zett 25.07.2007, 12:39 Uhr 16 16

Über den Wahrheitsgehalt von NEON-Texten

Wie wichtig ist es, dass authentische Texte authentisch sind?

Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher Verbissenheit sich NEON-User gegenseitig bekriegen, um den Wahrheitsgehalt eines NEON-Textes anzuzweifeln oder zu determinieren. Ich halte das für unerheblich, denn niemand, der hier einen Text einstellt buhlt um den Authentizitäts-Nobelpreis oder will sich staatliche Sozialleistungen erschleichen. So what?

Viel wichtiger ist doch, dass ein Text glaubwürdig ist. Lese ich einen Roman, nehme ich auch am Schicksal des Protagonisten teil und es ist mir einerlei, ob der Autor dabei autobiografisch oder rein fiktiv vorgegangen ist. Das interessante ist das Geschehen, das ihm widerfahren ist, seinen Umgang damit, die Entwicklung, die er durchlaufen hat, die Konsequenzen, die er daraus gezogen hat, das, was er daraus gelernt hat.

Letztendlich lese ich doch nicht aus Effekthascherei. Da ist die BILD-Zeitung das geeigneter Medium für. Ich lese teils aus Unterhaltung, teils, weil ich mein eigenes Leben reflektieren möchte. Ist das nicht auch ein erklärtes Ziel von NEON, dem Magazin für junge Menschen, die sich mit sich selbst und dem Erwachsen sein oder werden auseinander setzen? Hinter jeder Geschichte steckt ein kleines Stück Lebensmodell, das ich mir zu eigen machen kann oder es ablehnen kann, bei dem ich mir die Frage stellen kann, was wäre, wenn ich an der Stelle des Autors wäre. Das macht für mich die Qualität eines Textes aus, wenn er mich nicht unberührt lässt, mich, im Gegenteil, dazu anregt in irgendeiner Art und Weise nachzudenken und im besten Fall, über mein eigenes Leben und Dasein.

Ein Text, der nicht glaubwürdig ist, weil die Geliebte zu Beginn des Sandra, am Ende plötzlich Susanne heißt, ist einfach nur schlecht und darf entsprechend kritisiert werden. Jemanden sein Schicksal streitig machen, finde ich unfair, egal, ob es wirklich selbsterlebt oder fremderlebt ist oder ob es nur eine erdachte Spielart des Lebens ist. Wie gesagt, die Autoren erschleichen sich keine Vorteile. Das einzige was sie bekommen ist Aufmerksamkeit, vielleicht Anerkennung oder Mitgefühl oder Gedankenaustausch, Ratschläge und Alternativen. Selbst bei einem fiktiven Text kann der Autor etwas für sich gewinnen (genauso wie die Leser), wenn sie gemeinsam die Situation, den Verlauf, das Ergebnis reflektieren.

Ich selbst beteilige mich nicht bei Diskussionen zu meinen Erlebnissen, beantworte aber jede an mich persönlich gestellte Frage über private Nachrichten.

16

Diesen Text mochten auch

16 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    ach die meisten Leser wollen doch nur wissen, ob sie mit dir persönlich Mitgefühl, Mitleid oder Freude teilen können oder nur mit deinen Protagonisten
    ob es persönlich ist oder nur oberflächlich auch wenn es niemanden etwas angeht

    29.08.2010, 15:28 von Die__Eine
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ich finde ich jedes "ich kann mit dem text nichts anfangen" vollkommen überflüssig. was bringt diese form der kritik, sie trägt ähnlich viel zu einer intressanten diskussion bei wie "ich mag aber kein blau". reine selbstprofilierung, ich mag das geschriebene nicht, weil es nicht meinen ansprüchen entspricht, nicht mit meinen erfahrungen zu vereinbaren ist, nicht unter meinen horizont passt, mir langweilig wird. uninteressant.

    16.08.2009, 13:43 von A2N2
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich finde gerade die Reaktionen auf einen Text interessant.
    Wenn man von vornherein angibt, dass der Text fiktiv ist, dann bekommt man ganz andere Reaktionen (oder auch weniger), als wenn man es offen lässt.

    Beim Lesen überlege ich mir auch, ob ein Text fiktiv oder real erlebt ist.
    Und ein Text ist besonders gut, (da halte ich es mit Peter Lustig und Oceaneyes) wenn er wahr sein könnte.

    Das ist so mit Büchern, Geschichten und auch Texten auf NEON.

    Laut der Redaktion muß man Texte in der ICH-Form kennzeichnen, wenn sie nicht real sind. (So hab ichs mal verstanden). Das finde ich schade. Das nimmt vielen guten Texten die Spannung.

    09.02.2009, 16:32 von Tanea
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Ich glaube, dass eigentlich in allem was wir schreiben ein Teil von uns ist. Dann ist doch eigentlich egal, ob wahr oder nur ausgedacht. Schreiben ist häufig eine Art Selbsthile und ich persönlich finde es besser Texte zu schreiben, als aufzugeben. Man erfährt doch aus jedem Text etwas über die Person- die Themen, die sie im Moment interessiern, die Dinge, die sie sich erträumen oder auch nur die Art sich auszudrücken. dann ist doch der Wahrheitsgehalt ganz egal.

    Also abschleißend stimme ich dem Artikel vollkomen zu. Nicht der Wahrheitsgehalt ist entscheident, sondern die Aussage.

    21.03.2008, 10:30 von Blubb18
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Peter Lustig hat auch keine Geschichten erzählt in denen er sich prostituiert oder armen Kindern mit essen hilft.

    03.12.2007, 16:04 von Philantrop
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      @oceaneyes volle zustimmung oceaneyes!

      09.02.2009, 18:19 von Typhoon
  • 0

    Mhhh ...

    Ich gehe prinzipiell davon aus, dass ein Text den ich lese ehrlich und aufrichtig aus der Perspektive des Autors geschrieben ist.

    Ich empfinde es, wenn ein Autor - seine Texte nicht als fiktiv kennzeichnet, als bewusste Täuschung.

    03.12.2007, 12:42 von Philantrop
    • 0

      @Philantrop Das geht mir auch so. Wenn jemand einen Text schreibt, der für mich ‚echt’ zu sein scheint, und sich danach freut, dass ich ihm auf den Leim gegangen bin, fühle ich mich ziemlich veralbert. Sicherlich bin ich schon dem einen oder anderen Text auf den Leim gegangen.
      Die Alternative dazu wäre für mich allen Texten zu misstrauen.
      Doch dann wäre für mich das ganze Forum absurd. Denn warum sollte ich dann hier etwas lesen ? Und Kommentieren wäre ebenso Unfug ... warum sollte ich beispielsweise einen Text über eine Reise kommentieren, die es nie gab ? Einen Text über ein Gefühlsleben, das nie existierte ? Ein Text über ein Schicksal, das es nie gab ?
      So wie ich das Forum verstehe, soll es um das Leben gehen. Was man so erlebt, ,was einem wichtig und mitteilungswürdig erscheint. Klar, auch unterhaltsam, fröhlich, traurig und was das Leben sonst noch zu bietet.
      Klar, manche sehen Texte nur als soweit sinnvoll, das dass sie darin Rechtschreibfehler suchen können statt Inhalt, andere sehen das Ganze wohl als Club angehender Schriftsteller an, und andere wiederum als Gelegenheit konstruktive Kritik zu leisten, während es wieder anderen darum geht Texte förmlich niederzumachen und zeitweise auch Autoren anzugreifen.

      Trotzdem, noch bin ich nicht gewillt jeden Text als bewusste Lüge und Täuschung aufzufassen, um sich dann über diejenigen lustig zu machen, die ihn lesen oder gar irgendwelche positiven Reaktionen zeigen auf Texte.
      Irgendwann vielleicht schon, aber noch habe ich Spaß an vielen Artikeln, und bin gewillt sie auch ernst zu nehmen.

      18.05.2009, 10:07 von Cyro
    • Kommentar schreiben
  • 0

    masche? meinst du ''ach, dir ist es auch so ergangen wie mir? lass uns reden und uns bemitleiden, schwester''? und nebenbei: tut mir ja wirklich leid, aber diese ganzen liebes-schmonzetten kann ich nie ernst nehmen. ob wahr oder nicht.

    06.09.2007, 20:56 von NeonBlond
    • 0

      @NeonBlond Ja genau, diese Masche, dieses "Schaut mich an, ich bin soooo eine arme Sau." Das erkennt man aber in der Regel zum glück schon an der Überschrift, deshalb les ich das ja auch nicht. Aber trotzdem finde ich die Frage interessant, warum die Leute das machen, sie könnten sich ja auch bei einer Freundin ausheulen. Vielleicht, ich hab da jetzt noch eine Theorie, wollen sie tatsächlich schreiben und weil ihnen aber nichts einfällt, bzw. weil ihnen die Dramaturgie misslingt, greifen sie eben zu realen Sachen, das Leben hat ja seine eigene Dramaturgie.

      06.09.2007, 21:06 von odradek
    • Kommentar schreiben
  • 0

    na ja, manche schreiben ja auch nur gerne. ist hier ja kein therapie-forum, ne.

    06.09.2007, 19:08 von NeonBlond
    • 0

      @NeonBlond Ja, aber die Zahl der Leute die nur wegen des Schreibens hier sind, ist gering. Die meisten erzählen einfach nur was ihnen schon so allerhand schreckliches widerfahren ist und das langweilt einfach auf Dauer, weil es immer die gleiche Masche ist.

      06.09.2007, 20:49 von odradek
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare