Gedanken zur Küchenschere
Neben den Mültonen direkt verfügbar.
Heute ist es tatsächlich passiert. Seit mehreren Wochen -warscheinlich sind es schon Monate- liegt unsere Küchenschere im Hof, neben den Mülltonnen. Weiß Gott wie sie dort hin gekommen ist. Heute habe ich sie aufgehoben, sie die Treppen hochgetragen, sauber gemacht, denn Rost abgekratzt und sie in die Schublade gelegt. Dahin, wo sie hin gehört.
Man konnte die Schere sehen, von unserem Balkon aus, und sie fehlte im Haushalt, wie oft habe ich über die die winzige Schere aus dem schweizer Taschenmesser geflucht? Und trotzdem habe ich die Schere nie aus dem Hof geholt. Dabei sind es nur ca. 20 Meter Luftline, zwei Türen, und ungefähr 40 Stufen die uns trennten. Wiso nicht? Wiso habe ich sie nich aufgehoben, als ich den Müll runter brachte, oder mein Mitbebewohner. Es wäre ein einfacher Schritt gewesen, der meinen Alltag wohl erleichtert hätte. Es war immer der selbe Gedanke: das Nächstemal.
Und genau das ist es was mich beschäftigte, genau dieser Moment in dem ich im Hof stand, die Schere sah und dachte jetzt, jetzt ist der Punkt gekommen. Also habe ich mich gebückt und sie aus dem Laub gezogen.Warum aber gerade heute? Was war heute anders? Denn irgendetwas muss ja anders gewesen sein als sonst. Den die Schere ist ja oft genug liegen geblieben. Warum ausgerechnet heute nicht? Vielleicht weil es so ein schöner Tag war, und die Sonne auf die Schere schien, wie ein Spotlight. So etwas änliches muss es gewesen sein. Naja auf jeden Fall liegt Die Scherejetzt wieder in der Schublade. Saubere Arbeit.
Eigentlich war das ja erstaunlich einfach. Also rückblickend hat es sich echt gelohnt. Ein kleiner Schritt für mich, ein großer für den Haushalt.Oder so änlich. Es ist immer dieser kleine Schritt, dieses Bruchstück oder Fragment einer Handlung, dass alles umkrempelt und trotzdem wird er nie getan. Was nicht alles ungeachtet vorsich ihn rostet- nebenden Mülltonnen.Im Laub. Bis zu dem Moment an dem etwas anders ist. Wo wäre ich jetzt wenn ich jede Schere meines Lebens sofort aufgehoben und mit hoch genommen hätte. Wo wären wir alle wenn jede Schere aufgehoben worden wäre?Aber jetzt habe ich sie aufgehoben, tatsächlich. Endlich. Was heißt das jetzt? Geht´s los? Wird jetzt keine Chance ungenutztkeine Gelegenheit ungeachtet bleiben. Muss ich in meiner Küche jetzt eine Schublade nur für Scheren einrichten, weil ich in den nächsten Tagen,Wochen und Jahren so viele davon auflesen werde? In spätestens drei Jahren werde ich mir Dagobert Duck gleich einen Scherenspeicher bauen mich in ihnen suhlen, und mich an ihnen ergötzen. Jede Schere aufgehoben. Jede Chance genutz.
Warscheinlich nicht. Denn es hängt wohl von diesem besoneren Moment ab, diese geheime Zutat, oder der Spregstoff- wenn man so will- der mich in Bewegung bringt. Außerdem habe ich meinen Tagwerk getan- finde ich.
Aber weiter immer weiter. Den Schwung nutzten: Dagobert Duck fand ich als Kind immer cool, der hat immer so schicke Badeanzüge an, wenn er in seinem Geld schwimmt. Sowas brauche ich auch. Morgen kaufe ich mir einen.
Mittlerweile weiß ich wie die Schere neben die Mülltonnen gekommen ist. mein Mitbewohner hat sie, aus einem Pizzakartong (er schneidet sich seine Pizza gerne mit der Schere) der so zu sagen als Sarg aus öliger Pappe fungierte, vor dem grausamen Tod in einer Müllverbrennungsanlage gerettet. Das macht die ganze Sache noch besser. Da ich jetzt die Schere aufgehoben habe, obwohl ich für ihr Fehlen nicht verantwortlich war. Was für eine Heldentat.Keinesfalls werfe meinem Mitbewohner vor das er die Schere nie mit nach oben genommen hat. Dieser zauberhaft Moment, in dem man weiß das die Zeit reif ist nach der Schere zu greifen, ist eben ein seltener Augenblick. Außerdem habe ich ja auch immer noch keinen Badeanzug.





Kommentare
gefällt mir sehr gut und ich überlege gerade ob ich sich diese Schere dereinst mal in meinem Haushalt befunden hat.
08.05.2012, 08:12 von gautinggirlWas schert mich das...
18.04.2012, 19:24 von sailorpah. lies mal das:
Ode an die Dinge
Ich liebe die Dinge über alles,
alles.
Ich mag die Zangen,
die Scheren,
ich schwärme
für Tassen,
Serviettenringe,
Suppenschüsseln —
vom Hut
ganz zu schweigen.
Ich liebe
alle Dinge,
nicht nur
die höherstehenden,
sondern
auch
die un-
end-
lich
kleinen,
den Fingerhut,
Sporen,
Teller,
Vasen.
Bei meiner Seele,
ist der Planet
schön,
voller Pfeifen, die
von Händen
durch den Rauch
geführt werden,
voller Schlüssel,
voller Salzfässer,
voll von
allem,
was Menschenhand erschaffen, allen Dingen:
den Rundungen am Schuh,
den Geweben,
der zweiten,
diesmal unblutigen
Geburt des Goldes,
den Brillen,
den Nägeln,
den Besen,
den Uhren, den Kompassen,
dem Kleingeld, der weichen
Weichheit der Stühle.
Ah, soviel
reine
Dinge
hat der Mensch
entworfen,
aus Wolle,
aus Holz,
aus Glas,
aus Stricken —
Tische,
wunderbare Tische,
Schiffe, Leitern.
Ich liebe
alle
Dinge,
nicht weil sie
brennen
oder
duften,
sondern
ich weiß nicht warum,
weil
dieser Ozean dir gehört,
mir gehört:
Die Knöpfe,
die Räder,
die kleinen
vergessenen
Schätze,
die Fächer,
in deren Federn
die Liebe ihre
Orangenblüten
wehte,
Gläser, Messer,
Scheren —
auf allem
findet sich,
am Griff, am Rand,
eine Fingerspur,
die Spur einer entrückten,
ins vergessenste Vergessen
versunkenen Hand..
Ich gehe durch Häuser,
Straßen,
Fahrstühle
und berühre dabei Dinge,
erkenne Gegenstände,
die ich insgeheim begehre:
mal weil sie läuten,
mal weil sie
so weich sind
wie die Weichheit einer Hüfte,
dann wieder, weil sie wie tiefes Wasser
gefärbt oder dick wie Samt sind.
0h unumkehrbarer
Strom
der Dinge,
keiner kann sagen,
ich hätte nur
die Fische
geliebt
oder die Gewächse des
Urwalds und der Wiesen,
ich hätte
nur geliebt,
was hüpft, klettert, überlebt und seufzt.
Falsch:
Mir sagten viele Dinge
vieles.
Nicht nur sie rührten mich
oder meine Hand rührte sie an,
sondern so dicht
liefen sie
neben meinem Dasein her,
daß sie mit mir da waren
und so sehr da für mich waren,
daß sie ein halbes Leben mit mir lebten
und dereinst auch
einen halben Tod mit mir sterben.
Pablo Neruda,
20.04.2012, 23:42 von Gluecksaktivistin
1.) Rechtschreibung. Ich weiß, Tippfehler wie hier passieren sehr schnell, aber dafür sollte man nochmal drüber lesen und, wenn man selbst unsicher ist, nochmal jemand anderem den Text geben, bevor man veröffentlicht.
2.) Der Bogen von der Schere zum Leben und den Chancen wirkt sehr gezwungen, nicht wirklich glatt. Das ist ja eigentlich der Kernteil; er ist viel zu kurz dafür, das meiste wird durch die Einleitung eingenommen. Außerdem hätte ich mir hier gewünscht, dass du die Schere noch sehr viel weiter ausführst: das Zerschneiden hätte mit reinkommen können, der Rost, unter dem das Metall versteckt war, etc. etc. Wirklich viel rausgeholt hast du aus dem guten Bild leider nicht.
Verbesserungswürdig und -nötig. Wäre schade, wenn da gar nichts passiert, denn der Text hat durchaus Potential.
18.04.2012, 18:55 von lalyonnaiseFind ich super. Gefällt mir gut.
18.04.2012, 16:52 von forstAber ja, die Buchstaben...
18.04.2012, 17:13 von forst1.) schau mal zu dem buchstabenhaufen unter deinem schreibtisch, ich glaub, da sind dir ein paar buchstaben zwischen den fingern durchgerutscht, und nun- liegen die da desorientiert rum. sieht so aus, als wollen sie wieder aufgelesen und an ort und stelle gepackt werden.
2.) und kein gras drüber wachsen lassen, gras ist definitiv nicht im sinne der sache/schere
18.04.2012, 16:42 von tjarahelTatsächlich, da war was unter dem Schreibtisch. Sogar ein paar ganze Sätze
19.04.2012, 19:25 von Francis_MacomberHihi. Und, weißt du schon, was du mit ihnen anstellst? ;-)
19.04.2012, 19:27 von tjarahel