Rechtschaffen kaputt
»Axolotl Roadkill« ist das berauschende und sprachmächtige Romandebüt der 17-jährigen HELENE HEGEMANN.
»In meinem Körper hat sich etwas Gravierendes aufgestaut, eine Mischung aus eiweißspaltenden, wässrigen Lösungen und Schuldzuweisungen«, stellt Mifti nach einer ketamin- und sexdurchsetzten Nacht fest. Mifti badet drin, im Abgrund, denn »Zwischenwelten sind mein einziger Bezug zur Wirklichkeit«. Mifti ist sech zehn und schon rechtschaffen kaputt, die Mutter tot, der Vater linksintellektuell und bescheuert, der Bruder »steckt in irgendeiner Off-Theaterscheiße fest«, die Schwester ist eine »Marketingbitch«.
»Axolotl« heißt der mexikanische Schwanzlurch, der ein Leben lang im Larvenstadium bleibt, sprich sein ganzes Leben lang nicht erwachsen wird. Er wird zu Miftis Maskottchen. In einer Plastiktüte mit Süßwasser gefüllt nimmt sie ihn überallhin mit - ob Swingerparty, Hochzeit oder Heroin-Sit-in. Der Roman ist ein alptraumhafter Absturz. Wie es schon viele vorher gab, klar, aber selten einen von einer solchen Sprachmacht und Abgeklärtheit wie diesen von Helene Hegemann, die schon mit vierzehn ihr erstes Drehbuch geschrieben, es mit fünfzehn verfilmt hat und mit sechzehn dafür den Max-Ophüls-Preis erhielt. Jetzt ist sie siebzehn, und »Axolotl Roadkill« ist ihr erster Roman. Unbedingt lesen! Und sich fragen, was so jemand wohl in ein paar Jahren macht. »Ich sehe das schon kommen, da arbeite ich wahrscheinlich an einer Fleischtheke und frage mich, wie das passieren konnte«, sagt Hegemann, das Wunderkind, das keines sein will.
Helene Hegemann: »Axolotl Roadkill«, Ullstein, 14,95 Euro





Kommentare