bleistiftgeschichte nr. 2 - verbrecherschicksal (vorspiel)
mehr autobiographisches aus dem lügenland
heute in der morgendämmerung klopfte es ruppig an die tür der experimentierkammer.
"es ist offen!",
maulte herr s. traumschlagseitig und rechnete eigentlich mit der alten zigeunerin, die einfach mal gar kein gefühl mehr für zeit und welt der normalsterblichen hat. sie lebt in ihrem eigenen universum und man kann ihr deshalb keinen vorwurf für spontanbesuche morgens um vier uhr machen. außerdem ist sie das liebenswerteste und weiseste großmütterchen auf dieser seite des mondes.
das klopfen verstummte allerdings nicht, sondern steigerte sich zu einem gewalttätigen rummsen, begleitet von der ansage:
"poohuuzieh !!"
"nanu?", sprach herr s. leise zu sich selbst und schlurfte zur tür.
das klang ja ganz wie ein elefant mit einem mörderschnupfen. aber wo sollte der denn herkommen, und um diese zeit? ob er auf der flucht vor einem zirkus war? und was sollte herr s. ihm für hilfe anbieten außer einem kamillentee mit honig?
so öffnte herr s. also die experimentierkammerpforte und hielt sich augenblicklich für das opfer eines hartnäckigen alptraumes. er blinzelte nämlich durch die krümeligen schlafsandeintrübungen seiner morgendlichen verpißt-euch-augen in die mündungen von vier maschinenpistolen:
vor ihm stand ein leibhaftiges sek und verströmte testosteron in gewaltigen mengen.
am waldrand in windrichtung röhrte ein verstörter hirsch.
"poohuuzieh !!",
dumpfte der anführer der bande durch skimaske und helm.
"hm. ich glaube, das geht nicht.", erwiderte herr s., "wenn ich dir jetzt am finger ziehe und du dann pupsen mußt, explodiert die testosteronwolke. dann sind wir alle tot. oder schlimmer noch: spukgeister mit einer laterne an der erektion, die für 666 jahre in den schlafzimmern von alten jungfern hausen müssen."
das war ein fehler.
die schwarze drohgestalt stieß herrn s. schmerzhaft vor die brust und brusselte aufgebracht rätselhaftes durch ihre defensive kopfbewaffnung.
gott sei dank hatte es der übersetzerkaktus auf dem nachhauseweg von seiner letztnächtigen tequilatour nicht weiter als bis zum fußabtreter der experimentierkammer geschafft, war dort eingeschlafen und starrte nun mißmutig und verkatert dem unerfreulichen besuch entgegen. er winkte herrn s. erklärend mit den dornen zu und drehte sich dann mit einem stinkigen rülps auf die andere seite.
so kam heraus, daß die freundlichen herren und ihre ölduftenden schnellfeuerwaffen den obdachlosen bleistift verhaften wollten.
der war nämlich garnicht obdachlos, sondern auf der flucht. sein name war impega hb und er wurde im kleinkönigreich berlin steckbrieflich gesucht als der meistgehaßte graffitiverbrecher überhaupt.
da kratzte sich herr s. überrascht am kopf.
der bleistift wurde in einer spezialbleistiftschelle und bewachschnuppert von zwei bissigen rottweilern abgeführt.
auf dem dach der experimentierkammer zwitscherte eine meise.
Tags: Robert, Suydam






Kommentare
zehmomente mag "ruppiges" überaus gern.
23.06.2012, 13:53 von zehnmomenteund.
ich biete herrn s. meine bodygardfähigkeiten an, ich beherrsche das fechten.
herr s. wird darauf zurückkommen. der obdachlose bleistift muß demnächst befreit werden.
23.06.2012, 13:58 von robert_suydamjo. bin ich sehrsehr dafür!
23.06.2012, 14:00 von zehnmomentenachtundnebel?
oder ganz ordenlich- bei tageslicht?
der befreiungsplan ist noch geheim.
24.06.2012, 00:15 von robert_suydamherr s. muß schweigen.