich selber einen Weg aus meinem Zimmer, hinein in das nächste – eine Treppe hoch, einen Korridor entlang, eine weitere Treppe nach unten – zweimal rechts…das ist nicht mein Haus. „Deine Schwester wartet bereits“, höre ich meine Mutter von irgendwo. Meine Hände greifen nach einer Türklinke. Die Türe geht auf. Ich befinde mich in einem weißen – hell erleuchtenden Raum.  Vor mir befindet sich eine weibliche, weiß-gekleidete Gestalt, mit einem weißen Kleid und langen blonden Haar.  Der Rücken zu mir. „Schwester?“, höre ich mich fragen. „Wir haben auf dich gewartet“, höre ich sie sagen, bevor sie sich umdreht und ich mich mitten in dem Bann ihrer vulkanrotschimmernden Augen verliere.


Tags: story, Fantasy
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