touchthesky 12.06.2008, 00:06 Uhr 10 16

Wellen

Als es mit uns anfing, standen wir am Ufer und blickten aufs Meer hinaus.

Wir sahen die Wellen sich übereinander legen, sich gegenseitig umschmiegen. Um die höchste Schaumkrone wetteifernd und dann langsam ineinander fließend. Wir blinzelten mit den Augen, ganz sachte nur, und wagten kaum sie zu öffnen, da die Sonnenstrahlen, die auf dem Wasser glitzerten, ihnen zu sehr schmerzten. Wir ließen uns vom sizilianischen Wind unser Haar zerzausen und küssten uns das Salz von der Haut. Wir schrieen unsere junge Liebe dem Wind entgegen und ließen unsere Füße vom Wasser umspülen, während wir uns leise unsere Leben erzählten. Wir verdrehten die Köpfe nacheinander um uns eine Richtung zu geben. Raubten uns den Atem um wieder durchschnaufen zu können. Und zählten mit den Händen die Sommersprossen um die Wärme zu spüren. Wie zwei Wellen, von türkisem Wasser vielleicht, gerade am Entstehen, die uns später ihre Gischt ins Gesicht spritzen sollten. Doch zunächst trugen sie uns und hielten uns in Bewegung. Waren Antrieb und Muse. Wir blickten uns an mit pochenden Herzen, hielten uns an den Händen am Tag und brachten uns durch die Nacht. Legten unsere Handtücher nebeneinander um einen Platz frei zu halten. Vielleicht weil wir hofften, irgendwann unser Für immer zu finden. Und wenn wir unseren Verstand überhaupt gebrauchten, dann brachten wir uns um ihn.

Im Alltag dann, wurden unsere Herzen schwer, als wir uns küssten. Die Tage länger und wir versuchten den Sonnenaufgang aufzuschieben. Wenn wir uns aus dem Weg gingen, anstatt den richtigen für uns zu suchen. An kleinen Dingen merkten wir, wie groß der Abstand zwischen uns geworden war und zu großen fehlte uns der Mut. Und wenn manchmal zu springen der einzige Weg schien, dann hatten wir wohl zu viel Angst vor der Höhe. Erschöpft waren wir von Stunden, die wir mit Reden verbrachten und doch nirgendwo ankamen. Rückten in den Nächten auseinander, aus Angst dem neuen Tag zu begegnen. Als wir wieder in Sizilien waren, am Steinstrand mit den Pinienbäumen, hatten die Wellen weggespült, was zwischen uns war. Wir standen auf den Felsen am Ufer und beobachten, wie sie an den Steinen zerschellten und die Wassertropfen auf dem heißen Stein verdampften. Uns sprachlos werden ließen nach so vielen Worten. Und das Wolkenziehen etwas Neues ankündigte. Etwas, von dem wir nicht wussten, ob es Regen sein würde.

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10 Antworten

Kommentare

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    wortgewaltig zartfühlend, lautleise, schön.

    06.10.2008, 22:36 von sophietrauer
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    Ja, es schmerzt tatsächlich sehr beim Lesen und ich wünschte, du würdest mir damit nicht so unglaublich aus der Seele schreiben...

    28.08.2008, 03:56 von KEULINCHEN
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    Tut weh beim lesen.
    Wunderhübsche Sprache.

    22.07.2008, 00:14 von Morgenrot
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    Und wenn wir unseren Verstand überhaupt gebrauchten, dann brachten wir uns um ihn.

    Wunderbar!

    15.06.2008, 14:20 von Kwenda.Mzuri
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      @Kwenda.Mzuri das ist auch meine lieblingsstelle :)

      16.06.2008, 12:44 von beenerin
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    *verneig*

    13.06.2008, 15:27 von Mariki
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      @OpferMeinerGefuehle Bildzauber...genau das richtige Wort. Ich schließe mich an!

      Inhaltlich sagen die Zeilen mir momentan mehr als mir lieb ist...

      12.06.2008, 13:16 von AnnaEcke
  • 0

    ...Touchy, !

    12.06.2008, 00:39 von Kiyan
    • 0

      @Kiyan =)

      12.06.2008, 01:16 von touchthesky
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    Sehr schöne Bilder hast du eingebaut.

    12.06.2008, 00:30 von knitterpitty
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