Kleines wort II
Das Wort, das fliegen wollte.
Dieses Mal wollte das kleine wort auf keinen Fall aufgeben. Trotz seiner recht unglücklichen Lage war es seinem Traum, die große weite Welt zu sehen, noch nie so nahe gewesen wie jetzt. Angst war guter Begleiter, dachte das kleine wort bei sich. Schließlich wollte Angst unter keinen Umständen hier unten bei den fettgedruckten Dunklen bleiben. Das kleine wort sah sich seine Begleiterin an. Sie sah allerdings auch nicht so aus, als wolle sie besonders hoch hinaus. Das kleine wort war in einer Zwickmühle.
„Wie viele Flügel hat ein Vogel?“, fragte Angst. Das kleine wort beschlich ein Verdacht. Sie wollte doch wohl nicht etwa doch, dass sie hier unten blieben?
„Ein Vogel hat zwei Flügel.“, sagte das kleine wort.
Angst nickte. „Das bedeutet,“, sie deutete auf ihre Hand, die die des kleinen wortes festhielt. „dass wir Einer zu wenig sind.“ Das kleine wort musste der Angst Recht geben. Angst konnte ein guter Flügel sein, aber eben nur ein Flügel. Und eben ein Flügel reichte nicht aus, um den Traum des kleinen wortes wahr werde zu lassen und fliegen zu können. Aber wen sollte das kleine wort nur fragen? Wer würde mit ihnen die Reise machen wollen?
„Was ist, wenn wir niemanden finden?“ Angst war ein wenig hinter dem kleinen wort, aber dieses hielt die Angst weiter fest bei der Hand und zusammen gingen sie weiter.
Wen sollte das kleine wort nur mitnehmen? Etwas sagte ihm, dass Mutlosigkeit wohl kein beschwingender Begleiter für ihr Abenteuer wäre. Aber wen gab es hier unten noch?
Da hatte das kleine wort plötzlich eine Idee. Zum höchsten Punkt der Stadt würde es mit Angst an der Hand gehen.
Ja, dachte es bei sich, es fühlte sich gut an, diese Richtung einzuschlagen.
Und obwohl es bergauf ging, schien auch Angst ihren Griff ein wenig zu lockern. Das kleine wort ertappte sie sogar dabei, dass sie ihren nun schlendernden Gang zu genießen schien.
Das kleine wort lächelte. Ganz bestimmt waren sie auf dem richtigen Weg. Und wieder begannen sie, schneller zu laufen. Dieses Mal allerdings, weil sie es gemeinsam so genossen.
Und ohne, dass sie sich recht versahen, überkam Freude die Beiden. Freude lachte. „Darf ich mit? Oh, bitte, darf ich mit euch gehen?“ Das kleine wort strahlte und selbst Angst lächelte ein wenig. Freude wäre ein guter Begleiter. Ohne Freude würden sie nicht fliegen können. Freude war ein guter Flügel.
Nun würde ihnen nichts mehr im Weg stehen. Das kleine wort bot Freude seine freie Hand an. Jetzt würde es endlich fliegen und die Welt mit den Beiden sehen können.
Mit Angst und Freude an seinen Seiten fühlte sich das kleine wort ziemlich sicher. Gut, auch Freude konnte ein wenig anstrengend sein, aber mit Angst war selbst das nur halb so schlimm. Anders herum war Angst es, die sie davor bewahrte, wirklich in Gefahr zu geraten. Die drei Worte sahen sich an. Sie standen jetzt auf dem höchsten Punkt der Stadt und – sprangen!
Freude jauchzte, Angst schloss die Augen und das kleine wort flog hoch hinaus.
Angst und Freude taten ihre ersten Flügelschläge. Es funktionierte.
Das kleine wort lachte und die Welt wurde immer kleiner und das kleine wort fühlte sich nun immer größer. Sie flogen Kurven und Loopings und alles lag offen vor ihnen wie ein aufgeschlagenes Buch.
Und als sie an einem hohen Haus vorbeiflogen, dessen Fenster das Licht spiegelten, sah das kleine wort sich zum allerersten Mal selbst.
Auf der einen Seite war tsgnA, auf der anderen eduerF und in der Mitte stand das lachende Wort tfahcsdnuerF.





Kommentare
klein wird zu lachend, sehr schön!
03.08.2012, 11:25 von Teilvonmirdanke ;)
04.08.2012, 16:43 von Mandelbluete