Francis_Macomber 18.04.2012, 13:17 Uhr 9 3

Gedanken zur Küchenschere

Neben den Mültonen direkt verfügbar.

Heute ist es tatsächlich passiert. Seit mehreren Wochen -warscheinlich sind es schon Monate- liegt unsere Küchenschere im Hof, neben den Mülltonnen. Weiß Gott wie sie dort hin gekommen ist. Heute habe ich sie aufgehoben, sie die Treppen hochgetragen, sauber gemacht, denn Rost abgekratzt und sie in die Schublade gelegt. Dahin, wo sie hin gehört.
Man konnte die Schere sehen, von unserem Balkon aus, und sie fehlte im Haushalt, wie oft habe ich über die die winzige Schere aus dem schweizer Taschenmesser geflucht? Und trotzdem habe ich die Schere nie aus dem Hof geholt. Dabei sind es nur ca. 20 Meter Luftline, zwei Türen, und ungefähr 40 Stufen die uns trennten. Wiso nicht? Wiso habe ich sie nich aufgehoben, als ich den Müll runter brachte, oder mein Mitbebewohner. Es wäre ein einfacher Schritt gewesen, der meinen Alltag wohl erleichtert hätte. Es war immer der selbe Gedanke: das Nächstemal.
Und genau das ist es was mich beschäftigte, genau dieser Moment in dem ich im Hof stand, die Schere sah und dachte jetzt, jetzt ist der Punkt gekommen. Also habe ich mich gebückt und sie aus dem Laub gezogen.Warum aber gerade heute? Was war heute anders? Denn irgendetwas muss ja anders gewesen sein als sonst. Den die Schere ist ja oft genug liegen geblieben. Warum ausgerechnet heute nicht? Vielleicht weil es so ein schöner Tag war, und die Sonne auf die Schere schien, wie ein Spotlight. So etwas änliches muss es gewesen sein. Naja auf jeden Fall liegt Die Scherejetzt wieder in der Schublade. Saubere Arbeit.
Eigentlich war das ja erstaunlich einfach. Also rückblickend hat es sich echt gelohnt. Ein kleiner Schritt für mich, ein großer für den Haushalt.Oder so änlich. Es ist immer dieser kleine Schritt, dieses Bruchstück oder Fragment einer Handlung, dass alles umkrempelt und trotzdem wird er nie getan. Was nicht alles ungeachtet vorsich ihn rostet- nebenden Mülltonnen.Im Laub. Bis zu dem Moment an dem etwas anders ist. Wo wäre ich jetzt wenn ich jede Schere meines Lebens sofort aufgehoben und mit hoch genommen hätte. Wo wären wir alle wenn jede Schere aufgehoben worden wäre?Aber jetzt habe ich sie aufgehoben, tatsächlich. Endlich. Was heißt das jetzt? Geht´s los? Wird jetzt keine Chance ungenutztkeine Gelegenheit ungeachtet bleiben. Muss ich in meiner Küche jetzt eine Schublade nur für Scheren einrichten, weil ich in den nächsten Tagen,Wochen und Jahren so viele davon auflesen werde? In spätestens drei Jahren werde ich mir Dagobert Duck gleich einen Scherenspeicher bauen mich in ihnen suhlen, und mich an ihnen ergötzen. Jede Schere aufgehoben. Jede Chance genutz.
Warscheinlich nicht. Denn es hängt wohl von diesem besoneren Moment ab, diese geheime Zutat, oder der Spregstoff- wenn man so will- der mich in Bewegung bringt. Außerdem habe ich meinen Tagwerk getan- finde ich.
Aber weiter immer weiter. Den Schwung nutzten: Dagobert Duck fand ich als Kind immer cool, der hat immer so schicke Badeanzüge an, wenn er in seinem Geld schwimmt. Sowas brauche ich auch. Morgen kaufe ich mir einen.

Mittlerweile weiß ich wie die Schere neben die Mülltonnen gekommen ist. mein Mitbewohner hat sie, aus einem Pizzakartong (er schneidet sich seine Pizza gerne mit der Schere)  der so zu sagen als Sarg aus öliger Pappe fungierte, vor dem grausamen Tod in einer Müllverbrennungsanlage gerettet. Das macht die ganze Sache noch besser. Da ich jetzt die Schere aufgehoben habe, obwohl ich für ihr Fehlen nicht verantwortlich war. Was für eine Heldentat.Keinesfalls werfe meinem Mitbewohner vor das er die Schere nie mit nach oben genommen hat. Dieser zauberhaft Moment, in dem man weiß das die Zeit reif ist nach der Schere zu greifen, ist eben ein seltener Augenblick. Außerdem habe ich ja auch immer noch keinen Badeanzug.

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9 Antworten

Kommentare

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  • 0

    gefällt mir sehr gut und ich überlege gerade ob ich sich diese Schere dereinst mal in meinem Haushalt befunden hat.

    08.05.2012, 08:12 von gautinggirl
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    Was schert mich das...

    18.04.2012, 19:24 von sailor
    • 0

      pah. lies mal das:
      Ode an die Dinge

      Ich liebe die Dinge über alles,

      alles.

      Ich mag die Zangen,

      die Scheren,

      ich schwärme

      für Tassen,

      Serviettenringe,

      Suppenschüsseln —

      vom Hut

      ganz zu schweigen.


      Ich liebe

      alle Dinge,

      nicht nur

      die höherstehenden,

      sondern

      auch

      die un-

      end-

      lich

      kleinen,

      den Fingerhut,

      Sporen,

      Teller,

      Vasen.


      Bei meiner Seele,

      ist der Planet

      schön,

      voller Pfeifen, die

      von Händen

      durch den Rauch

      geführt werden,

      voller Schlüssel,

      voller Salzfässer,

      voll von

      allem,

      was Menschenhand erschaffen, allen Dingen:      

      den Rundungen am Schuh,

      den Geweben,

      der zweiten,

      diesmal unblutigen

      Geburt des Goldes,

      den Brillen,

      den Nägeln,

      den Besen,

      den Uhren, den Kompassen,

      dem Kleingeld, der weichen

      Weichheit der Stühle.



      Ah, soviel

      reine

      Dinge

      hat der Mensch

      entworfen,

      aus Wolle,

      aus Holz,

      aus Glas,

      aus Stricken —

      Tische,

      wunderbare Tische,

      Schiffe, Leitern.


      Ich liebe

      alle

      Dinge,

      nicht weil sie

      brennen

      oder

      duften,

      sondern

      ich weiß nicht warum,

      weil

      dieser Ozean dir gehört,

      mir gehört:

      Die Knöpfe,

      die Räder,

      die kleinen

      vergessenen

      Schätze,

      die Fächer,

      in deren Federn

      die Liebe ihre

      Orangenblüten

      wehte,

      Gläser, Messer,

      Scheren —

      auf allem

      findet sich,

      am Griff, am Rand,

      eine Fingerspur,

      die Spur einer entrückten,

      ins vergessenste Vergessen

      versunkenen Hand..



      Ich gehe durch Häuser,

      Straßen,

      Fahrstühle

      und berühre dabei Dinge,

      erkenne Gegenstände,

      die ich insgeheim begehre:

      mal weil sie läuten,

      mal weil sie

      so weich sind

      wie die Weichheit einer Hüfte,

      dann wieder, weil sie wie tiefes Wasser

      gefärbt oder dick wie Samt sind.


      0h unumkehrbarer

      Strom

      der Dinge,

      keiner kann sagen,

      ich hätte nur

      die Fische

      geliebt

      oder die Gewächse des

      Urwalds und der Wiesen,

      ich hätte

      nur geliebt,

      was hüpft, klettert, überlebt und seufzt.

      Falsch:

      Mir sagten viele Dinge

      vieles.

      Nicht nur sie rührten mich

      oder meine Hand rührte sie an,

      sondern so dicht

      liefen sie

      neben meinem Dasein her,

      daß sie mit mir da waren

      und so sehr da für mich waren,

      daß sie ein halbes Leben mit mir lebten

      und dereinst auch

      einen halben Tod mit mir sterben.


      Pablo Neruda,






      20.04.2012, 23:42 von Gluecksaktivistin
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  • 0

    1.) Rechtschreibung. Ich weiß, Tippfehler wie hier passieren sehr schnell, aber dafür sollte man nochmal drüber lesen und, wenn man selbst unsicher ist, nochmal jemand anderem den Text geben, bevor man veröffentlicht.

    2.) Der Bogen von der Schere zum Leben und den Chancen wirkt sehr gezwungen, nicht wirklich glatt. Das ist ja eigentlich der Kernteil; er ist viel zu kurz dafür, das meiste wird durch die Einleitung eingenommen. Außerdem hätte ich mir hier gewünscht, dass du die Schere noch sehr viel weiter ausführst: das Zerschneiden hätte mit reinkommen können, der Rost, unter dem das Metall versteckt war, etc. etc. Wirklich viel rausgeholt hast du aus dem guten Bild leider nicht.

    Verbesserungswürdig und -nötig. Wäre schade, wenn da gar nichts passiert, denn der Text hat durchaus Potential.

    18.04.2012, 18:55 von lalyonnaise
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  • 1

    1.) schau mal zu dem buchstabenhaufen unter deinem schreibtisch, ich glaub, da sind dir ein paar buchstaben zwischen den fingern durchgerutscht, und nun- liegen die da desorientiert rum. sieht so aus, als wollen sie wieder aufgelesen und an ort und stelle gepackt werden.

    2.) und kein gras drüber wachsen lassen, gras ist definitiv nicht im sinne der sache/schere

    18.04.2012, 16:42 von tjarahel
    • 0

      Tatsächlich, da war was unter dem Schreibtisch. Sogar ein paar ganze Sätze

      19.04.2012, 19:25 von Francis_Macomber
    • 0

      Hihi. Und, weißt du schon, was du mit ihnen anstellst? ;-)

      19.04.2012, 19:27 von tjarahel
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