»texttourismus« / Eine Benefiz-Lesereise.
Als ich die Anthologie „texttourismus“ zum ersten Mal in den Händen halte frage ich mich vor allem eins – was ist bloß eine Benefiz-Lesereise?
Zweihundertzehn Seiten, vierzig Autoren und ebenso viele, ganz unterschiedliche Geschichten später bin ich ganz schön weit rumgekommen. Mal in den Köpfen der vierzig sowohl prominenten als auch unbekannten Autoren und mal an ihrer Seite, auf Reisen durch Seelengründe, Gedankenschlösser und um die Welt. Und wie jeder Schreiber, den ich auf diesen Seiten begleiten durfte, habe auch ich die einzelnen Etappen der Lesereise mit einem immer neu gepackten Koffer angetreten, mit meinem individuellen Gepäck im Schlepptau – das sich auf manchen Reisen wandelte, auf anderen erweiterte oder auch mal zurückgelassen werden musste.
Schöne Idee!, denke ich. Und – die Reise geht weiter, lese ich auf der Homepage zum Projekt. Dazu habe nun noch mehr Frage als vor dem Lesen: Wer steckt eigentlich hinter dieser Idee? Worum geht es diesmal? Und natürlich – wie kommt das „Benefiz“ in die Lesereise? Ich frage nach bei Ina Simone Mautz, die gemeinsam mit Lutz Becker die „texttourismus“-Lesereisen veranstaltet.
Hallo Ina!
Im November 2005 habt ihr die erste "texttourismus"-Anthologie veröffentlich. Wie kam die Zusammenarbeit daran zustande?
Das war eher ein Zufall: Lutz hielt mich irrtümlicherweise für eine NEON.de-Mitarbeiterin und schickte mir eine Nachricht, in der er seine Idee für eine Benefiz-Anthologie vorstellte – denn für den ersten Band wurden die Nachwuchsautoren fast ausschließlich über NEON.de rekrutiert. Ich konnte Lutz zwar keinen redaktionellen Beistand bieten, aber meinen Enthusiasmus für das Projekt.
Und die konkrete Idee zur Anthologie, wie ist die entstanden?
Lutz trug schon länger die Idee mit sich herum, eine Benefiz-Anthologie auf die Beine zu stellen – um damit Nachwuchsautoren eine Plattform zu geben und gleichzeitig mit dem Erlös einen wohltätigen Zweck zu unterstützen. Als sich die Redaktion (Lutz Becker, Ina Simone Mautz und Jana Schroeter) im Sommer 2005 zusammengefunden hatte, entwickelte das Projekt eine sehr inspirierende und motivierende Eigendynamik. In einem Anflug von Größenwahn äußerte ich euphorisch "Wenn wir erstmal auf Lesereise gehen!" und kreierte daraus schließlich die Idee für das Konzept des ersten Bandes und den Namen "texttourismus".
Wie genau ist eigentlich euer Bezug zu "FUTURO SÌ!", denen der Erlös aus dem Verkauf von "texttourismus1" zugute kam?
Lutz engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Düsseldorfer Verein Futuro-Sí, der sich für lateinamerikanische Straßenkinder stark macht – da lag es natürlich nahe, diese Initiative zu unterstützen. Weil es aber so viele gute Hilfsorganisationen gibt, die alle unglaublich wichtige Arbeit leisten, haben wir uns dazu entschlossen, mit jedem "texttourismus"-Band einen anderen Charity-Partner zu unterstützen.
Diesmal kommt der Erlös aus dem Verkauf der Bücher UNICEF zugute. Wie seid ihr die Zusammenarbeit mit dieser großen, bekannten Organisation eingegangen?
Wir halten UNICEF für eine sehr gute Organisation, die in großen Dimensionen helfen kann. Daran ändern auch die aktuellen Schlagzeilen nichts. UNICEF stand ganz oben auf der Liste unserer Wunsch-Charity-Partner – also ist Lutz nach Köln gefahren, hat den Verantwortlichen unser "texttourismus"-Projekt vorgestellt und es hat Anklang gefunden.
Wer sind für dich eigentlich die Texttouristen, eure Autoren – oder die Leser?
"texttouristen" sind grundsätzlich alle, die durch Worte Distanzen überwinden. Der Autor, der den Leser abholt und ihm Einblick in seine Welt gewährt; ebenso wie der Leser, der sich mitnehmen lässt und sich im Idealfall animiert fühlt, seinen persönlichen Lageplan zu aktualisieren.
Die Idee, eine Anthologie mit Texten bekannter Autoren zu veröffentlichen, ist ja nicht neu. Die, eine mit unbekannten Schreibern herauszugeben auch nicht. Ihr mischt aber beide, und das ist schon neu – was für ein Gedanke steht dahinter?
In erster Linie geht es uns um tolle Geschichten. Ob ein Autor nun prominent ist oder nicht, spielt eigentlich überhaupt keine Rolle - wer Talent zum Schreiben und wirklich etwas zu erzählen hat, wird immer Menschen begeistern.
Thematisch bleibt ihr euch treu und seid gleichzeitig wandlungsfähig. Das Thema sind diesmal die "ersten Schritte" - was verbindest du persönlich damit?
Ich verbinde mit ersten Schritten immer die Faszination des Neuen und den Mut, der Unkalkulierbarkeit entgegenzugehen. Je näher man ihr kommt, desto kleiner wird sie - das ist ebenso paradox wie beruhigend.
Für "texttourismus2" haben schon viele prominente Autoren zugesagt. Wer ist diesmal alles dabei?
Es sind etablierte Autoren wie Selim Özdogan und Alexa Hennig von Lange dabei, aber auch Musiker wie Juli-Sängerin Eva Briegel und Thomas Dörschel von Virginia Jetzt!, der Regisseur Benjamin Quabeck ("Nichts bereuen"), der Kabarettist Jess Jochimsen oder auch Markus Kavka von MTV.
"Als die Anfrage kam, habe ich keine Sekunde überlegt. So eine wundervolle Idee, dachte ich mir. Mich hat auch gleich begeistert, wie viel Liebe und Herzblut die Macher da reinstecken, und wie wohl sie sich das Ganze überlegt haben. Reisen ist so eine wichtige Sache. Kenne kaum etwas, das unter Menschen mehr für Toleranz und auch Empathie sorgt. Und wenn ich jetzt textlich reisen darf und damit auch noch helfe, dann macht mich das glücklich. Soll heißen: Dieses Buch macht doppelt glücklich. Genau."
[Markus Kavka über „texttourismus1“]
Und wie können interessierte Nachwuchs-Schreiberlinge beim Autorenwettbewerb für "texttourismus2" mitmachen?
Mitmachen geht ganz einfach: Wettbewerbsinfo auf www.texttourismus.de lesen, Geschichte schreiben und samt Kurzbiografie bis zum 31. März 2008 an uns schicken.
Kann man auf der Homepage auch alle weiteren Infos zum Projekt noch mal in Ruhe nachlesen?
Ja, sie ist unser Reisebüro für alle texttourismus-Interessenten. Dort gibt es alle wissenswerten Details zu unserem Projekt - außerdem einen Blog, in dem wir regelmäßig Neuigkeiten verkünden. Und wir haben sogar 24 Stunden geöffnet.
Und gibt es auch schon einen Veröffentlichungstermin?
Wenn alles nach Plan verläuft, dürfte "texttourismus 2" Ende des Jahres in den Läden stehen.
Liebe Ina,
vielen Dank für das Gespräch!
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Homepage
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Kommentare
sind denn auch weiterhin neon-texte von neon-textern dabei? hier gibt es ja nach wie vor einige perlen von denen ich selbst schond dachte, dass sie mal in ne anthologie müssten...
02.03.2008, 15:37 von Der_Misanthrop@Der_Misanthrop na, ob Texte von Neon-Textern dabei sind wird in erster Linie davon abhängen, ob die (N-T) sich an dem Wettbewerb beteiligenn :)
02.03.2008, 15:46 von beenerin