cee 24.10.2011, 23:25 Uhr 1 2

Liebesspiel

eine Kurzgeschichte

Der Wind war ungewöhnlich frisch für Oktober, dachte er, als er aus dem Auto stieg und in die Kühle des späten Abends trat. Rund um den Parkplatz, vor den Eingängen der Bars und Clubs standen junge Menschen mit ernsten Gesichtern, die sorglos Zigarettenrauch durch ihre Nasenlöcher bliesen. An ihnen vorbei ging er lächelnd einige weniger belebte Gassen entlang und pfiff dabei leise vor sich hin. Seine Laune besserte sich mit jedem Schritt und sein Pfeifen folgte dem Takt der Geräusche, die die handgefertigten Lederschuhe auf dem trockenen Kies verursachten. Der Himmel schien beinahe sternenklar zu sein, was er trotz seiner Abneigung allem Esoterischen gegenüber durchaus als Zeichen zu interpretieren wusste. Endlich sollte er sie wiedersehen und eine passendere Kulisse für das lang ersehnte und unmittelbar bevorstehende Treffen hätte er sich nicht wünschen können.
An der nächsten Häuserecke hörte er sie bevor er sie sehen konnte. Ein helles, vielleicht vom billigen Alkohol etwas schrill gewordenes Lachen drang durch die Dunkelheit zu ihm und versetzte seinen ganzen Körper in eine angespannte Schwingung. Das Herz begann heftig zu pumpen und er musste sich stark konzentrieren um seine Atmung nicht zu beschleunigen.
Im gelblichen Licht einer einzelnen Laterne lehnte sie an der Hausmauer - ihr Gesicht wirkte ein bisschen ungesund im fahlen Licht - und sprach schnell in ihr Telefon. An den Fingern ihrer linken Hand baumelten die bordeauxroten Pumps, die ihm schon damals, bei ihrer ersten Begegnung ins Auge gefallen waren. Das Lackleder schimmerte im Halbdunkel verführerisch. Die Frau unter der Laterne war auch ohne ihre Highheels so unverschämt begehrenswert, dass er ein leises Seufzen nicht unterdrücken konnte.
Neeein..., sagte sie gedehnt und verdrehte betont gelangweilt die Augen. Leichtfüßig tänzelte sie auf dem Pflaster auf und ab, ihre Füße steckten in feinen Strümpfen. „Ich doch nicht!“ Es folgte ein schüchternes Lachen. Es war offensichtlich. Sie kokettierte mit diesem Jemand am Handy, er sah, wie sie herausfordernd das lange Haar über die blassen Schultern warf. Als ob sie der Gesprächspartner sehen konnte bei ihrem kleinen Balztanz.
Er fuhr sich mit einer kurzen Bewegung über die feuchte Stirn und wollte schon auf sie zugehen, da hielt er sich noch einen Augenblick zurück. Ein gehauchtes Küsschen für den unbekannten Anrufer und das Telefonat war beendet. Kurz griff sie sich an die Schläfe um die pochenden Kopfschmerzen zu vertreiben, bevor sie sich bückte um die Schuhe wieder anzuziehen. Dabei stahl sich ein gedankenverlorenes Lächeln auf ihr Gesicht und sie zog kopfschüttelnd die Nase kraus. Dann richtete sie sich auf.
Er war geräuschlos auf sie zugekommen, sodass sie ihn erst bemerkt hatte, als der Duft seines Aftershaves die Luft erfüllte. Irritiert sah sie kurz aus, dann lag sie schon in seinen Armen. Er schmiegte sich an ihren weichen Körper, konnte die festen Brüste durch den dünnen Stoff des Mantels fühlen. Sie schüttelte den Kopf und das lockige Haar breitete sich wie ein Strahlenkranz um ihr blasses Gesicht. Er wollte etwas sagen und konnte nicht, was aus seinem Mund drang, war nicht viel mehr als ein Hauchen, ein kurzes Stöhnen. Ihre Körperspannung erregte ihn, das rhythmische Klopfen an seinem Brustkorb fühlte sich berauschend an und er schmeckte ihren schnellen hektischen Atem auf den Lippen. Mit einer geschmeidigen und kräftigen Bewegung presste er sie an die nahe Hausmauer und verschloss ihren Mund mit seinem. Fruchtig schmeckte sie, samtig im Abgang mit einer metallischen Note von ein paar Tropfen Blut. Rasch und behände drückte er mit dem Knie ihre Beine auseinander und drängte seinen erhitzten Körper noch näher an ihren. Diese Frau war so sinnlich und wohlgeformt wie er es noch nie bei einer anderen erlebt hatte. Sie war schlank, das schon, aber mit runden, festen Brüsten und weiß schimmernden Schenkeln, die unter seinem Griff erbebten. Er erhöhte den Druck und fuhr spielerisch ihren Oberschenkel entlang unter den Stoff des Kleides. Halterlose Strümpfe, schwarzgrau, wie er vermutet hatte, genau sein Geschmack.
Alles in ihm pulsierte als er in ihr Haar griff und ihren Kopf grob nach hinten riss. Ein leiser Laut der Überraschung entfuhr ihr bevor er mit der linken Hand ihren Mund fest verschloss. Sie hatte sich auf die Lippen gebissen, er fühlte ein paar Tropfen warmen Blutes zwischen den Fingern. Er war ein disziplinierter Sportler, groß und athletisch, unter seinem Gewicht wirkte sie so zerbrechlich. Sie hatte keine Ahnung, konnte keine Ahnung haben, wie sehr er sie liebte und wie sehr er sie wollte, und er war fest entschlossen ihr beide Tatsachen hier und jetzt zu gestehen.
Auf dem Boden liegend rang sie nach Luft, ihre Handgelenke hielt der Fremde mit eisernem Griff hinter ihrem Kopf umschlossen. Sein Gewicht drückte sie tief in den modrigen Erdboden, jedes mal rutschte sie ein bisschen tiefer wenn sie versuchte, sich gegen ihn zu stemmen. Er lockerte seinen Griff nicht, ihre Gelenke fühlten sich an als würden sie bald zerspringen und der scharfe Duft des Rasierwassers schien an ihrer Haut zu kleben wie Schweiß.
Diese Frau, eine Göttin. Nie zuvor hatte er jemanden so sehr geliebt.

Der Kopfschmerz hämmerte nur noch schwach und monoton als es irgendwann über ihr zu regnen begann. Die kühlen Tropfen verdrehten sich in der Luft zu kleinen Kaskaden als wie aus dem Nichts der Schmerz einsetzte. Mit ihm kehrte ihre Stimme zurück und sie begann verzweifelt zu schreien während sich Schweiß, Regen und Tränen zu einer klebrigen Masse mischten, die sich in ihren Haaren festsetzte.

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1 Antworten

Kommentare

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    Fast so, als wäre man als Schatten hinter ihm und würde all das sehen und hören, was er sieht und hört... Unheimlich...:)

    28.11.2011, 17:16 von kinghabibi
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