MadElaine 22.08.2010, 21:52 Uhr 1 3

Krümelmonster, Teil 5

Ärger verraucht (nicht)

Freddy wohnte mittlerweile in einem winzig kleinen Studentenwohnheim am anderen Ende der Stadt. Als ich um halb vier endlich dort war, saß er vorm Haupteingang auf einer Treppenstufe und rauchte.
Er rauchte?
"Wieso rauchst du denn hier?", fragte ich ihn.
"Weil ich im Gebäude nicht rauchen darf, darum", antwortete Freddy und atmete tief aus. Dabei stieß er eine Wolke Rauch mit aus.
"Nein, das meine ich nicht. Ich wusste ja gar nicht, dass du überhaupt rauchst!"
"Ich weiß auch nicht, wieso. Eigentlich hatte ich ja schon damit aufgehört, aber bei dem Stress, den ich zur Zeit habe..." Er seufzte.
"Was ist denn los?", wollte ich jetzt wissen.
"Dieses Mädel macht mich einfach FERTIG!" Das letzte Wort schrie er schon fast. Ich verstand nicht, was er damit meinte.
"Ich frage mich mittlerweile echt, was ich eigentlich an Aurélie finde. Die schafft mich noch! Die weiß einfach nicht, was sie will. Nervt mich dauernd, dass ich mehr Zeit mit ihr verbringen soll, aber wenn ich sie dann anrufe, weil ich mit ihr endlich ins Kino gehen will, zu diesem doofen französischen Film, dann heißt es, sie ist nicht zu Hause! Dabei weiß ich es ganz genau, dass sie da ist."
"Wie meinst du das?" Jetzt verstand ich gar nichts mehr.
"Im Hintergrund dudelte ganz laut Aurélies Lieblingsserie. Kannst du dir vorstellen, dass Anna 'Verbotene Liebe' guckt?"
"Nein."
"Siehst du. Und als ich Anna drauf angesprochen habe, stammelte sie nur etwas von 'Ach, der neue Darsteller sieht so süß aus'. Das glaube ich einfach nicht!" Freddy nahm einen tiefen, angestrengten Zug aus seiner Zigarette.
"Na ja..." Ich versuchte erst einmal, mich zu sammeln. "Ich weiß nur, dass sie mir erzählt hat, dass ihr neulich in diesen Film mit Audrey Tautou gehen wolltet und du musstest urplötzlich noch zu deinen Kumpels."
"Fängst du jetzt auch schon damit an? Wahrscheinlich hat sie dich bequatscht, damit du mir jetzt für sie ins Gewissen redest." Nun stieß er den Rauch wieder aus. Es erinnerte mich, besonders durch die kalte Luft, die sie besonders sichtbar machte, an einen Stier.
"Nein, sie hat mich nicht bequatscht. Und außerdem habe ich keine Lust, mich schon wieder in alles reinziehen zu lassen. Es war schon schwer genug, euch überhaupt zusammenzubekommen. Den Rest müsst ihr jetzt allein schaffen."
Freddy sah mich entschuldigend an. "Tut mir echt Leid, du hast ja Recht. Ich weiß einfach nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Aber immer, wenn ich Aurélie darauf anspreche, faucht sie immer irgendwas von wegen, dass ich sie nicht mehr liebe, und rauscht ab."
"So lange seid ihr ja noch nicht zusammen, da ist es doch ganz normal, wenn sie so viel Zeit mit dir verbringen will. Das ist doch bei den meisten Mädels so."
"Meinst du?"
"Na ja, persönlich kann ich es nicht sagen, aber das war jedenfalls bei den meisten Mädchen so, die ich kannte. Versuch einfach, so etwas wie die Sache mit dem Kino zu vermeiden und überleg dir vielleicht doch mal was Romantisches. Dann denkt sie sicher nicht mehr, dass du sie nicht mehr liebst."
"Meinst du, das bringt's?"
"Na sicher, auf Romantik steht Aurélie doch total. Das schaffst du schon."
"Ich versuch's..."

Ich war komplett durch, als ich zu Hause ankam. Durch wie ein durchgebratenes Steak. Wieso hatten nur so viele Leute Probleme mit der Liebe? Konnte man es nicht einfach so machen wie ich und Single bleiben? Mir hatte nie etwas gefehlt. Zu Hause wartete keiner auf mich, der mit einem Nudelholz auf mich losgehen wollte. Bildlich gesprochen. Ich war, im Großen und Ganzen zumindest, zufrieden mit meinem Leben.
Weil es mir so ätzend ging, drehte ich wieder die Musikanlage auf. Mein MP3-Player spuckte per Zufallsreihenfolge ein uraltes Lied aus, das ich schon lange nicht mehr gehört hatte.
I just don't want to be with you
There's simply nothing you could do
To change my mind
To make me wanna sleep with you...
Und den ganzen Refrain noch mal.
Auch wenn es noch nicht Nacht war, so drang doch bald ein erbostes Türklopfen an mein Ohr, das mir signalisierte, dass meine Musik wohl nicht erwünscht war. Ich wusste schon, wer da stand, bevor ich die Tür geöffnet hatte.
"Kati, was willst du hier, verdammt?"
"Sag nicht 'verdammt' zu mir. Im Übrigen stört mich deine Musik beim Lernen. Wenn du ständig so weitermachst, sehe ich mich gezwungen, die Haussprecher zu informieren."
An jedem anderen Tag hätte ich noch halbwegs mit Verständnis reagiert und die Musik leiser gedreht. Ich hätte vielleicht geantwortet: "Tut mir Leid, es ging mir gerade nicht so gut. Kommt nicht wieder vor."
Doch heute ging das nicht. Ich wurde wieder in irgendwelche Probleme hereingezogen, die nichts mit mir zu tun hatten, in meiner Familie spielten plötzlich alle verrückt, die Uni war die Hölle, und als wäre das nicht schon genug, spürte ich gerade ein riesiges Ziehen, das mir die bevorstehende Periode ankündigte.
Also antwortete ich stattdessen:
"Ich weiß, das geht in dein aufgeblasenes Erbsenhirn nicht rein, aber es gibt hier auch Leute, die sich amüsieren wollen. Und wenn wir dir alle so auf den Sack gehen, warum hast du dann nicht 'ne eigene Wohnung? Du kriegst von deinen Eltern eh das Geld in den Arsch geblasen. Was ist eigentlich mit dir los? Kriegst du nicht genug Sex oder was? Damit du's weißt: Ich werde meine 'Scheißmusik' nicht leiser drehen! Und erzähl mir bloß nicht, du musst lernen. Dein IQ ist doch eh nicht höher als der von Tütensuppe!"
Ich knallte ihr die Tür vor der Nase zu und drehte noch etwas lauter, um die blöde Tussi zu ärgern."Wichtige Links zu diesem Text"
Soundtrack: Underwater Circus - Not you

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1 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Der Text gefällt mir !
    Ich muss mir die Argumentation merken, wenn mich mal jmd. wegen lauter Musik anmacht

    Der Satz "Ich war komplett durch, als ich zu Hause ankam. Durch wie ein durchgebratenes Steak. "
    Hat echt was...

    25.08.2010, 12:18 von gruener_Regenschein
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