baschlek_banx 28.09.2009, 23:46 Uhr 0 1

Gringo.

Ich steh’ in der Ecke und schaue zu – still und leise…-

Ich beobachte ja nur…-



Ich steh’ in der Ecke und schaue zu – still und leise…-



Ich übe mich in Zurückhaltung und warte nur auf diesen einen Moment…-



Geduld ist eine Tugend, in der ich mich, in einer Zeit wie dieser, besser üben sollte…-



Im Grunde genommen hab ich der Welt ja momentan nichts mehr zu geben…-



Ich bin – bzw. fühle mich derart leer und nutzlos…-



Wissen sie, auch wenn es mir in manch stiller Stunde unbegreiflich erscheint, wie ein Individuum wie sie überhaupt mit solch einer, verzeihen sie mir, Unzufriedenheit gesegnet sein kann, so respektiere ich doch alles und jeden. Ich bin tolerant bis zu einem gewissen Grade, der womöglich schon sehr bald überschritten sein wird. Denn, wissen sie, ich will hier weg!

Mein Leben ist ein einziger Witz. Es ist gekennzeichnet dadurch, dass eine schier endlose Zeit rein gar nichts passiert, und es sich dann, völligst unverhofft, in eine von Turbulenzen kaum zu überbietende Achterbahn verwandelt! Kennen sie das? Derzeit finde ich mich selbst vor in einem Loch, in einem Loch voll Langeweile und Beobachtungsprozessen, auf die ich tagtäglich angewiesen bin, und ich warte, ich warte sehnlichst auf diesen plötzlichen, ruckartigen, mich so motivierenden Moment, der mich selbst wieder in Form bringt, schlichtweg mein Lebensgefühl wieder auferstehen lässt. Wann er kommt? Das weiß der Himmel…

In der schon viel zu lange zurückliegenden, vergangenen Zeit war ich sehr gefragt auf Partys verschiedenster Art. Die Musik durchbläst mich als sei es gestern gewesen. Viele schöne, junge, reizende Frauen drückten ihre wohlgeformten, willigen Lippen an mich und ich gab ihnen ein gutes Gefühl. Ein Gefühl für den Moment, nur für den Moment, leider. Ich schenkte ihnen all meine Zuwendung, versuchte kühlen Kopf zu bewahren und der Dank dafür war wie so oft ein Korb bzw. pures Stehenlassen; meistens ereigneten sich all diese furchtbarsten aller Szenen in der Küche. Traumatische Erlebnisse hatte ich in diesen Räumlichkeiten. Spiele perversester Art, bishin zu erigierten Ekelexemplaren durchdringen meine Vergangenheit – und all dies ohne meine Einwilligung. Wie kann es nur immer so weit kommen? Was bewegt die Menschen wie gesagt dazu, so respektlos zu erscheinen? Ich kann diese Frage bis heute nicht beantworten und werde dies wohl auch in Zukunft nicht können. Daher versuche ich mich auch immer an den guten Momenten meiner Vergangenheit festzuhalten und die im Vergleich dazu stehende Masse an Misserfolgen zu verdrängen. Vielleicht kennen sie ja auch das?

Denn die im Gegensatz dazu wundervollsten, erfüllendsten Momente meines Daseins verbrachte ich in geselliger Runde, nur auf einer Decke, mit den unterschiedlichsten, vielfältigsten Freunden, die ich daraufhin wohl nie mehr sehen würde…dazu ist die Wahrscheinlichkeit einfach zu gering. Daher sollte man einmal mehr diese zauberhaften Momente genießen und eben jene laue Sommerbrise nicht einfach als gegeben ansehen, sondern vielmehr als etwas wirklich besonderes, wie so vieles auf dieser Welt. Nur durch solche Nachtschwärmereien fühlte ich mich einmal mehr wie etwas von Wert. Auch wenn ich so etwas nie besitzen werde, das steht fest.

Jedenfalls kommen mir diese Gedanken meiner Erinnerung komischerweise immer erst dann, wenn es vorbei ist. Einfach nur vorüber. Ich komme mir in einem Moment wie grade so grausam dumm vor, nicht jede einzelne Facette dieser Abende bewusst wahrgenommen zu haben, sodass ich mich jederzeit, auch jetzt, in sie hineinversetzen könnte.

Ach, wenn sie doch nur präsent wären!

Allein aus diesem Grunde verstehe ich ein weiteres Mal die Menschen nicht. All die Unzufriedenheit, all der Neid, die Angst auf Verlust der Freiheit. Wer ist denn hier bitteschön frei? Frei in seinem Handeln, in seinem Horizont, in seinen Möglichkeiten. Warum erfahre ich als derzeit stiller Beobachter in einer Küche von drei dynamischen, noch sehr jungen Menschen ein solches Maß an Antriebslosigkeit, besonders morgens? Was bewegt speziell einen Herren dazu so viel belebenden, ungesunden Kaffee zu trinken und dabei voller Genuss eine beträchtliche Anzahl an Zigaretten zu rauchen? Was beschäftigt ihn nur…ich werde aus ihm einfach nicht schlau. Zufriedenheit und Motivation sind doch nicht nur bloßer Schein?!

Naja, wie auch immer. Es ist schon tiefe Nacht will ich meinen. Ich weiß schlichtweg nicht, wie viel Tage und Nächte ich noch hier in der Ecke verbringen werde. Wird sich wohl ganz nach dem Konsumverhalten der drei Herren richten. Denn ein Bier am Tag hat ja schließlich noch niemandem geschadet, nicht wahr? …



Oh. Ich vergaß ja völlig mich in all dem Mitteilungswahn vorzustellen.

Ich bin Gringo. Gringo, die Flasche.

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