kraeuterfan 10.07.2009, 18:08 Uhr 0 0

Lachen ist ein gutes Zeichen

Hugleikur Dagsson fragt im Buchtitel: "Finden Sie DAS etwa komisch?" Viele Leser bejahen und prusten - ein Glück. Eine kleine Humorkritik

Ein Schläger verprügelt einen Schwulen; im Hintergrund schauen zwei Mädchen entzückt zu. Eine Mutter nennt ihre kleine Tochter "Behinderte Schlampe!", und die erwidert: "Du stinkst nach Scheiße!" Und zwei Schüler plagt nur die Frage, wen sie dieses Schuljahr fertigmachen sollen.

Drei von etwa 120 Szenen des Buches "Finden Sie DAS etwa komisch?", die der isländische Zeichner Hugleikur Dagsson zu Papier gebracht hat. Seine Cartoons, die in seiner Heimat Furore machten, kommen betont unkünstlerisch daher. Zwei Kreise und ein paar Striche müssen reichen für eine Figur, ergänzt durch einzelne charakteristische Merkmale für die Hausfrau oder den Neonazi-Teufel, der häufiger dabei ist. Häufig natürlich auch die zahlreichen Toten, wie der, der blutüberströmt auf der Straße liegt und sich fragt, ob er lachen oder weinen soll.

Das fragt man sich auch, wenn man dieses Buch durchblättert. In dieser Zeit haben "böse" Witze Hochkonjunktur. Wobei das Label "böse" oft ausreicht, um Erfolg zu garantieren. Und manchmal auch dazu, Haß oder Hetze salonfähig zu machen. Die durch Brutalität überrumpelnden Zeichnungen von Dagsson, der im Vorwort irreführend als "dämonischer Mensch" bezeichnet wird, scheinen da ganz gut hineinzupassen - tun es aber nicht.

Im Grunde sind diese so typisierenden Strichzeichnungen Produkt einer sehr traurigen Sicht auf die Welt. Komiker wie Ingo Appelt oder Cartoonisten wie Manfred Deix suchen ihr Heil in Humor im Stil des Amoklaufs: treffen, wen man treffen kann. Scherze wie die dänischen Mohammed-Karikaturen vor einigen Jahren wollen durchaus wohlmeinend Unfrieden stiften, weil sie glauben, damit der liberalen Gesellschaft einen Gefallen zu tun. Das soll jeder sehen wie er mag; jedenfalls gehört Dagsson in beide Richtungen gerade nicht hinein. Sein Humor ist nicht sadistisch und ebensowenig polemisch, wie bei den erwähnten Kollegen – er ist pessimistisch.

Wenn man über Mutter und Tochter losprustet, wie sie einander unerwartet robust beschimpfen, oder über die Mädchen, die den Schläger anhimmeln statt einzugreifen, dann deshalb, weil man sich noch empören kann über Ignoranz und inhumanen Umgang miteinander, der hier lediglich absurd überhöht wird (oder sollte man sagen: unterboten). Eigentlich ist dieses Buch und die Tatsache, dass schon viele darüber gelacht haben, ungeachtet seiner bekannt düsteren Herkunft (Island: drei Sonnenstunden im Winter), ein Grund zur Hoffnung. „Was, SO schlecht ist die Welt?“ wäre vielleicht ein besserer Titel.

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