L.L. 29.12.2005, 16:07 Uhr 4 0

„Poetry Slam“- Kultur auch für junge Menschen

In ganz Deutschland finden regelmäßig Poetry- Slam Wettbewerbe (Live-Literatur) statt.

Am Samstag den 10.09.05 fand ab 21:00 Uhr ein so genannter „Poetry Slam“- Wettbewerb in der Factory (Kulturfabrik) in Kassel statt- wir haben uns gefragt was das wohl sein mag und waren für euch vor Ort:

„Poetry Slam “ (live- Literatur) kommt ursprünglich aus New York. Es wurde im Jahre 1986 in den USA offiziell von Marc Smith gegründet und bezeichnet eine bestimmte Form der Veranstaltung. Zu den ersten Lesern gehörten Allen Ginsberg und Willam Burroughs. Erst seit 1994 werden solche Events in insgesamt 70 deutschen Städten organisiert. Einmal jährlich findet der so genannte „German International Poetry Slam“ statt. Hier treten die aus den vorhergehenden Veranstaltungen gekürten Sieger gegeneinander an. Auch diesmal war von Rap-Texten über Gedichte bis hin zu Kurzgeschichten alles dabei. Es traten mehrere Kandidaten gegeneinander an und die selbst geschriebenen Texte mussten in einem Zeitraum von bis zu fünf Minuten pro Kandidat dem anwesenden Publikum vorgetragen werden. Die Zuschauer wählten aus den zu hörenden Kandidaten ihre Favoriten so lange aus, bis der Sieger des Abends feststand.
Die Gewinnerin trug unter anderem ein Gedicht aus der Sicht einer Butter vor:

„nach und nach verschwanden alle;
der käse wurde irgendwann pelzig,
er stank nicht mal mehr;
die milch wurde dick, die sahne sauer.

alle wandten sich von ihm ab
und es wurde leer im kühlschrank.
zuletzt blieb, mit der butter,
nur noch der ketschup,

der mit ihr dem traurigen menschen
ewige treue geschworen hatte.“

Wir sprachen mit Julia Dernbach über sie und ihren Bezug zu „Poetry Slam“. Sie erzählte uns, dass sie das erste Mal mit dabei sei und nie damit gerechnet hätte Gewinnerin des Abends zu sein, sie habe Schauspiel, Gesang und Tanz studiert und könne sich heute ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen. Als wir sie fragten, mit welcher Technik sie schreibe, sagte sie uns, dass sie darüber schreibt, was sie grade im Moment fühle, und dass ihre Texte, unter anderem auch ganze Bücher, im Prozess entstünden und nicht von vorne herein fertig ausgedacht seien. Sie berichtete uns, dass ihr die Idee mit der Butter beim Frühstück gekommen sei.
Wir waren uns einig: „Ein echtes Multitalent eben“. Dies sahen die Zuschauer in Leipzig nicht ganz so: Julia flog schon in der Vorrunde aus dem Rennen. Link entfernt

4 Antworten

Kommentare

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    Wann ist demnächst? Und wo?
    Ob Poetry Slam Literatur ist oder ob nicht... drauf geschissen... Ich habe schon mal an einem teilgenommen und es macht eine Menge Spaß! Leute erzählen Geschichten. Dafür braucht man Worte. Die sucht und findet man. Oder sie finden einen. Und schon ist man ein Teil des Geschehens.

    12.03.2006, 04:36 von magnifcance
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      @Ostrakosmos Liebe/r Ostrakosmos,

      vielen Dank für diesen sehr sekundärliteratur-/sekundärnichtliteraturwissenschaftlichen und vor allem höchst fragwürdigen theoretischen Beitrag darüber, ob nun Slam-Poetry Literatur oder - wie du enthusiastisch und vehement, dabei Magisterarbeiten herbetend, proklamierst - Nichtliteratur sei. Ein absoluter Keulensachlag für die überwiegende Zahl der Fans und Akteuere der Szene ist dabei folgende - und ich verallgemeinere deine Aussage qua offensichtlicher Implikation deinerseits einmal - Zurechtweisung: Man [gemeint sind also, diejenigen, die deine Auffasung nicht teilen, Anm. von mir, K. S.] sei "diesem fundamentalsten aller möglichen Irrtümer [gemeint ist hier die Aussage, Slam-Poetry sei Literatur, Anm. von mir, K. S.] aufgesessen, und seither verbreitet sich dieser Irrglaube hartnäckig weiter, wird aber deswegen nicht weniger falsch."
      Holla, denke ich. Da ist mal endlich jemand, der sich kritisch aus dem Fenster lehnt, obwohl er seine Hausaufgaben nur unzureichend gemacht hat. Das ist zunächst mutig - und ganz gemäß McLuhans Medientheorie-Praxis, erst einmal schallend in den Wald hineinzurufen - auch wenn es mäßig reflektierte Wahrheiten sind, die da tollkühn herausposaunt werden -, um dann zu hoffen, dass die Diskussion dadurch befruchtet wird. Hut ab.
      Aber bullshit ist das, was du hier als Allgemeingut der wirklich Wissenden tradierst, dennoch. Deine Begriffsdefinition von "Literatur" bewegt sich der Quellenlage nach an einigen diffus-anachronistischen Völkerkundlern des ausgehenden 18. Jahrhunderts - an Menschen also, die den Begriff "Literatur" "sui generis" (ich übersetze: "der eigenen Sache nach") ausschließlich an ihrer eigenen Engstirnigkeit messen und eine Entwicklung des Diskurses a priori ausschließen. Das hat sich glücklicherweise und in aller Breite bereits im 19. Jahrhundert geändert. Ich empfehle dir eine grundlegende Auseinandersetzung mit einigen Standardwerken, die sich explizit und eingehend mit der Entwicklung des Literaturbegriffs auseinander setzen, um die Sinne grundlegend zu schärfen. Wenn du den Aufwand nicht betreiben magst, tut's in dem Fall auch das Metzler-Literaturlexikon oder ein anderer kurzer Gesamtüberblick.
      Aber - und das muss ich huldigend einräumen - du hast genau mit deinem Beitrag hier bei Neon etwas ganz Entscheidendes erfasst über das Weesen der Literatur, das sich geradezu paradigmatisch auch - und gerade - auf Slam-Poetry anwenden lässt. Und hier zitiere ich mal Allgemeines (das kann man der Einfachheit halber - und weil es deckungsgleich mit den seit dem 19. Jahrhundert vorherrschenden Theorien ist - selbst bei Wikipedia nachschauen):
      "Das Wort Literatur ist dabei vor allem ein Wort des Streits und der Frage: Was ist eigentlich Literatur? Es gibt eine Literaturdiskussion und sie legt, auf der Suche nach neuen Themen, neuer Literatur und neuen Literaturdefinitionen fortwährend neu fest, was gerade für Literatur erachtet wird. Sie tat dies in den letzten 300 Jahren mit solchem Wandel ihres Interesses, dass man für das Wort Literatur durchaus keine stabile inhaltliche Definition geben kann."
      Yes! That's the way literature goes. Und wir werden sicherlich in den nächsten Jahrhunderten/-tausenden stetig neue Erweiterungen des Begriffs Literatur vorfinden und uns damit auseinander setzen können.
      So gesehen ist Slam ein Musterbeispiel für Literatur - sowohl in der Praxis als auch für den Literaturbegriff "an sich" ("sui generis") ;-)

      Damn let's slam und bis demnächst

      26.01.2006, 00:08 von Karsten.Strack
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    Cooler Artikel

    Wann ist das nächstemal Live Literatur?Würde sowas gerne mal Live erleben.
    Bin immer wieder fasziniert von Leuten die sehr interessante Lyrics schreiben.

    Grüsse Goek

    14.01.2006, 18:50 von Goek
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