just4ikarus 14.05.2007, 11:12 Uhr 0 0

Secrets Of The Witching Hour

All Conquering

All Conquering

Mit einem Lächeln auf deinem Gesicht stehst du hier draußen. Auf der Brücke über diesem kleinen Bach. Die Sonne scheint dir auf den Kopf und die Gedanken in ihm schwimmen dahin, wie die Fische in diesem seichten Wasser. Mit sanften Schritten bewegst du dich auf dem Asphalt, weg. Immer weiter weg von deinem Zuhause. Deine nackten Füße spüren jeden einzelnen Stein unter dir. Ein Steinchen bohrt sich unaufhaltsam in das Fleisch deiner Ferse, der Schmerz bahnt sich den Weg in deinen Kopf. Du gehst dahin, zeigst Stolz und Selbstüberzeugung. Mit erhobenem Haupte folgst du der unsichtbaren Spur, hinab zu den Flüssen des Glücks.

The 48A Waiting Steps

Das Tippsen deiner Beine hört man schon. Du steigst diese achtundvierzig Stufen mit einer solchen Sanftheit und Erhabenheit hinunter, als wären sie Wolken, in denen man Angst haben müsste, hindurch zu fallen. Und so schwebst du hinab und legst kurze Pausen an. Besinnst dich deiner Gefühle, folgst deinen Gedanken und zeigst allen, wer du bist. Allen. Doch du bist alleine. Niemand anderer ist da, außer dir. Eine Strähne deines schwarzen Haares hat sich in dein Gesicht verirrt. Du streichst es mit deiner Hand weg, um ja nicht den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Doch ohne eine Spur von Gewissheit scheinst du angekommen zu sein.

Raining Planets

Das Ziel vor deinen Augen setzt du dich auf die letzte Stufe. Achtundvierzig Schritte hast du gemacht, um jetzt hier zu stehen. Du blickst auf all das, was vor dir liegt. Einen Stein hebst du auf und lässt ihn mit einem geschickten Wurf über das Wasser gleiten. Dann legst du deinen Fuß hinein. Langsam spürst du es, wie die Kälte durch das Fleisch in deinen Körper hinaufzieht. Eine Gänsehaut deutet es an, doch du lässt deine Füße immer weiter nach unten sinken. Du spürst die spitzen Steinchen, wie sie vom Wasser vorbeigespült werden. Dein Kopf liegt auf der dritten Stufe von unten. Du blickst hinauf in den Himmel, vorbei an den Blättern. Da willst du hin.

Man

Verloren in der Ungewissheit über das Leben liegst du da. Der Fluss läuft leise neben dir vorbei. Immer und immer wieder scheint dasselbe Wasser vorbeizukommen. Bis auf den Grund hinab siehst du, wie die Steine das Wasser nötigen, neue Wege einzuschlagen. Es tut weh zu sehen, wie schnell man mitgerissen wird, wenn man sich als Stein gegen den Strom stellt. Einige Zeit hält es gut, und dann stürzt alles zusammen. Und wenn ein Stein geht, reißt er so viele weitere mit. Die Sonne scheint immer noch. Dein Kopf wird nun gestützt von deinem rechten Arm. Ein Wassertropfe scheint sich auf dein Gesicht verirrt zu haben. Doch nein … es ist eine Träne.

Bombay Sapphire Coma

Du wischt sie weg. Stehst auf. Siehst dich noch einmal um. Das hast du dir also gewünscht. Das ist dein Ziel. Du schüttelst den Kopf. Noch eine Träne verliert sich auf dem Weg aus deinem Auge. Nichts ist so wie es scheint. Niemand verliert auch nur einen Gedanken an dich. Du willst die Tränen stoppen, mit Daumen und Zeigefinger drückst du gegen deine Augen. Außer dem Verspüren von sehr starkem Schmerz brachte dieser Versuch gar nichts. Nur die Gewissheit, dass man auch Tränen nicht stoppen kann. Und einen Schritt setzt du vor den anderen. Die Anzahl der Stufen verringert sich von achtundvierzig immer weiter nach unten.

Don't Close Your Eyes On Me

Du bist wieder oben angekommen. Der Stolz, die Selbstüberzeugung und auch das Lächeln sind aus deinem Gesicht gewichen. Aber auch nun weißt du schon wieder, wohin du willst. Und so gehst du die Straße entlang. Niemand außer dir scheint da zu sein. Die Straßen sind leer, aus den Häusern blicken keine neugierigen Gesichter. Du scheinst nun vollkommen in Gedanken versunken, als du in Richtung Brücke gehst. Über das Brückengeländer kletterst und dich mit verbogenen Armen daran festhältst. Du blickst hinunter, auf dieses fast ausgetrocknete Flussbett. Riesige Steine und viel Kiesel lassen nur mehr eine kleine Spur von Wasser sehen. Alle haben sie dich gesehen.

Loop A Loop

Du springst. Beugst dich so nach vorne, dass es dich ein, zwei Mal überschlägst. Für einen kurzen Moment des Augenblicks spürst du so etwas wie einen Kick. Für einen kurzen Moment. Du drehst dich wie in Zeitlupe. Dein Haar weht im Flugwind. Du betest. Du betest, dass das nun endgültig das Ziel ist, das du erreichen wolltest. Da oben möchtest du hin, denkst du dir, während dein Körper wieder in Richtung Himmel blickt. Du hörst Autos vorbeifahren, scheinst eine wunderschöne Melodie in deinen Ohren zu haben. All das erinnert dich an eine Achterbahnfahrt. Nur diesmal bist du nicht angeschnallt. Es war gratis. Und du darfst nur einmal fahren.

Light Brigade

Du hörst deine Knochen brechen, als du auf diesem riesigen Stein aufkommst. Dein Körper schlägt mit dieser Wucht auf. Der Stein lässt deine Wirbelsäule zerbersten, der Aufprall hat auch deinen Kopf zertrümmert. Jeder der es gesehen hat, hat geglaubt du wärst tot. Doch für wenige Sekunden lebtest du sogar noch. Du siehst diese berühmte Slideshow vor deinen Augen. Dein Leben läuft vor dir ab. Du bist stiller Beobachter. Verlierst keinen Gedanken über dein Leben. Keine Gefühle über den Tod. Und als du dieses schwarze Bild siehst, auf dem steht The End. Siehst du den Tunnel. Dieses Licht. Du scheinst angekommen zu sein. Du bist da, wo du immer sein wolltest. Und du bist tot.

Several Thousand Years Of Talking Nonsense

Als sie dich finden ist das Blut auf dem Stein schon trocken. Vor ein oder zwei Stunden hast du das letzte Mal geatmet. Dein Haar ist vermischt mit deinem Blut. Deine Augen blicken starr in die Richtung, in die du gegangen bist. Die Sonne hat auch die Träne verdampfen lassen. Früher hattest du die Tränen anderer immer weggeküsst, um zu schmecken, ob sie salzig sind. Sie waren stets salzig. Immer mehr Menschen versammeln sich um dich herum. Laden dich in diesen schwarzen Plastik-Sarg. Schaulustige sehe von der Brücke zu. Und da steht plötzlich auch sie. Ihre Augen sind schwarz, ihr Blick entsetzt. Doch sie steht nur da. Mehr kann sie nicht tun.

Requiem Aeternam

Durch die Medien ging dein Tod. Jeder drückte deiner Familie Anteilnahme aus. Sie haben ihnen die Hände geschüttelt. Doch niemand hat ihre Tränen weggewischt. Niemand hat ihnen gezeigt, wohin du gegangen bist. Wie du tapsend den Weg hinaufgelaufen bist. Sie wissen nicht, dass du dein Ziel erreicht hast. Dass du nun da bist, wo du schon immer sein wolltest. Sie weinen, dass du nicht mehr da bist, wo sie dich haben wollten. Sie verstehen dich nicht. Sie stehen nur vor deinem Grab, Tränen befeuchten die Blumen über dir und ihre Ungewissheit lässt sie jeden Tag wiederkommen. Du lebtest stets in deiner eigenen Welt. Und deshalb werden sie dich nie verstehen.

Wierd

Die Flüsse des Glücks. Nie hast du sie gefunden. Die achtundvierzig Schritte hinab zu deinem scheinbaren Ziel, sie waren zuviel. Du hast etwas erreicht, was nur wenige bisher geschafft haben. Du hast dein Ziel erreicht. Es stimmt, du hattest ein total anderes Ziel, als es die meisten Menschen haben. Aber du hast es geschafft. Du bist jetzt glücklich. Selbst ohne die Flüsse, ohne die Schritte. Einige denken noch an dich, versuchen dich zu verstehen. Die meisten haben dich schon vergessen. Sie erinnern sich nicht mehr an dein Gesicht. An deine Augen. An deinen Duft. Nur manchmal denkt sie über dich nach, weint. Sie weiß, dass du dein Ziel erreicht hast. Aber auch sie hat dieses Ziel.

Eine Geschichte auf Basis der elf Songs des neuen Album „Secrets Of The Witching Hour“ von The Crimea.

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