Brücke der Erinnerung
Sie schloss ihre Augen und sah sein lachendes Gesicht vor sich, wissend, dass sie es nie wieder sehen würde.
Es war still um sie herum, lediglich das tosende Rauschen des Flusses durchflutete ihre Ohren. Nichts würde je wieder so sein wie es einmal gewesen war, dessen war sie sich bewusst. Doch alles, was jetzt kommen würde, würde besser sein als das, was war. Sie atmete tief ein und vernahm einen restlichen Hauch seines Parfums, der noch in der Luft gefangen war. Doch auch der würde bald verschwunden sein. Sie fuhr mit der Hand über ihren Arm und zuckte bei dem Gedanken an die Schmerzen, die er ihr zugefügt hatte, zusammen. Nie wieder würde er ihr so wehtun können. Als sie ihre Augen öffnete, sah sie den reißenden Strom unter sich und wusste, dass sein toter Körper für immer aus ihrem Leben verschwunden war.
Sie klammerte sich am Geländer der Brücke fest. So fest, dass sich ihre Finger verkrampften. Tränen stiegen in ihre Augen. Ihr Leben war schön gewesen, bevor er es zerstört hatte. Sie war glücklich gewesen. Doch wie sie nun alleine auf der Brücke stand und den tosenden Fluss unter sich beobachtete, wurde ihr klar, dass von der Schönheit und dem Glück, die ihr Leben einst ausgefüllt hatten, nicht mehr viel übrig war. Er hatte alles zerstört. Er hatte sie zerstört.
Die erste Träne schlich ihre Wange hinunter und tropfte auf das kalte Eisen des Geländers. Sie merkte, wie ihr ganzer Körper zu zittern begann. Sie hatte Mühe, ihre Beine aufrecht zu halten und nach einer Weile konnte sie dem Druck nicht mehr standhalten. Langsam sackte sie in sich zusammen, landete unsanft auf dem kalten Steinboden. Die Tränen liefen nun in großen Mengen über ihr zartes Gesicht. Die Erinnerungen. Der Schlag, der sie so hart und unvorhergesehen getroffen hatte, dass sie auf den Boden gesunken war. Der Tritt, den er ihr Mitten in den Bauch versetzt hatte, so dass sich ihre Eingeweide zu einem großen Knoten zusammen zogen. Die Erinnerungen. Sie waren da und sie würden immer da sein. Die Beweise auf ihrem Körper würden verschwinden, aber sie bezweifelte, dass die seelischen Narben jemals verblassen konnten.



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