flatscan 30.01.2004, 21:49 Uhr 1 0

heimweh to hell

Es gibt Romanhelden, bei denen weiß man schon vom ersten Satz an, dass sie scheitern werden.

Sowas merkt man etwa, wenn eine Charakterisierung beginnt mit: "Bürzel, der schmale, leicht schief gewachsene, schwindsüchtige Streber..." oder aber bei Bürzels Gegenpart "Robbe, der eher korpulente, schwitzende Student der Informatik".
Unterstützt werden diese Vorurteile noch durch Klassifizierungen wie Rollenspieler, Star Trek Fan und Frauen-nur-aus-dem-Lexikon-Kenner. Fraglich ist jetzt nur noch, wie gekonnt das Scheitern in Szene gesetzt wird.

Autor Linus Volkmann hat einige Übung darin, seine Protagonisten auflaufen zu lassen. Die beiden Nerds Bürzel und Robbe sind bereits in seinem vorherigen Buch an der Verabredung mit einem Mädchen gescheitert. In der aktuellen Geschichtensammlung "heimweh to hell" läuft es nicht viel besser, obwohl doch Robbe ganz direkt und offen heißer Sex angeboten wird.

Soweit, so lustig. Leider reden Robbe und Bürzel so gestelzt seltsam, dass es keinen Spass macht, dem Drama zu folgen. Selbst dann nicht, wenn man die ganzen Rollenspiel- und Star Trek Anspielungen versteht. Wer etwa nicht weiß, wer Dr. Bashir ist, wird an den Dialogen noch weniger Freude haben.

Etwas amüsanter ist da schon die Erzählung über King Cobra, den Ecxstacy-schluckenden Romantik-Punk. Der scheitert hier gleich mehrfach: An den Frauen, an den Pärchen, an der Umweltverschmutzung und daran, dass ihn die anderen aus der Band geworfen haben. Das liest sich durchgängig locker flockig, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es keinerlei Tiefgang besitzt.

Abgerundet werden diese beiden Hauptgeschichten von drei weiteren kleinen Texten, die dem Buch aber auch keine Wendung mehr geben. Selbst wenn man auf Nerds und Slacker steht, rechtfertigt das nicht die gesalzenen 9 Euro 90, die das Buch kostet. "Popliteratur, bei der alle anderen einpacken müssen", schreibt der Ventil-Verlag über "heimweh to hell". Und das mag sogar stimmen. Doch hat das Werk auch nicht mehr zu bieten als das in der Popliteratur übliche: "heute gelesen, vielleicht geschmunzelt, doch morgen vergessen".

Linus Volkmann: "heimweh to hell"
Ventil Verlag, 9,90 Euro"Wichtige Links zu diesem Text"
Homepage des Ventil Verlages

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Kommentare

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    Ich finde deine Aussage "heute gelesen, vielleicht geschmunzelt, doch morgen vergessen" sehr treffend. Ich schreibe im Rahmen eines Seminars eine Arbeit über Popliteratur. Darf ich dich für meine Arbeit zitieren?
    P.S.: Hast Du "smells like niederlage" von Linus Volkmann gelesen. Ich konnte damit überhaupt nichts anfangen. Das erste Buch, das ich nicht zu Ende gelesen habe - und das ich wahrscheinlich auch nie zu Ende lesen werde.

    09.02.2004, 14:22 von charlotteschmidt
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      @charlotteschmidt Klar, zitier mich ruhig. "smells like niederlage" habe ich nicht gelesen. Halte ich nach "heimweh to hell" auch für überflüssig. Ich habe schon mehrere Bücher nicht zu Ende gelesen, "Generation Golf" (Illies) etwa oder "Crazy" (Lebert). Andererseits habe ich auch bei Klassikern wie "Moby Dick" und "Der Steppenwolf" nicht bis zum Ende durchgehalten. Ich neige mittlerweile auch bei Büchern zum Zappen, schätze ich.
      Und Schuld hat nur das Privatfernsehen!

      10.02.2004, 00:19 von flatscan
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      @flatscan Danke, dass ich Dich zitieren darf. Dieses Zitat ist sicherlich nützlich.
      Übrigens: mit "Generation Golf" hab ich gerade angefangen, mal schauen, wie weit ich´s schaff´. Noch gefällt es mir ganz gut.

      17.02.2004, 19:56 von charlotteschmidt
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