daswirdspannend 13.04.2008, 10:39 Uhr 13 14

Ein unklares Märchen

Es war einmal eine schöne Prinzessin, die hatte an jedem Haar einen goldenen Schuh...

...Und in jedem goldenen Schuh saß ein silberner Frosch. Und jeder der silbernen Frösche schmauchte den lieben langen Tag ein winziges, kupfernes Pfeifchen. Die Prinzessin musste sich sehr vorsichtig bewegen, damit die goldenen Schuhe nicht allzu sehr erschüttert wurden und die silbernen Frösche darin sich nicht an ihren kupfernen Pfeifchen verschluckten. Tatsächlich hatte aufgrund der geballten, froschbedingten Tabakwolken um den Kopf der Prinzessin, noch nie jemand ihr Antlitz sehen können. Seit ihrer Geburt wusste man nur von ihrer Stimme, und die klang wie süßer Husten.
Die Prinzessin lebte in einem Schloss, daß weiter als weg lag, und dieses Schloss bestand ganz und gar aus Papier. Alle Zimmer, Tore, Zinnen, Mauern, Giebel, Dächer, ja sogar die Bäume im Hof und die Tiere in den Ställen waren schneeweiß und raschelten den ganzen Tag leise vor sich hin. Des Öfteren, wenn der Prinzessin mit den golden Schuhen an jedem Haar, mit den silbernen Fröschen darin, die bedächtig an ihren kupfernen Pfeifchen pafften, ihr Schloss zu langweilig wurde, veränderten ihre Diener auf ihr Geheiß alle
Räumlichkeiten, indem sie neue Zimmer entfalteten, Ziegen zerknüllten oder ganze Säle weg zündelten. Das letztere war jedes Mal sehr gefährlich für den Rest des Schlosses und unterhielt die gelangweilte Prinzessin vermutlich aufs köstlichste (man konnte ja schwer in ihrem Gesicht lesen, was sie amüsierte oder nicht).


Nun weiß man ja, dass Prinzessinnen, die weiter als weg in schneeweißen Schlössern leben und goldene Schuhe an jedem Haar tragen, in denen zufriedene silberne Frösche fläzen, die ohne Nach-zudenken an ihren kupfernen Pfeifchen saugen, nicht dazu bestimmt sind, den ganzen Tag ihren Dienern beim Zurechtrascheln ihrer Besitztümer zuzuhören.
Nein, solche Prinzessinnen brauchen ungeahnte Wendungen der Ereignisse, mutige und selbstlose Prinzen, die ihnen Probleme vom Hals schaffen, die sie sich selber eingebrockt haben, um schließlich von den siegreichen Prinzen für die Dauer eines glücklichen Endes geliebt zu werden. Und genau das passierte einfach nicht.


Die Jahre gingen ins Land und kamen nicht wieder und der Prinzessin sah man an, dass sie älter wurde (am Gang, ihrer Haltung und allem, was nicht im Dunstkreis der kupfernen Pfeifen steckte). Da nie jemand weiter als weg zog, verirrten sich auch keine Prinzen, verwunschenen Knaben oder wenigstens ein durchschnittlich begabter Gänsehirt in die unmittelbare Umgebung der mittlerweile vielfaltigen Prinzessin, sehr zur Freude der bequemen silbernen Frösche in ihren bequemen goldenen Schuhen, die unablässig ihre kupfernen Pfeifchen zu ihren schwarzen Mäulchen führten. Als der Prinzessin nun langsam klar wurde (was ihr unter den gege-benen Umständen hoch anzurechnen ist), daß, wenn keiner zu ihr fände, sie eben selbst in die weite Welt zu gehen hatte, befahl sie ihrer Dienerschaft, ihr Schloß zusammen-zufalten, ließ sich eine gut gefederte Reisesänfte zurecht knicken und machte sich auf den Weg in Richtung Nähe. Es war der letzte Tag des Jahres.
Kaum hatte sie mit ihrem Gefolge in ihrer schneeweißen, raschelnden Sänfte die Landesgrenze überschritten, schlug eine unsichtbare Uhr zwölf und es begann zu regnen. Abertausende Tropfen weichten ihre Sänfte und das meisterhaft verpackte, mitgeführte Schloss in Sekundenschnelle auf und so stand die Prinzessin schutzlos unter dem Himmel und nicht nur die Prinzessin. Auch die erstaunt quakenden silbernen Frösche wurden im Nu durchnässt, ihre goldenen Schuhe füllten sich mit Wasser und zogen mit ihrem Gewicht den Kopf der Prinzessin zu Boden, so dass sie sich keuchend krümmte. Am bemerkens-wertesten aber war, dass der Regen auch die kupfernen Pfeifchen löschte und urplötzlich schwanden die künstlichen Nebel um das Haupt der gebeugten alten Frau. Der Anblick, der sich nun den Dienern bot, entsetzte sie so sehr, dass sie allesamt die Flucht ergriffen.


Als die Prinzessin nämlich aufblickte, war ihr Gesicht kohlrabenschwarz, ihre Augen von tiefgelber Farbe und ihre Zähne und Zunge so verteert, dass man meinte, in ein dunkles Loch zu fallen, als sie schließlich den Mund auftat. Mit einem kratzigen Kuß bedankte sich die Prinzessin bei all ihren feuchtsilbernen Fröschen in all ihren goldenen Schuhen an jedem ihrer Haare und starb. Die Frösche aber verwandelten sich einer nach dem anderen in schöne, junge Prinzen. Sie schauten einander respektvoll an, strichen sich das nasse Haar aus der Stirn und ihre silbernen Kleider glatt und machten sich mit je einem goldenen Schuh in der Hand auf den Weg in die Welt hinaus.

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13 Antworten

Kommentare

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    so nice

    04.10.2008, 19:51 von sophietrauer
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    das ist spannend! :-)

    30.04.2008, 16:45 von halvar
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    Wirklich super! Ich will wissen, wie es weitergeht!

    30.04.2008, 16:37 von Kwenda.Mzuri
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    Hihi. Fantastisch!
    So fängt ein Morgen amüsiert an.

    29.04.2008, 09:21 von ssanni
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    klasse :)

    29.04.2008, 04:11 von -Cassiopeia-
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    So so....
    aha so ist das also mit den goldenen Schuhen und den Fröschen.... ; 0 )
    Und die Moral von der Geschicht ist, sie doch allesamt zur WAND (-lung) zu schmeissen - hab ichs doch gewusst!!!

    20.04.2008, 10:42 von Mary05
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