Downtowngirl 31.05.2012, 10:02 Uhr 2 2

Schreibblockade

Wenn Worte meine Sprache wären...

Manchmal, da willst ich ein Erlebnis unbedingt festhalten.

Weil es so schön war – oder auch, weil es traurig war oder schrecklich oder einfach nur anders und irgendwie außergewöhnlich und berührend.
Doch immer gerade dann, wenn ich irgendetwas unbedingt niederschreiben will, um es für immer zu behalten, da fehlen mir die Worte.

Die Bilder, die Erinnerungen, kreiseln in meinem Kopf und drehen sich immer schneller und schneller, sodass ich gar keine Zeit finde, sie festzuhalten und auf Papier zu bannen. Und wenn der Kreisel schließlich wieder langsamer wird, zur Seite kippt und liegenbleibt, da habe ich immer noch nicht recht viel mehr im Kopf, als einen erbärmlichen Anfangs- oder Schlusssatz und nichts, um die Lücke dazwischen zu füllen.

Mich packt die Angst, das Wichtigste zu vergessen, bevor ich es auf in Worte fassen konnte. Schrecklich ist der Gedanke, zu verlieren, was ich doch in jedem Fall auf Papier bannen möchte, da ich doch genau weiß, dass das Gehirn ein trügerisches Konstrukt des menschlichen Körpers ist, dass sich die Wahrheit verdreht oder sie verdrängt oder vergisst. 

Nein, Erinnerungen lassen sich leider nicht in eine Flasche füllen, die man einfach öffnet, um alles wieder sein zu lassen, wie es war.
Also leg ich mich auf den Boden, breite die Arme aus, wie ein gescheiterter Engel, um so alles noch mal Revue passieren zu lassen, es mir einzuprägen wie eine Tätowierung auf der Haut und um zu hoffen, dass die Worte mir doch zufliegen.

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2 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Scheint, als ob du aber durchaus in der Lage wärst dein Gefühl im Text auszudrücken :)


    Schön geschrieben :)

    31.05.2012, 15:46 von MakiNo
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  • 1

    Im Seminar zum wissenschaftlichen Arbeiten hieß es zum Thema "Schreibblockaden" - einfach machen!

    Denn wenn man Text hat, kann man diesen ja bearbeiten, er muss nicht perfekt sein, sondern einfach erst mal nur da.

    Und zuletzt noch eine Anmerkung: Schreiben, die richtigen Worte finden, ist auch eine Übungssache - wie jede Kunstform. Salvador Dali setzte sich nicht vor eine Leinwand und malte mal eben Die Beständigkeit der Erinnerung, sondern saß schon mit vierzehn zwei Stunden am Tag über den weißen Blättern um sie zu füllen. Auch Goethe kleckste nicht mal eben den Werther aufs Papier...also schreiben schreiben schreiben, und seien es einfach nur die Worte, die einem gerade so durch den Kopf schwirren.

    31.05.2012, 10:27 von chrisbow
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