Quickie mit dem Staubsauger
Charlotte Roche erklärt im Interview, warum "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern" durchaus an der Tagesordnung sind.
Dass Gegenstände, die im Haushalt herumliegen, auch mal sexuell zweckentfremdet werden, wissen wir spätestens seit „American Pie". Was man(n) so alles mit seinem Staubsauger anstellen kann, erklären die ehemalige Viva-Moderatorin Charlotte Roche und der Comedian Christoph Maria Herbst („Stromberg") in ihrer Lesung „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern“.
Dabei greifen die beiden auf eine tatsächlich existierende Doktorarbeit aus dem Jahr 1978 zurück, die sich mit der Frage beschäftigt, wie sich so mancher Herr der Schöpfung die Hausarbeit zu versüßen versuchte – und schmerzlich erfuhr, dass Staubsauger-Ansaugrohre für dieses Vorhaben nicht geeignet sind.
Grimme-Preisträgerin Charlotte Roche, selbst stolze Besitzerin zweier „Kobold"-Staubsauger, wagt sich mit den Lesungen zum ersten Mal auf die Livebühne – eine einzigartige Möglichkeit, die quirlige Moderatorin hautnah zu erleben, nachdem ihre schlagfertige "Fast Forward"-Sendung im Zuge der Viva-Umstrukturierung aus dem Programm genommen wurde.
Im Interview erklärt die sympathische Charlotte, warum Männer in der Lesung wenig zu lachen haben, sie Strichlisten über Ohnmachtsanfälle führt und was wir von der "Queen of German Pop Television" in Zukunft erwarten können.
Woher kam die Idee, aus einer wissenschaftlichen Arbeit eine Lesung zu machen?
Charlotte Roche: Im klassischen Sinne ist es eine Schnapsidee gewesen – wie so oft bei mir (lacht). Ich hatte diese Arbeit ausgedruckt zu Hause liegen, als E-Mail-Anhang geisterte sie in meinem Freundeskreis schon länger herum. Eines Abends saßen wir so zusammen und kamen irgendwie auf das Thema Sex-Unfälle. Irgendwann fiel mir die Doktorarbeit wieder ein und wir fingen an, sie in der Runde zu lesen. An dem Abend haben wir festgestellt, dass der Stoff auf die Bühne gehört. Allein, wenn man Titel und Inhaltsangabe vorliest, schmeißen sich die Leute schon weg. Es hat einen Vorlesungscharakter wie an der Uni – und das Thema ist einfach so grotesk.
Wie kam Christoph Maria Herbst dazu?
Charlotte Roche: An jenem Abend wurde klar, dass ein prominenter Mann mit auf die Bühne gehört. Wenn das zwei Frauen machen würden, wäre es feministischer „Schwanz-Ab-Humor", was es nicht sein soll! Ich kannte Christoph nur von „Ladykracher" und hab immer gedacht, er gehört zu den Schauspielern, die den Wahnsinn nicht nur spielen – er ist wahnsinnig! Das merkt man einfach. Allein wie er guckt! Christoph war erste Wahl, ich habe ihm die Arbeit geschickt und er hat sofort „Ja" gesagt.
Habt ihr den Ablauf der Lesung einstudiert oder macht ihr auch spontane Einlagen?
Charlotte Roche: Wir haben fest verteilte Sachen. Es gibt gewisse Kapitel, die muss eine Frau vorlesen, und andere, da muss ein Mann ran. Die Spontaneität entsteht, wenn uns die Leute wegkippen. Dann müssen wir die Lesung unterbrechen. Ich trage demjenigen mein Wasser runter und frage, ob wir einen Krankenwagen rufen sollen.
Berichte über Männer, die im Publikum in Ohnmacht fallen, sind nicht übertrieben?
Charlotte Roche: Es ist wirklich so, dass uns bei jeder Lesung mindestens einer umkippt. Wir machen mittlerweile einen Bodycount. Ab und zu sind wir ganz traurig, wenn wir nach der Lesung Backstage gehen und keiner in Ohnmacht gekippt ist – dann denken Christoph und ich, wir hätten versagt. Doch dann hören wir meistens vom Personal an der Kasse, dass die Herren es noch nach draußen geschafft haben und dann umgefallen sind. Dann denken wir: Yeah, super!
Es ist also angebracht, in der Lesung neben der Tür zu sitzen?
Charlotte Roche: Richtig. Oder wenn man ganz schwache Nerven hat, nicht hinzukommen. Mein Arzt gab mir einmal den Tipp, mich auf den Boden zu legen, wenn ich merke, dass es wacklig wird. Dann kann man nicht so schlimm fallen.
Wie reagiert das Publikum sonst auf eure Präsentation?
Charlotte Roche: Die Frauen sind sehr locker, lachen die ganze Zeit laut. Die Männer werden immer ruhiger. Das Gelächter ist am Anfang männlich und weiblich, wird zum Ende nur noch weiblich. Man sieht Leute blasser werden, vor allem die Männer kreuzen ihre Beine und sinken so in sich zusammen. Sie werden sich ihrer "Männlichkeit" bewusst und denken „Oh, du Armer!".
Kommen die Leute, um Charlotte Roche live zu erleben oder aus Interesse am Thema?
Charlotte Roche: Christoph und ich streiten uns immer – er glaubt, der Saal ist voller „Stromberg"-Fans, worauf ich sage: „Kuck dir mal die Frauen an! Das sind „Fast Forward"-Fans!" Die meisten Karten gehen wahrscheinlich wegen des Titels weg. Es gibt im Publikum oft Urologie-Studenten, die kommen sicher nicht wegen Christoph oder mir.
Wie empfindest du den Kontakt zum Publikum? Ziehst du die Bühne einem Studio vor?
Charlotte Roche: Für mich hinterlässt die Bühne einen bleibenderen Eindruck – ich kannte es nicht, live vor Publikum zu stehen. Früher dachte ich, auf der Bühne zu stehen wäre der Horror. Ich war in den ersten Lesungen auch sehr aufgeregt – aber man bekommt die direkte Reaktion der Leute zu spüren, es gibt Szenenapplaus für gut vorgetragene Passagen, und es gefällt mir derzeit besser als Produktionen für das Fernsehen.
Wie geht es nach den Lesungen für dich weiter? Fernsehen, neue Bühnen-Shows oder Film?
Charlotte Roche: Film ist so eine ganz andere Arbeitsweise. „Eden" kommt jetzt erst einmal im Herbst raus. Ich habe noch nichts davon gesehen. Michael Hofmann, der Regisseur, hat die Schauspieler während des Drehs nie etwas sehen lassen, denn er will, dass wir den fertigen Film sehen – das Warten treibt mich fast in den Wahnsinn.
Warst du sehr aufgeregt während der Produktion?
Charlotte Roche: Ja, sehr! Wenn man das noch nie gemacht hat, hat man an den ersten Drehtagen eigentlich nur Schiss und Albträume.
Hast du nach dem Ende von „Fast Forward" Angebote von anderen Sendern bekommen?
Charlotte Roche: Als in der Presse bekannt wurde, dass die Sendung abgesetzt wird, haben viele Senderleute angerufen. Aber es ist nicht damit getan zu sagen: „Komm doch zu uns!", Denn ich frage: „Womit denn?" Ich kann ja jetzt nicht „Fast Forward" im MDR machen. Und irgend ein Talkshowformat, das geht nicht. Ich könnte mich hinsetzen und Konzepte ausarbeiten, aber ehrlich gesagt: Ich habe gerade gar keinen Bock.
Die »Queen of German Pop Television«, wie Harald Schmidt dich einst nannte, macht jetzt also eine kleine kreative Pause?
Charlotte Roche: Richtig. Ich bin auf Deutschlandtour mit der Lesung, mit meiner Tochter zu Hause und lese fleißig Drehbücher. Ich bin verwöhnt von der freien Gestaltung bei „Fast Forward" und allein beim Wort „Konzepte" kriege ich das kalte Kotzen. Ich würde gerne hören: „Hier hast du eine Stunde – mach damit, was du willst." Aber das machen Sender normalerweise nicht, so etwas geht nur beim Musikfernsehen.
Sind „Fast Forward" und Viva für dich endgültig abgehakt?
Charlotte Roche: Ich bin eigentlich noch sauer, aber es hat mir geholfen, dass ich zum Beispiel im „Spiegel" ein Interview geben und sagen durfte, was die Verantwortlichen so anstellen. Danach geht es einem wieder gut und die Wut ist erst einmal weg. Vor allem finde ich es traurig, das ein wichtiger Aspekt der Sendung – nämlich Videos zu zeigen, die sonst nirgendwo laufen – jetzt weg ist. Nicht die Tatsache, dass ich nicht mehr auf dem Bildschirm bin, sondern dass die ganzen deutschen Indie-Künstler keine Adresse mehr haben, wo sie ihre Sachen hinschicken können. Ich bin misstrauisch gegenüber Musiksendern geworden, aber wenn jemand sagte „Okay, wir wollen dich wieder zurück", würde ich es allein schon machen, um das Forum aufrecht zu erhalten.
Charlotte, vielen Dank für das Interview!
Die Termine:
09.05.2005 20:00 Uhr München / Lustspielhaus
09.05.2005 23:00 Uhr München / Lustspielhaus
11.05.2005 20:00 Uhr Münster / Jovel Music Hall
18.05.2005 20:00 Uhr Paderborn / Capitol - Musiktheater
19.05.2005 20:00 Uhr Bremen / Schlachthof Bremen
19.05.2005 22:30 Uhr Bremen / Schlachthof Bremen
20.05.2005 20:00 Uhr Oldenburg / Aula Des Neuen Gymnasiums Olde
20.05.2005 22:30 Uhr Oldenburg / Aula Des Neuen Gymnasiums Olde




Kommentare
Allein für dieses Foto hier von mir mit Charlotte (http://www.svunzu.de/bilder/260105/PICT3772.jpg) beim geselligen Autogrammstündchen danach war es das Geld und die psychischen Strapazen während der Lesung wert!!! ;)
22.05.2005, 04:18 von SventertainmentHimmel Leute, 's geht auch nicht darum, darüber zu kichern, sondern darum, sich die Scheiße anzuhören, die manche Menschen bringen (und ihre Erklärungen dafür, zB Die Frau, die den Penis "aus Versehen" mit aufgesaugt hat =D)
19.05.2005, 13:57 von NarrenspielWer über's Masturbieren an sich lacht is' dumm, wer dabei umkippt imo ziemlich übersensibel... bei uns is' auch einer schlecht geworden, aber die hat's auf ihren schlechten Kreislauf geschoben, als ich sie danach gefragt hab'.
Hrm... *poster an wand anguck* Der Preis war aber imho etwas arg hoch oÔ;
wer noch auf andere peinliche genitalverletzungen steht, sollte sich die urologie-vorlesungen in der uni der statd nicht entgehen lassen...
16.05.2005, 16:56 von U-Bootda finden sich nägel in der blase, amputierte schwänze, colaflasche im rektum...der fantasie sind da echt keine grenzen gesetzt...
ich tauch ab.
ichhab das mal ausprobiert.
15.05.2005, 13:18 von pacozaq... und fotografisch dolumentiert.
seht selbst...
junx, ich glaub, das ist gefährlich. der schauschpieler in lammbock war ein stuntman. macht das nicht nach
;-DD
Ui, ich glaub ich sollte da mal mit meinem Freund hingehen g ... Wer weiß, was der so treibt, wenn ich weg bin :]
14.05.2005, 13:23 von Junge_HeldenIst doch ein genialer Trick: Roche und Co. sparen für eine Luxusvilla incl. Ferrari auf Mallorca. Wie kommt man ans Geld der Leute? Ganz einfach: Ein bißchen versaut, ein bißchen lustig, und ziemlich niveaulos und peinlich. Warum das funktioniert? Weil es bisher immer funktioniert hat!!! Die einfachen Leute sind halt so.
13.05.2005, 14:56 von neontalk@neontalk @neontalk
15.05.2005, 14:27 von Blaumonddein kommentar hört sich sehr arrogant an... bist du also "was besseres"? jemand wichtigeres als "die einfachen leute"? ok....vielleicht trifft es nicht deinen geschmack, das kann gut sein...vielleicht magst du auch nicht charlotte roche oder christoph maria herbst.....aber es gibt eben genug interessenten, nicht nur junge leute, wie du siehst, die genau diesen humor geil finden u. die wahrscheinlich einfach nur neugierig sind......
es gibt noch weitaus schlechtere sachen, die vorgetragen werden.....glaub mir.
Thema hin, Thema her, Charlotte Roche ist einfach Kult!
13.05.2005, 14:13 von ulf