EliasRafael 13.01.2011, 12:48 Uhr 24 28

Von der Startseite übel gefickt

Ich versuche krampfhaft dem Bore-out zu entkommen, stolpere über einen schlüpfrigen Startseitentext. Die Kollegin gegenüber grinst frech, ich erröte.

Donnerstags mal wieder. Das Arbeitspensum für die Woche ist schon seit drei Tagen vollbracht, das Wochenende noch fern. Mittags, wenn die alkoholbedingten Kopfschmerzen langsam nachlassen, mache ich mir häufig Gedanken, wie ich mein Leben und vor allem den Rest des Tages sinnvoll totschlagen kann. Da ich für meine unheimlich wertvolle Anwesenheit im Büro bezahlt werde, kommen weder ein Einkaufsbummel noch ein schneller Besuch im Thaimassagesalon gegenüber in Betracht. Zeitungslesen ist auch zu auffällig, Musik geht grad nicht. Kopfhörer kaputt, und die junge Kollegin gegenüber, Sara, mag nur Kuschelrock. Außerdem neigt sie dazu, faule Bürohengste beim Chef anzuschwärzen. Blöde Kuh, die. Das einzig interessante an ihr ist die rote Spitzenunterwäsche, die heute morgen unter ihrer Hüfthose hervorgeblitzt war. Vor zwei Stunden im Kopiererraum, da hat sie sich gebückt, um ein Blatt Papier aufzuheben. Mannoman. Gut, dass ich Kopfschmerzen hatte. Sonst wäre das Blut in die Lenden geschossen.

Sitze also am Schreibtisch, schaue mit trüben leeren Augen sinnentleert auf den Bildschirm. Facebook, öde, Studi-Vz, lange gelöscht, Nachrichten interessieren mich nicht so, außer Sport und die Beckhams. Um dem drohenden Bore-out entgegen zu wirken, schaue ich in letzter Zeit mittags öfter mal bei Neon.de rein. Dort veröffentlichen sympathische und unsympathische Berufsjugendliche, die sich laut Profil meist irgendwie anders fühlen, originelle Kurzgeschichten, gesellschaftskritische Streitschriften und weinerliche Tagebücher. Ich find darum immer was zum Lachen, Weinen, Mitleiden, Aufregen: Depressionen, Große Liebe, Weltschmerz, Konsumterror, Mobbing oder die Anal-Elise? heul. Die ganze Palette menschlicher Unzulänglichkeiten. Manche ganz originell geschrieben, andere mehr so prosaisches Fast-Food. Da ich aber weder auf eine gesunde Ernährung achte, noch mich irgendwie sportlich betätige, schmeckt mir diese Mischung. Ich les eh alles, was ein schickes Profilfoto hat. Könnte ja fickbar sein.

Heute Mittag, allerdings. Ich denke, ich schau nicht recht. Richtig richtig Porno auf der Startseite. Die Überschrift kriegt mich bereits: "Süße Belohnung". Erinnert an meinen früheren Kunstlehrer. Mit solchen Worten hat er mich immer zum Malen animiert. Mit meiner Zunge auf seinem Schwanz. Fand ich zwar irgendwie eklig, aber die Belohnung habe ich mir trotzdem abgeholt. Muss ja keiner wissen. Nach dem Primärreiz der Überschrift schaue ich noch auf den Subtext und werde nicht enttäuscht. Uuuh. Da ist von Sascha die Rede. Ich fantasiere von irgendwelchen Popstars, und komme der Sache damit näher als ich ahne. Also, schnell geklickt, wow, viele Kommentare. Lesen!

Ich entspanne mich, blicke noch kurz auf meine Kollegin gegenüber, ob sie still hält. Sie guckt stur auf ihren Bildschirm. Bestimmt wieder irgendwelche langweiligen Einkaufsseiten. Was macht die eigentlich den ganzen Tag? Arbeiten jedenfalls nicht, habe ich ja alles bereits am Montag erledigt. Vielleicht sollte ich sie mal beim Chef anschwärzen, überlege ich, aber dann fällt mir ihre rote Spitzenunterwäsche ein, und ich denke, wenn Sara weg wäre, säße da vielleicht eine Annette, 50, mit roter Spitzenunterwäsche, die ihren 120-kg-Körper unangemessen verpackt und mir präsentiert. Nein, danke.

Mein philosophischer Exkurs findet ein abruptes Ende, als ich anfange, den Text zu lesen. Sascha ist ein tugendhafter Ritter, der seiner Hofschranze die Tüten trägt, und dafür dann mal ran darf. In der Umkleidekabine vom Tchibo. Mein Schwanz schwillt, die Eier platzen fast. Ich rücke näher an den Bildschirm ran, meine Zungenspitze nähert sich dem Text und ich lese weiter.

Die beiden kommen schnell zur Sache. Das wird die Lustgrotte gefingert und der Muttermund geleckt. Ich fange an zu zucken, Speichel tropft. Stoßweise lese ich weiter. Bein hoch, umdrehen, Arsch raus, meine Güte. Meine Atmung wird lauter. Hoffentlich merkt die Kollegin nichts. Im nächsten Absatz kommt es heftig, der ritterhafte Traumkerl mit der runtergelassenen Hose und den kurzen Haaren gibt alles. Dreckig fickt er die Schranze ins Popoloch. Sogar den Slip hat er vorher ausgezogen. Die Sau. Ich merke, wie meine Hand an meine Hose wandert, die dortige Ausbeulung schreit nach Entladung. Dann kommt der Höhepunkt. Im Text. Er spritzt ihr doch tatsächlich hinten rein, boahh, ich winde mich auf dem Stuhl, kann die Szene geistig vor mir sehen. Hilfe, ich explodiere.

"Lieber Kollege, ich sehe du liest meine Geschichte offensichtlich gerne." Erschrocken drehe ich mich um. Sara steht neben mir und lächelt mich keck an. Ich fühle mich ertappt, erröte leicht. Nicht ganz so knallig wie der Farbton ihrer Unterwäsche. Rote Spitzen, seufz. Sie strahlt mich mit ironischen Augen an: "Ich weiß doch, dass du mittags immer auf dieser Seite surfst, daher wollte ich dich mal etwas überraschen, und habe dort diese Geschichte für dich veröffentlicht." Mein Gott, dieses Luder. Mein Kopfkino fährt Achterbahn, ich sehe mich schon mit runtergelassener Hose beim Chef sitzen und meine Papiere abholen. Als Sexstrolch angeprangert.

Sara haucht mich jedoch geheimnisvoll an, sie hat anderes im Sinn. Sie nimmt meine Hand und flüstert: "Komm." Nervös wie ein kleiner Junge stehe ich auf, spüre ein erneutes Kribbeln in meiner Hose. Langsam zieht sie mich in Richtung Kopiererraum. Ich schau auf ihren Arsch, denke wieder an die rote Spitzenunterwäsche. Ich fühle mich ... wie in einem drittklassigen Pornostreifen, und daher endet der Text an dieser Stelle. Wen der weitere Verlauf interessiert, sollte einschlägige Internetseiten besuchen, dort sogar mit bewegten Bildern! Aber bitte nicht während der Arbeitszeit.

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24 Antworten

Kommentare

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    Sehr gut. Du hast was verstanden. Willst Du gelesen werden, schreibe über das was alle interessiert: Vögeln, vögeln, vögeln...ach und Triebe...am Ende dann sogar so weit, dass Du den Leser seiner Phantasie überlässt.




    06.09.2013, 11:29 von SirMCPedta
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  • 1

    Ich fühle mich ... wie in einem drittklassigen Pornostreifen

    herrlich und so bürogerecht geschrieben. eine gute möglichkeit den tagestief nach der mittagspause wieder wegzubekommen.hihi

    09.03.2011, 07:07 von Faraduna
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    Dramaturgie, Höhepunkt, Pointe und Wortwahl lassen tief blicken.

    04.02.2011, 14:48 von buergerbuerger
    • 0

      @buergerbuerger Und was erkennst du da?
      In der Tiefe?

      04.02.2011, 15:12 von EliasRafael
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    verdammt, mach das ein Spaß!

    19.01.2011, 12:24 von Aerosmiths-Fan
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    xD ich mag dein mundwerk.

    15.01.2011, 13:47 von insatiable
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      @insatiable Ich bin sonst nich so

      15.01.2011, 16:53 von EliasRafael
    • 0

      @EliasRafael jaja..eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu!
      :)

      18.01.2011, 15:03 von konsTante
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  • 1

    Alter, ein tach nich online schon nen Schmuddel-Text verpasst ick fass et nich!!

    14.01.2011, 08:04 von Daner
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    toll, toll, toll!!!

    14.01.2011, 07:52 von frog_soet
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    Ach ein reizender Text!! Argghh... ;)
    Schade, dass die "Süße Belohnung" fort ist - hätt' jetzt Lust auf die Liebesgrotte gehabt!

    So...da verlässt man nun angeheitert das Büro! ;))
    muuaahhh!!

    13.01.2011, 15:28 von XeNia79
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    Bin zu jung für das Lied,anscheinend.
    Vielleicht hat der Startseiten-Artikel-Entscheider schon Feierabend.

    13.01.2011, 15:02 von romina82
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    warum reicht denn bei dem einen text 1 empfehlung, um es auf die startseite zu schaffen, und bei dem anderen reichen keine 11 von hochkompetenten lesern?

    13.01.2011, 14:50 von Pilades
    • 1

      @Pilades ja. ich hab mich das auch gefragt. dann fiel mir ein altes deutsches lied ein

      "die partei, die partei, die partei hat immer recht..."

      13.01.2011, 14:58 von MisterGambit
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