Stjaernaflicka 20.01.2009, 10:48 Uhr 3 1

Mit Buch und Herz

Menschen sind Masochisten.

In der Literatur, so scheint es mir, sind es die Geschichten der Liebe, dir wohl den größten Anklang finden.
Liebe, die so stark, kaum fassbar ist. Überdauernd.
Heftig, hingebungsvoll. Gerne tragisch.
Bauschende, raschelnde Röcke und zarte Musik.
Romeo und Julia. Tristan und Isolde.
Meinetwegen auch Jamie Fraser und Claire Beauchamps oder gar Edward Cullen und Bella Swan.

Es sind Verläufe und Entwicklungen, doch es ist stets bedingungslos.

Aber wer schreibt über das Ende? Über das laute, zerreißende Geräusch, wenn alles plötzlich einfach vorbei ist?
Über das dumpfe, hohle Klopfen, das einmal ein Herzschlag gewesen ist? Über den Kampf Luft zu holen, den natürlichen Reflex weiter zu atmen, obwohl man doch einfach nur ersticken will? Über die Leere und Stille, die sich um einen legen?

Und würde man es lesen wollen?

Menschen sind Masochisten.

Angezogen von dem, was uns ein- vielleicht zwei-, dreimal zerstört hat, was wir begruben unter den Pflichten, die der Alltag mit sich bringt, uns gibt, greifen wir mit zitternden Händen (jedoch ohne zu zögern) nach dem weichen Papier und tauchen tief in die einstige Schwärze, die uns vielleicht noch immer – manchmal jedoch längst nicht mehr so stark – umfängt.
Und die Narben beginnen zu pulsieren, manche brechen wieder auf und der Schmerz durchzuckt den Körper in einer Intensität, die als Schutzreaktion die Tränen in die Augen steigen lässt.

Zu spüren: man hat gelebt. – Und überträgt.
Und alles wiederholt sich und Bilder holen mich ein.
Augen fliegen über die Seiten und versteckte Gefühle lugen achtsam hervor, um dann doch zu projizieren.
Eine Flucht, die keine ist. Es ist eine Suche nach dem Schmerz, der so bekannt, so lähmend ist.
Und es ist das Verlangen nach mehr, nach Unmöglichkeiten.

Aber zwischen Tag- und Nachtträumen noch immer die Realität und viel zu oft ist sie von einem seufzenden „leider“ begleitet.

Viel zu oft.

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Kommentare

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    Also .. was ich primär mit meiner Antwort sagen wollte: ich kenne solche Bücher. Würde ich es nicht tun, könnte ich es mir doch gar nicht anmaßen darüber zu schreiben und wie es dabei in mir vorginge. Bzw. ich KÖNNTE schon, würde es jedoch nicht. Es ging mir vielmehr um den Prozess. Man weiß doch, was Worte mit einem anstellen können udn trotzdem greift man danach, obwohl (für mich jetzt speziell, ich will es nicht pauschalisieren) meine Fantasie viel zu stark ist, so dass es immer und immer wieder ein Fehler ist. Eben eine Flucht, die keine ist. Denn ich fliehe nicht, ich lechze danach, mir wiederundwieder diese bekannten Schmerzen zuzufügen, ich zwinge mich zu erinnern und zu durchleben. - Auweia .. klingt das zu krank?
    Ich habe erst vor sehr kurzer Zeit ein solches Buch gelesen und das hat mich so stark beschäftigt .. man weiß doch, was passiert. Und trotzdem greift man doch danach. Eigentlich doch schrecklich - oder nicht?

    20.01.2009, 18:05 von Stjaernaflicka
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    Oh doch - und ich habe auch solche Bücher gelesen, wie ich sie beschreibe. Es ging um einen Prozess, nicht um eine Tatsache.

    20.01.2009, 11:21 von Stjaernaflicka
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