Das Ende vom Negerkönig
Alte Kinderbuchklassiker werden überarbeitet und von diskriminierenden Begriffen befreit. Schon lange überfällig oder Unsinn?
Vor ein paar Wochen las ich meinen Kindern zum Einschlafen aus einer alten Pippi Langstrumpf Ausgabe vor und stolperte ziemlich schnell über den Beruf von Pippis Vater. Der ist “Negerkönig” in Taka-Tuka-Land. Jetzt ist “Neger” kein Wort, welches in meinem täglichen Sprachgebrauch vorkommt, meinen Kindern las ich es in diesem Moment aber, auch bedingt durch die Überrumpelung, unkommentiert vor. Und Pippi Langstrumpf ist nicht das einzige Werk der Kinderliteratur, in dem rassistische und diskriminierende Begriffe vorkommen, deren Verwendung zum Entstehungszeitraum gebräuchlich und gesellschaftlich akzeptiert waren.
Der Verlag Oetinger hat deshalb bereits vor vier Jahren eine überarbeitete Neuauflage von Pippi Langstrumpf und anderen Werken Astrid Lindgrens herausgegeben. Der Thienemann Verlag legt nun mit einer neuen Fassung von Otfried Preußlers "Die kleine Hexe" nach.
Ich bin mir nicht sicher, wie ich das finden soll. Bei Erwachsenenliteratur ganz klar: übertrieben. Die können schließlich die verwendeten Begriffe in den zeitlichen Kontext einordnen. Bei Kindern ist das nicht so einfach. Meiner dreijährigen Tochter von Pippis Berufswunsch "Negerprinzessin" vorzulesen, ihr dann aber zu erklären, dass sie das Wort auf keinen Fall "in echt" benutzen darf, ist schwierig. Und wie schwierig das selbst bei größeren Schulkindern in der Praxis ist, mit denen man “nur mal reden müsste”, schreibt Dr. Mutti auf.
Patrick Breitenbach bringt in seinem Blogposting mit “Ich lasse lieber Worte sterben, statt damit andere Menschen zu verletzen.” seine Meinung auf den Punkt. In der Debatte auf Nido.de sind sich Eltern uneins. Von Befürwortung bis “Quatsch” reicht das Meinungsspektrum.
Was denkt ihr? Ist das vielleicht ein ganz normaler Vorgang von Sprachanpassung oder übertriebene Political Correctness? Kann man Kindern den Sachverhalt überhaupt vernünftig vermitteln? Könnte eine Lösung sein, beim Vorlesen die Wörter on the fly zu ersetzen?
Tags: Depression






Kommentare
struwwelpeter war eines meiner lieblingsbücher, obwohl ich daumen gelutscht habe!
Das *N*-Wort sagt man nicht!
14.03.2013, 13:23 von Onur_YildirancanNougatschnitte?
14.03.2013, 13:31 von faux_IV.Dazu:
Kann denn keiner einfach mal festlegen, dass 'Neger' kein Schimpfwort ist?
04.02.2013, 13:18 von zeitvergeudetSondern...?
04.02.2013, 13:39 von sailorEinfach eine umgangssprachliche Bezeichnung.
04.02.2013, 13:42 von zeitvergeudetIch bin mir da ja nicht so sicher...
04.02.2013, 14:28 von sailorKopf->Tisch
04.02.2013, 14:30 von MisterGambitWeiß nicht, wie man darauf kommt jetzt sowas zu behaupten..
04.02.2013, 14:40 von halbkindmfDie Frage ist doch auch, werden Kinder Rassisten deshalb oder nicht. Ich denke, viele hier sind mit Pippi etc aufgewachsen und trotzdem linke Erwachsene geworden. Wohingegen "Nazi-Eltern" auch bei der "neuen" Version vermutlicht einfach sagen: Guck mal, die Pippi ist da bei den Negern." Bilder sind da ja auch drin.
Mit andern Worten: Man macht Eltern und Kinder irgendwie blöder, als sie sind. Wenn es nur um das Wort Neger ginge, dürfte man es von mir aus auch streichen. Auf dieser Grundlage allerdings alles andere auch zu streichen, was nicht mehr ganz zeitgemäß ist, das finde ich totalen Bullshit. Neulich sagte einer im Interview, man solle irgendwo das Wort "Handy" durch "Smartphone" ersetzen, damit die Jungend das auch checkt. Hallo?!?!
Zumal Kinder rassistischer Eltern Beledigungen auch beim Fernsehen, Spazierengehen usw. lernen werden.
Vielleicht mal aufhören, das ganze nur aus Sicht der aufgeklärten weißen Mami zu beurteilen.
04.02.2013, 14:47 von MisterGambitDie Frage ist, müssen wir uns bezüglich einer Titelierung beleidigt fühlen?
04.02.2013, 14:47 von zeitvergeudetDie Frage ist eher: Bist du beleidigt oder nicht?
04.02.2013, 14:49 von MisterGambitIch als Weißer Mensch nicht. Als Weiße Sau, vielleicht.
04.02.2013, 14:52 von zeitvergeudetIch will nich mehr...
04.02.2013, 14:56 von sailorVor einigen Jahren hat ein Freund
der Familie meinen Töchtern all seine Bücher aus Kindertagen geschenkt,
Auflagen aus den 70er und 80er Jahren. Hierunter war auch das Buch '10 kleine
Negerlein'. Nun muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass mein Mann Afroamerikaner
ist, meine Töchter somit Mischlinge. Mein Mann wurde zum ersten Mal im Alter
von 6 Jahren in der Öffentlichkeit von einem erwachsenen weißen Mann mit dem
N***-Wort beschimpft. Er hat ihnen bestimmt nicht aus dem Buch vorgelesen. Ich
kann mir auch recht gut vorstellen, dass die Mehrheit all derjenigen die hier
ihre Kommentare und Sichtweisen kundgetan haben, noch nie mit
Rassenfeindlichkeit und Hass im eigenen Leben konfrontiert waren.
An dieser Stelle muss ich auch noch
erwähnen, dass ich selbst in Russland geboren wurde, d. h. meine Familie ist so
multikulti wie man nur sein kann in diesem schönen Land. Ich bin weiß und habe
wegen meiner Herkunft trotzdem viel Hass in meinem Leben erfahren. Auch ich
habe ihnen das Buch noch nie vorgelesen.
Und bei allen negativen Bemerkungen
über Political Correctness, fehlen mir die Worte. Das Bild des typischen
Deutschen hat sich jetzt über die Jahre geändert, denn der Deutsche ist, was
die Hautfarbe angeht, dunkler geworden. Bei einem hohen Ausländeranteil fände
ich es schlimm, wenn die Politik sich dem nicht anpasste und nicht für
Political Correctness sorgen würde, dafür ist Politik u. a. da... dafür sorgen,
dass die unterschiedlichsten Menschen in einem Land friedlich miteinander leben
können und wollen. Und, wenn das beinhaltet, das herablassende, verletzende oder
rassistische Worte nach heutiger Sichtweise aus Kinderliteratur 'verbannt'
werden, dann bin ich, bei aller Liebe zu Büchern und der Literatur,
der Meinung, dass das nur richtig ist. Es ist ja nicht so, dass diese Bücher
verbrannt werden sollen, sondern nur in Neuauflagen dem neudeutschen
Sprachgebrauch angepasst und damit modernisiert werden. Es handelt sich hier
immer noch 'nur' um Kinderliteratur.
Seinen Kindern kann man natürlich
'einfach' sagen oder beibringen, dass solche Worte im täglichen oder jeglichem
Sprachgebrauch tabu sind. Aber wozu dann überhaupt beibringen - auch wenn nur
durch Vorlesen - wenn sie denn tabu sind? Da erschließt sich mir nicht ganz der
Sinn.
Ich werde meinen Töchtern niemals aus
einem Buch vorlesen, in dem das Wort Neger auch nur ansatzweise vorkommt, nicht
nur weil sie selbst dunkelhäutig sind, sondern alleine aus Respekt vor allen dunkelhäutigen
Menschen auf dieser Welt, denen dies Wort missfällt, weil sie selbst damit Hass,
Leid und Gewalt verbinden. Ich finde diesen Respekt können wir alle aufbringen.
Zudem spielt hier ja auch noch ein marketingtechnischer
Faktor für die Verleger von besagten Kinderbüchern eine Rolle. Diese passen
sich nicht nur der Political Correctness halber an, sondern auch aufgrund
Marktforschungsergebnissen zum demografischen Wandel und der Evolution der Sprache... so verkaufen sich einfach mehr Bücher... Und ist, nebenbei
bemerkt, Political Correctness nicht auch zuletzt die Folge von gerade dem demografischen
Wandel im eigenen Land?
Was ich weitaus fragwürdiger und
erschreckender finde, ist, dass 70 bis 80 jährige Menschen heutzutage nicht
mehr ohne Übersetzer fernsehen können oder Berufe in ‚Key Account
Manager‘ oder ähnliches umbenannt werden, und alles 'eingeenglischt' wird...
darüber regt sich niemand öffentlich auf... aber das verletzende und
rassistische Worte in der heutigen Zeit aus der Literatur 'verbannt' werden,
ist eine Debatte? Auch da erschließt sich mir nicht ganz der Sinn...
Das o.a. Buch
19.01.2013, 21:44 von swetlanabyrdhaben wir auf den Dachboden verbannt weil wir es beide nicht über unser Herz
gebracht haben ein Buch wegzuwerfen.
Ohne Zeilenschaltungen könnte man das in jedem Fall besser Lesen...
04.02.2013, 13:39 von sailorIch bin immer wieder verwundert, dass die Menschen an sich auch nach 30 Jahren Textverarbeitung nicht über die gedankliche Schreibmaschine hinausgekommen sind...
Ich habe jetzt nicht alle Kommentare gelesen, deshalb tuts mir leid falls ich bereits gesagtes wiederhole.
13.01.2013, 13:13 von halbkindmfAauf einen fahrenden Zug aufzuspringen, ist ja ok, aber rein zufällig hast du, Heiko, grad das selbe Problem wie alle andern großen Zeitungen? Ja ne, da kann man einfach sagen ich will jetzt mal eure Neinung dazu wissen und den persönlichen Bezug weglassen. Egal.
Weiterin finde ich das Schröder-Bashing echt schlimm zumal viele nur die im Netz zitierten Sprüche kennen wie "In dem Fall würde ich lügen"- in Verbindung mit dem Begriff Neger, was völlig aus dem Zusammenhang des Urspungsinterview gerissen ist. Überhaupt- warum wurde damit nicht vor vier Jahren angefangen, denn wie du sagst hat da der Verlag angefangen die neue Ausgabe rauszubringen. Nein, weil jetzt eine Politikerin zugibt, dass sie beim Lesen eben einfach Südseekönig sagt, ist das ein großer Skandal.
Das aller, allerpeinlichste ist jedoch, dass nicht nur solche Begriffe ersetzt werden, sondern auch noch andere: In der kleinen Hexe wird jetzt der Begriff "Wichse" ersetzt, (Schuhwichse), weil er halt nicht sofort verständlich ist. (Wobei er in manchen Teilen Deutschlands wohl noch im vollen Sprachgebrauch ist!!!). Das ist dohc nun wirklich der größte Unsinn.
Zusammenfassend: Ich bin grundsätzlich gegen die Änderungen, wenn man einmal anfängt hört man nicht mehr auf.
Den Ersatz "Südseekönig" eigentlich ok finde, wenn ich länger drüber nachdenke. Jedenfalls finde ich ihn nicht so dramatisch, dass er den riesen Wirbel rechtfertigt- ist er ja offensictlich auch nicht, sonst hätte es den großen Aufschrei gegeben als diese Ausgabe rauskam und nicht jetzt- das ist doch allein Fr. Schröder geschuldet.
Scheint mir einfach ein sehr faszinierender Zufall zu sein^^. Wie stehst du denn nun eigentlich genau zu den Änderungen? Das habe ich dem Artikel nicht so entnommen. Aber interessante Links hast du da!
16.01.2013, 07:59 von halbkindmfUm noch eine Frage zu beantworten: Ich würde vermutlich on the fly ersetzen, ohne groß drüber nachzudenken. Aber ich mache das beim Vorlesen sowieso- wenn ich zu müde werde, fasse ich einfach zusammen und kürze. Natürlich keine Klassiker wie Pippi :)
Zuallererst möchte ich an dieser Stelle sagen, dass ich der Umbenennung von Literaturwerken aus vergangenen Zeiten kritisch gegenüber stehe, da sie auch Zeugnisse ihrer Zeit sind. Insofern stimme ich mit der - zumindest in diesem Forum - weitgehend herrschenden Meinung überein.
Dennoch finde ich – zum besseren Verständnis dieses Kommentars sei hier angemerkt, dass ich ein dunkelhäutiger Mittzwanziger bin – immer wieder sehr bedrückend, wie weiße Mitmenschen entscheiden, dass das N***-Wort, welches ein Symbol der Herabsetzung dunkelhäutiger Menschen durch ebensolche weiße Menschen war und noch heute ist, akzeptabel und die Ächtung dieses Wortes (und anderer verletzender Begriffe) nicht unterstützungswürdig sei. Häufig wird dabei auf eine Übertreibung der "Political Correctness" und die großen Mühen der Umgewöhnung (und in diesem Fall der Umbennenung des Werks) hingewiesen.
Meine Eltern - ebenso dunkelhäutig wie ich - haben es nie erlaubt, dass ich mich bei solchen Beschimpfungen mit diesem Wort (oder irgendwelchen Begriffen gleicher Wirkung) auf die gleiche Art und Weise gegen meine weißen Mitmenschen wehren durfte. Aus Mangel an dem Umgang mit derartigen Begriffen fällt mir bis zum heutigen Tage kein solches Wort , insbesondere keines mit einer derartigen Wirkung, ein.
Und das ist gut so. Das möchte ich eines Tages meinen Nachfahren ebenso mitgeben.
Mit meinen sehr bescheidenen Mitteln werde ich versuchen, das Wort aus meinem kleinen Mikrokosmos herauszuhalten und ihnen die Bedeutung dieses Wortes und seine verheerende Wirkung vorzuenthalten. Außerhalb unserer kleinen Welt möchte ich sie – zu gegebener Zeit – derart stärken, dass sie sich in vernünftiger Manier mit solchen Begriffen auseinandersetzen können. Denn allein damit unterschieden sie sich schon von den Nutzern solcher Begriffe.
Dass viele in diesem Forum ihren Beitrag für ein fried- und respektvolles Zusammenleben verschiedener Menschen nicht leisten möchten, ist die Ursache meiner oben beschriebenen Bedrückung.
Ich möchte übrigens ebenso wenig, dass sie das Wort „Weib“ in ihren Sprachgebrauch aufnehmen. Auch das ist ein ehemals gängiger und allgegenwärtiger Begriff, den wir heute aufgrund seines abwertenden und verächtlichen Charakters nicht weiter verwenden.
Auch dieser Begriff ist nicht aus der literarischen und künstlerischen Welt herausgestrichen worden. Es wäre auch sehr schade um Werke wie Mozarts Zauberflöte und Papagenos Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“ darin.
So komme ich zurück zum Anfang meines Kommentars. Ich unterstütze die Umbenennung von Literaturwerken ausdrücklich nicht. Aber die Kommentare und Begründungen, die ich – hier und an anderer Stelle – zu diesem Thema lesen muss, stimmen mich nachdenklich.
13.01.2013, 12:57 von sms29414Die Geschichten beim Strupelpeter sind so böse Pädagogik, das würde ich meinen Kindern soweiso nie vorlesen.
13.01.2013, 13:03 von halbkindmfÜbrigens...
11.01.2013, 19:59 von cosmokatzecosmokatze, hast du auch radio 1 gehört?
11.01.2013, 21:28 von libidoneee, stand in taz.
12.01.2013, 20:46 von cosmokatzeWir Älteren wissen doch, dass man solch Wörter wie „Neger“
nicht mehr sagen dürfen. Den Kindern kann man doch erklären, dass das früher
häufiger im Gebrauch war, aber heute ist es verboten, dieses Wort in den Mund
zu nehmen. Astrid Lindgren, Ottfried Preußler oder Erich Kästner schrieben ja
bloß Kinderbücher und keine Sachbücher. Die Kinder lernen ja nicht daraus…
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11.01.2013, 14:39 von SvenskaKoco
"aber heute ist es verboten, dieses Wort in den Mund
zu nehmen"
»Die Kinder lernen ja nicht daraus…«
12.01.2013, 14:30 von sailorWie meinen?