Mon cœur. Sie war nie Sommer, doch ich brannte.
Sie trägt die Liebe im Namen und ist die Poesie der Herzen. Mon cœur schreibt Geschichten. Ich erfand eine Herzklammer, die sie erdrücken sollte.
Mon cœur.
Sie trägt die Liebe im Namen und ist die Poesie der Herzen. Mon cœur schreibt Geschichten. Genau genommen verhilft sie ihnen nur auf diese Welt, gebiert sie. Ihre Worte beflügeln meine Sinne. Sie sind die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des nahenden Frühlings und der letzte Feueratem des Herbsthimmels, bevor der schwarzweiße Winter beginnt, der mich einst kälter umschloss als Oimjakon. Mon cœur ist nie Sommer, und doch schmelze ich dahin bei ihr wie die vormals mächtigen Gletscher der Alpen. Zu ihrer Lyrik entfaltet sich mein Geist, fliegt los, befreit aus der Enge des enteisten Schädels und er lässt sich in lauen Nächten auf endlosen Wiesen nieder an leise knisternden Lagerfeuern, um dem sirenenhaften Flüstern der Herzen zu lauschen. Versinke im Traumschlaf, und schrecke wieder auf ob der lodernden Flammen ihrer Sätze. Ich fürchte die Glut, die auch nach langer Zeit noch an den von ihr entzündeten Stellen schwelt. Mon cœur ist meine Liebe, der Schlüssel zu mir selbst. Und auch wenn ich in ihren Worten brenne, löscht und erlöst mich ihr Lächeln am Ende immer, denn es kommt von Herzen.
Mon cœur.
Sie ist ein scharfsinniges Wesen. Keine von uns, und doch mitten in uns. Über uns. Sie beobachtet die Menschen, kreist einem Raubvogel gleich hoch oben im Orbit über unseren Köpfen und zoomt nur dann näher ran, sobald einer der unsrigen ihr Interesse weckt. Sei es durch eine besonders gefällige oder auch einfach nur von der Norm abweichende äußere Erscheinung. Oder durch atypisches Verhalten, bei dem das Nachforschen lohnt, ein Nachbohren der Sinneskrallen unter der vereisten Kortexschicht, bereits weich und durchlässig geworden nach ihren ersten Sätzen. Welche tieferen Beweggründe mögen in dem Menschenwesen stecken, welche Geschichte mag sich verbergen, die es zu erzählen lohnt. Ihr Erfahrungsschatz ist reich und ihr Geist geschult. Mon cœur steht Sherlock Holmes in nichts nach, aus unscheinbaren Fakten und losen Indizien die kühnsten Thesen zu knüpfen. Ihre Sichtweise, mag sie auch noch so fantastisch sein, legt sich wie ein Webteppich rasch über die bruchstückhafte Wirklichkeit. Mon cœur erschafft die Wahrheit. Ihre Geschichten sind die Wahrheit und ich zweifele nicht mehr an meinem Herzen.
Mon cœur.
Sie hat meinen Verstand aufgebohrt. Ich war ein Vernunftmensch, eiskalt berechnend, passgenau kalkulierend, Lebensfreude diskontierend. Rationalität als Ultima Ratio des Daseins. Nicht mehr zwischen Himmel und Erde, als ich da sehen konnte oder wollte. Es passte nichts mehr dazwischen. Geträumt hatte ich schon lange nicht mehr, war nur noch wach. Mein Herz war verschlossen und mein Geist vereist. Dann las ich sie. Mon cœur war der Schlüssel. Und ihre Geschichten das Schlüsselloch, durch das ich in eine andere Welt sehen konnte. Mein Herz bohrte tiefer, erreichte meinem Cortex praefrontalis, stimulierte dort verkümmerte Synapsen. Ritzte limbische Instruktionen unter die Rinde, in ihren ureigenen Worten. Die Intrusion erschütterte mein kognitives Weltbild. Meine Erfahrung verließ mich und ich ergab mich ihrer Intuition. Die Sinne, der Wahn. Mon cœur war nie Sommer, doch die Gletscher tauten ab. Darunter war altes Leben eingeschlossen. Wenn es langsam wärmer wird, spürt man die Kälte wieder.
Mon cœur.
Ich wollte sie besitzen und erkannte nicht, dass in meiner Brust bereits ein Herz schlug. Mein Weltbild war ins Wanken geraten, ich
schwankte und wollte mich an ihr festhalten, mit aller Kraft. Ich erfand eine
Herzklammer, die sie einengen, einzwängen, ja sogar erdrücken sollte. Ich versuchte, ihre Worte zu meinen zu machen,
ihre Sätze neu zu formulieren, wollte ihre Geschichte sein, mon cœur in die vermeintliche Lücke
in meinem Oberkörper pressen. Doch braucht sie Platz, um zu pulsieren, damit sich ihre Herzklappen entfalten können, um auf ihnen in ihrer Bahn hoch über unseren Köpfen zu schweben und nach neuen Geschichten zu suchen. Ich
griff an meine Brust, spürte ihre Schmerzen. Mon cœur ist Poesie. Ihre
Geschichten die Wahrheit. Sie war nie Sommer, doch sie spendete Wärme. Ich wollte
brennen und sie entzündete mich. Ein Lächeln von ihr löschte schließlich mein Feuer,
erlöste meinen Verstand. Mon cœur war der Schlüssel, und ich habe erkannt, dass ich die Liebe selbst
in meinem eigenen Herzen trage.
Mon cœur.
Sie kennt nicht den Sommer, jedoch wird ihr warm, wenn sie mein Lächeln sieht.
Tags: mo_chroi






Kommentare
sie war nie sommer, doch ich brannte - der satz hat mich durch den ganzen sommer getragen.
06.12.2012, 14:17 von rebeccatwlohaOh, danke, das finde ich irgendwie toll!
06.12.2012, 14:26 von EliasRafaeldanke dir!
24.11.2012, 12:48 von EliasRafael"Sie kennt den Sommer nicht, jedoch wird ihr warm, wenn sie mein Lächeln sieht." ..klingt besser ansonsten: Chapeau für diese wortgewaltige Reise! ^^
13.10.2012, 23:36 von derHalbstarkeDanke dir, freut mich! Das 'nicht' wurde schon bewusst verschoben, der Satz ist ja zentral, durch die leicht sperrige Kontruktion ist das "kennt nicht" stärker gekoppelt, als wenn es am Ende steht. Es schließt quasi da Kennenlernen aus ;-) Hach, ich denk manchmal kompliziert, und weiß auch nicht, ob das bei jemandem ankommt :D
13.10.2012, 23:44 von EliasRafaelDer Sommer ist auch das Bild für die "Leichtigkeit der Liebe und des Lebens" und die Autorin hängt in der Dunkelheit fest. Möglicherweise Depression. So, das reicht aber mit Erklärung, aber ich finds interessant, dass ich meine Gedankengänge noch jrecht präsent habe.
13.10.2012, 23:53 von EliasRafaelDas komplizierte Denken kommt an, zumindest bei mir. ;-)
14.10.2012, 00:01 von derHalbstarkeIch bleibe zwar dabei, dass das "nicht" nicht dort hingehört - aber auch, dass man den wunderbaren Text nicht durch "Technik-Fragen" versauen muss - also, ich hab nix gesagt. Bis bald und schlafense juut. ^^
Der Tag sagt doch alles für Neon nötige ;-) Den tieferen Sinn könnte wohl keiner ohne weiteres verstehen.
24.05.2012, 16:18 von EliasRafaelFantastisch, und so zutreffend, bin fast traurig dass ich den Text erst jetzt entdeckt habe. Musste ihn ein paar mal lesen, weil viele Sätze sich erst entfalten, wenn man sie langsam liest, aber dann sind sie wunderschön. We want more.
24.05.2012, 14:47 von LeyluraLegbreakerIch danke dir.. es war eine Herzensangelegenheit, im doppelten Sinne.
24.05.2012, 14:55 von EliasRafael
Nun komm mal wieder runter und schweb nicht über den Wolken :D19.03.2012, 11:11 von Jackie_Grey
We alle need wings, sometimes.
19.03.2012, 11:13 von EliasRafaelShe is the wind beneath your wings.
19.03.2012, 11:15 von Jackie_GreyEine Liebeserklärung?
19.03.2012, 01:33 von justanotherpictureNicht nur eine...
19.03.2012, 07:29 von EliasRafaelweil er es für mich geschrieben hat?!
01.05.2012, 20:07 von SurecampSie liebt nur deinen Penis.
01.05.2012, 20:10 von EliasRafaelich mein, wenn er mal hart wär
01.05.2012, 20:12 von EliasRafaelRedest du von meinem Penis?
01.05.2012, 20:13 von SurecampNein, mit ihm rede ich nicht mehr, ich hab gehört der spuckt.
01.05.2012, 20:16 von EliasRafaelIch brauch n Rohr, das spuckt.
01.05.2012, 20:17 von SurecampMir auch nicht.
01.05.2012, 20:21 von SurecampElias, lösch mal den Strang!
01.05.2012, 20:24 von Surecampkann ich auch einzeln löschen oder nur den ganzen Strang?
02.05.2012, 07:17 von EliasRafaelIch stells gern nochmal klar, mein Kommentar war nur ein blöder Scherz, weil der Surecamp auch einen blöden Scherz gemacht hat. Frau Sterling und Herr Penis können nichts dafür.
02.05.2012, 09:52 von EliasRafaelergreifend...
18.03.2012, 21:44 von Angstattacketotal gerne gelesen und drin versunken. Genau so solls sein. Danke für deinen tollen Schreibgeist ! :)
18.03.2012, 19:16 von la.coeurHihi, ja dankeschön, kein Wunder bei deinem Nickname...
18.03.2012, 19:21 von EliasRafael:D öhm...jepp * natürlich hab ich mich ein bisschen angesprochen gefühlt wegen dem Namen, aber haste wirklich fein gemacht ;)
18.03.2012, 19:23 von la.coeur