Hz. Mevlana, Celaleddin Rumi
Was ich alles von meinem gestrigen Vortrag über den islamischen Poeten, Gelehrten und Philosophen gelernt habe.
Geduld bedeutet, dass man immer weitblickend das Ziel im Auge behält.
Ungeduld bedeutet, dass man kurzfristig nicht die Bestimmung begreift.
Von der UNESCO 2007 gewürdigt wurde der Poet und Philosoph Hz. Mevlana, der bekannteste Vertreter des Sufismus. Der Sufismus spiegelt als religiöse Wissenschaft die mystische Dimension des Islams wieder, wobei die Mystik wiederum die Suche nach der Wahrheit ist.
Komplizierter ist es den Begriff der Wahrheit zu definieren und zu verstehen. Die Wahrheit kann hierbei als ein Fluss verstanden werden, der durch viele verschiedene Länder fließt. Jedes Land gibt diesem Fluss in seiner eigenen Sprache einen Namen und stellt Besitzansprüche. In Wahrheit jedoch kann man den fließenden, nie ruhenden Fluss nicht besitzen, da er sich immer weiterbewegt, kann man daran lediglich nur teilhaben.
Der Sufismus wird in zwei Kategorien untergliedert: Zum einen die Erkenntnismystik und zum anderen die Liebesmystik. In Bildern gesprochen kann man sich einen Vogel mit zwei Flügeln vorstellen. Während die Erkenntnismystik sich mit Logik und Verstand befasst, dominieren in der Liebesmystik Gefühle.
Die Erkenntnismystiker philosophieren, wie jeder andere Denker zuvor und danach auch, über das Leben auf der Erde und im Jenseits. Man versucht hier die kolossalen Fragen der Menschheit zu beantworten. Warum leben wir? Warum sterben wir? Leben und Tod gehen Hand in Hand, schließen sich nicht aus. Die Gottesfurcht existiert, weil man Angst vor der Hölle hat. Der Glauben ergibt sich aus der Hoffnung auf das ewige Leben im Paradies.
Die Liebesmystik hingegen, vor allem vertreten von einer Frau namens Rabi'a von Basra, hat weder die Angst vor der Hölle, noch die Hoffnung auf das Paradies. Charakterisierend ist das Bild von Gott als Geliebten. Der Mensch sehnt sich nach der Urheimat beim Geliebten. Die Liebe hat hierbei kein Ende, weil der Geliebte (Gott) kein Ende hat.
Angelehnt auf den Urvertrag zwischen Gott und Mensch, will man in der Liebesmystik zurück in die ursprüngliche Ganzheit mit Gott, als alles eine Einheit war. Diese Denkweise erinnert stark an die Urknalltheorie. Auch dort spricht man von einer Einheit, welcher nach dem Knall in verschiedene Teile zerbrach. Gott ist hierbei die unerkennbare, unnennbare Ganzheit bzw. Einheit. In einer Einheit ist eine Erkenntnis nicht möglich, da dazu mindestens zwei Konstanten gegeben sein müssen – die Erkenntnis und der Erkenner.
Im europäischen Raum ist Hz. Mevlana besser bekannt als Rumi. Rumi steht für der Romäer, weil in Anatolien damals das byzantinische Reich herrschte und Rumi übersetzt Rom heißt. Der islamische Poet hatte viele jüdische und christliche Freunde, was ihm viele Zeitgenossen übel nahmen, doch für ihn galt:
Menschen der Liebe sind der Religion frei. Gott allein lieben sie.
Neben seinen aussagekräftigen Gedichten und Schriften, welche seit Jahrzehnten in den Bestsellerlisten in Amerika aufzufinden sind, denn da ist er der meistgelesene Poet, ist Mevlana der Erfinder des Derwisch-Tanzes. Hierbei trägt man einen beigen Hut, der das Grabstein des eigenen Egos, einen schwarzen Umhang, welcher das Grab des Egos, der Welt und alles weltliche symbolisieren soll und ein weißes Unterkleid, welches das Symbol für die Auferstehung und das Licht, aber auch das Leichentuch des eigenen Egos ist. Die Arme ausgestreckt, die linke Hand nach oben empfängt, die rechte Hand nach unten gibt weiter, soll Gott die Möglichkeiten geben, den sich Drehenden zu berühren. Hz. Mevlana, für den das sich Drehen das Sterben ausdrückte, bezeichnete diesen Tanz als:
Sterben, vor dem Sterben.
Somit sah er seinen Tod als eine Art Hochzeitsfest, da er somit zu Gott und der Urheimat zurückkehren wird.
Hz. Mevlana hat versucht die zwei Ebenen des Sufismus, Erkenntnismystik und Liebesmystik, zu vereinen. Seine Mainmessage drückt diese Vereinigung wohl am besten aus:
Vor Liebe brennen, aber trotzdem zur Vernunft zurückkehren.






Kommentare
@freefalltoday: Ursprünglich war es eine Zusammenfassung für meinen Bruder, da er den Vortrag aus terminlichen Gründen nicht wahrnehmen konnte. Im Anblick der fertigen Zusammenfassung dachte ich mir dann, warum nicht auch die NEON-Leser damit "bereichern" ^^
04.10.2012, 08:47 von SsEeVvDdAaMein Comment war im Zusammenhang mit - Muslimin und Jurastudentin.
den Lyriker/Mhytiker text finde ich sehr informativ, das ist das was ich daran mag.
03.10.2012, 23:22 von SteveStitchesIch sehe leider den Zusammenhang von deinem Comment zu meiner Vorstellung zu einem Lyriker/Mhytiker nicht.
03.10.2012, 22:44 von SsEeVvDdAaHallo Sevda(ich kürze es einfacher halber ab),
Glaube und Demokratie - ich kenne sehr christliche Menschen die auch Jura studieren und ohne zögern unsere Demokratie gegen eine christliche Staatsreligion eintauschen würden. Es sind sehr liebe Menschen, nur religionsmäßig verstehen sie keinen Spaß, bedeutet dass Menschen wie SteveStitches schreibverbot erhalten und Moscheen niedergerissen würden. Es ist ungefähr der gleiche Fundamentalismus den Mitch Romney und seine Tea Party Freunde zelebrieren. Leider sind diese Menschen mehr als man denkt.
03.10.2012, 08:24 von SteveStitches1. Staatsexamen im März ^^
02.10.2012, 10:12 von SsEeVvDdAaMuslimin und Jurastudentin - liegen die härtesten Prüfungen noch vor Dir? (lassen wir mal die wilde Hilde außer acht)
01.10.2012, 23:34 von SteveStitches