SlightlyPoetic 19.07.2012, 23:45 Uhr 1 1

Kreise, kreise, kreise - du.

Langsam und leise...

Langsam und leise öffnete er seine Augen. Die Sonne wirft letzte Strahlen in das Gesicht des jungen Mannes. Ein kurzes Blinzeln, bevor er um sich wahrnimmt, was geschieht und da neben ihm liegt. Erst leichte Umrisse, dann feste Konturen und dann erkennt er sie. Dieses Mädchen mit den blonden Locken; die Augen noch vom Schlaf geschlossen liegt sie leise vor sich hin schlummernd neben ihm. Lediglich ihr warmer Atem, trifft ab und an auf seine Haut.

„Guten Morgen mein Engel“, hört er sich leise flüstern, während seine Fingerspitzen leicht über das Gesicht dieses Wesens streicheln. Ihre Haut ist weich, leicht blass; ob ihre Lippen genau so weich sind? Ein Blinzeln. Hinter den geschlossenen Augenlid dieses wunderschönen Mädchens kommen zwei blau-grünstichige Kristalle hervor, die sie ebenso blinzelnd – Sekunde für Sekunde freigibt. Sie lacht und während sich ihre Bäckchen zu einem Grinsen formen, ist es eine Mischung aus zusammengewürfelten Worgebilden, Satzkonstruktionen und Fantasien, die in ihm das Gefühl auslösen, bald platzen zu müssen. Noch während sich die Lippen dieser beiden treffen, dankt er – unwissend -  wem genau – der Welt, dafür, dass er in diesem Moment dieses weltoffene, in sich selbstgekehrte und wunderschöne Wesen bei sich haben darf. „Darf man sie Mensch nennen?“, fragt er sich, und als er nach kurzem Blinzeln weiters die Augen öffnet, sind es unsichtbare Tränen, die in ihm ausgelöst wie Wellen gegen Felsen klatschen. Er befindet sich im Zug und anstelle des Mädchens, wirft ihm der Kontrolleur einen strengen Blick zu.

Es sind kontrastgrüne Wiesen, die an ihm vorbeiziehen, überzogen mit bananengelben Weizenfeldern, von Graffiti und Erinnerungen gezierte Bahnhofsgebäude, die bereits verlassen dem neuen technologisch moderneren Bahnhof Platz machen mussten. Ab und an mal ein Wagon, ab und an mal eine Brücke, unter der sich gerade ein Panoramaschiff durchzwängt. Reisetouristen im Glaube etwas Schönes entdeckt zu haben, unwissend, dass das wirklich Schöne bereits da ist; in der Nähe – geblendet vom Drang, mehr zu haben; mehr zu sehen; mehr zu sein. Ausstieg in Fahrtrichtung Rechts, sagt jemand. Frankfurt. Hauptbahnhof. Mein Herz schlägt schnell, ist es doch unfassbar, was für Gebäude – Büro und Wohnkomplexe, Holz und Stahl-Bauten Platz einnehmen in diesem wunderschönen Etwas aus Alt & Neu – was sich Frankfurt nennen darf. Ein Junge mit roten, hochgegelten Haaren läuft an einer Emo-Tusse vorbei. Im Mc Donalds fragt mich jemand ob ich jemandem einen Euro habe. Nein sagt jemand Anderer, fasst ihn an der Hand und bittet ihn zu gehen. Außer mir würdigt keiner dem Mann eine Sekunde. Frankfurt. Massenkonsum trifft auf Parallelgesellschaft.

Parallelgesellschaft trifft auf Medienstadt. Medienstadt macht Parallelgesellschaft. Frankfurt. Mein Zug nach Kehl kommt erst in 30 Minuten. Lange genug Zeit,  Satzbauten mit Stadtbauten zu vergleichen und mir im Herzen dieser neuen Welt, einen Big Mac reinzuziehen.

Ja. So ist sie. Die neue Generation. Und mit jedem vereinzelten Gedanken an geköpfte Rinder beiße ich mich weiter in den Burger. Vereinzelte Salatblätter hängen in meinen Zähnen und noch während ich mich darin versuche mit meinen Fingerspitzen diese Blatt für Blatt rauszuziehen, sehe ich in meinem inneren Auge – Rinder, Rinder und Rinder. Und wenn ich schon gerade dabei bin an Massenschlachtungen zu denken, denke ich auch an eine Kuh. Die Kuh, die dafür sterben musste, um sich jetzt in meinem Burger wiederzufinden. Nein. Ich denke an die 158 Kühe, die sterben mussten um sich jetzt in meinem Burger wiederzufinden. Neben mir setzt sich ein fetter Mann, dessen Stuhl gequält optisch nach Hilfe schreit. Das hinterbliebene Plastik verzerrt sich und für eine Sekunde glaube ich ein leichtes Beben unter meinen Füßen zu verspüren. Aber vielleicht habe ich mich auch nur geirrt und….es waren gar nicht 158 Kühe, sondern 160, oder 200.

Ich vermisse sie. Nicht die Kuh. Nein meine Gedanken sind bei ihr. Meine Mutter habe ich schon lange Zeit nicht mehr gesehen. Aber das tut nichts zur Sache.

Immer wieder taucht dieses wunderschöne Wesen in seinen Gedanken auf. Es reicht die Augen kurz zu schließen und sein Herz schlägt schneller, als erneut diese Lichtgestalt in ihm aufwacht. Mein Herz schlägt schneller, als ich sie vor mir sehe und selbst als die nächsten Felder an mir vorbeiziehen, ich meine Augen öffne und realisiere, dass ich wieder im Zug nach Straßburg sitze…..bin ich glücklich, weil ….

…Selbst wenn er im Zug sitzt, weiß er, dass sie – bei ihm ist. 


Tags: Bahnfahrt, Zugfahren, Memories
1

Diesen Text mochten auch

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
13. Mai 2013

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android