dane25 21.10.2006, 22:23 Uhr 1 1

Das Sprach-Gen

Wie es ist, an schönen Sätzen zu hängen.

Minutenlang sitze ich auf dem Boden, die Zeitschriftenseite vor mir. Immer wieder lese ich die Überschrift. Und ich bringe es einfach nicht fertig.

Der Satz ist einfach perfekt. Ausgereift, schön, wortspielerisch, aber nicht zu aufdringlich. Er passt genau, da wo er steht. Ich möchte ihn festhalten, an die Wand schreiben, ihm einen blog widmen. Ich kann diese 50 Seiten Papier doch nicht so einfach in den Müll schmeißen. Bin ich deswegen ein Messie?

Einfallsreiche Zeilen sind für mich so wertvoll wie ein Picasso für Andere. Denn ein gut kombinierter Satz kommt schließlich nicht von irgendwoher. Das ist wie damals beim Lego: Bauen mit Worten kann auch jeder, aber etwas Schönes schaffen nur Wenige.
Kunst hängt man über die Couch im Wohnzimmer. Was aber macht man mit schönen Worten?

Es ist wirklich zum Ausrasten. Jedes Mal, wenn ich mich dazu durchringe, alle angestauten Zeitungen und Zeitschriften zu entrümpeln, muss ich erst einmal darin herumblättern. Ob das Nostalgie ist oder unterbewusste Absicht, weiß ich nicht. Jedenfalls der Anfang vom Ende, denn irgendetwas Tolles und Einmaliges finde ich immer auf irgendeiner Seite. Wie witzig, diese Band so zu beschreiben! Wahnsinn, die Kolumne, spricht mir wirklich aus der Seele. Und schon fällt mir der Weg zum Mülleimer doppelt schwer.
Sonst bin ich ziemlich normal. Aber ich in dieser Hinsicht bin ich vielleicht ein bißchen krank. Wort-besessen. Ob das in den Genen liegt? In unserer Familie scheinen schon mehrere Mitglieder infiziert zu sein….

Sollte ich vielleicht ein Archiv für gute Texte eröffnen? Zeitschriften zu Büchern binden, damit sie keiner mehr wegwirft? Oder, einfach Genforscherin werden? Dann würde ich eines Tages das Sprachempfindungs-Gen isolieren. Und es nur dann herausholen, wenn ich es auch wirklich brauche.

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Kommentare

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    Keine Sorge, du bist kein Messie. Messies heben einfach ALLES auf. Die treffen keine Auswahl. Und die schwelgen auch nicht in Sätzen, Worten, Sprache.
    Als Wort-Messie mit Qualtitätsfilter allerdings hast du einen entscheidenden Vorteil: du bist dein eigenes Archiv. Das menschliche Gehirn ist ein unglaublicher Speicher, da kommt keine Mega-Giga-Festplatte gegenan. Und wenn du trotzdem noch eine kleine externe Zusatzhilfe brauchst, einfach mal Tagebuch schreiben. Da kann man auch prima ausgewählte Sätze, Worte oder sogar Artikel hineinkleben. Das ist doch auch was.
    Ansonsten: merci für diesen zauberhaften Beitrag.

    23.08.2007, 23:32 von flughund
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