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Theater Total - Ein außergewöhnliches Projekt

1996 gründete Barbara Wollrath-Kramer das Projekt Theater Total. Seitdem treffen unter ihrer Leitung alljährlich junge Menschen mit erfahrenen....

1996 gründete Barbara Wollrath-Kramer das Projekt Theater Total. Seitdem treffen unter ihrer Leitung alljährlich junge Menschen mit erfahrenen Künstlern zusammen und lernen in Bochum, auf dem Gelände der Firma Eickhoff, die theoretischen und praktischen Seiten des Schauspiels kennen. In der neunmonatigen Projektdauer wird unter Anderem eine Performance und eine Inszenierung mit anschließender Deutschlandtournee erarbeitet.

In einer Ecke steht ein Klavier, vor den Wänden finden sich vereinzelt ein paar Stühle, der Boden wird von einem dünnen, wollweißen Teppich bedeckt. Der große, kahle Raum ist mit Sonnenlicht durchflutet, welches durch die zahlreichen Fenster an der Außenwand strömt.

Das ist alles. Trotzdem herrscht eine schneidende Spannung. In der Mitte des Raumes umrunden sich zwei junge Männer bedrohlich. Sie sind außer Atem und schwitzen, einer von ihnen blutet leicht aus einem Kratzer an der Stirn. In den Händen halten sie jeweils das Ende eines dicken Seils. Plötzlich schießt einer der Beiden hervor und zieht seinem Gegner mit dem Seil die Beine weg. Zusammen fallen sie auf den Teppich, schnell wirft sich einer über den Anderen und drückt ihn so herunter auf den Boden. Der Untere schreit und windet sich, um dem festen Griff zu entkommen.

„Mit dem Seil arbeiten!“, fährt da die Stimme von Barbara, der Schauspiellehrerin und Gründerin des Projekts, dazwischen.
Mitten auf dem Gelände der Stahlverarbeitungsfirma Eickhoff, zwischen Maschinen- und Arbeitshallen, im zweiten Stock eines der Gebäude, liegen die Proberäume von Theater Total. Was wie ein brutaler Kampf aussieht, ist eine Schauspielübung und nennt sich „Löwe und Maus“. Das Ziel ist es, seinen Gegner mit dem Seil zu fesseln oder so am Boden zu halten, bis er wirklich nicht mehr hochkommen kann. Es kann nur einen Gewinner, nur einen Löwen, geben. Die Übung dient als Rollenverständnis, den jungen Schauspielern soll die Situation eines Charakters aus ihrem Stück, Ödon von Horvaths „Der jüngste Tag“, bildlich bewusster werden.

Außergewöhnliche Erfahrungen wie diese Schauspielübung gehören bei Theater Total beinahe schon zum Alltag. Jedes Jahr im Juni werden alle Bewerber für das Projekt zu einem zweitägigen Workshop eingeladen. Hierbei werden 25 junge Menschen ausgewählt, die Anfang September das neunmonatige Projekt gemeinsam beginnen dürfen. Offenheit, Aufmerksamkeit, Beweglichkeit, Ausdrucksfähigkeit und Kritikfähigkeit sind die wichtigsten Auswahlkriterien. Während das Projekt von den Einen als Sprungbrett zur Schauspielschule genutzt wird, wollen Andere nur zeitweise Theaterluft schnuppern. Neben klassischem Schauspiel-, Sprach- und Tanzunterricht wird bei Theater Total außerdem gemalt, getextet, gesungen, improvisiert, geschneidert und geschreinert. Es wird nach Stärken und Talenten jedes Einzelnen gesucht.
Ein Jahr bei Theater Total gliedert sich in drei Phasen; in der ersten Phase lernen die Projektteilnehmer sich selbst sowie verschiedene Arbeitsbereiche und deren Methoden kennen, in der zweiten Phase wird das Handwerk vertieft und in der dritten Phase muss das Erlernte eigenständig in die Praxis umgesetzt werden. Mit der frei gewählten und selbst erarbeiteten Inszenierung geht die Gruppe anschließend auf Deutschlandtournee. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht gearbeitet wird. Und sogar manche Nachtstunden fallen den vielen Besprechungen und Proben zum Opfer. Da wird der neue Plakatentwurf diskutiert und das Programmheft gestaltet, das Bühnenbild besprochen und Kostüme geschneidert und vor allem wird gespielt und gespielt und gespielt, bis jede Szene sitzt! Alles liegt in der Hand der jungen Leute.

Klar, dass den Teilnehmern da wenig Zeit für sich selbst bleibt und manch einer nach vielen anstrengenden und pausenlosen Tagen der Verzweiflung nahe ist. Aber die Mühen lohnen sich: Bereits zwei Mal ist das Projekt mit einer Einladung zum Theatertreffen der Jugend in Berlin ausgezeichnet worden und 1999 gewann Theater Total den 1. Sonderpreis für soziales und kulturelles Engagement bei der Verleihung des Robert Jungk Preises NRW in Düsseldorf. Abgesehen davon macht man viele wichtige Erfahrungen, lernt interessante Menschen kennen und gewinnt Freunde fürs Leben."Wichtige Links zu diesem Text"
www.theatertotal.de

2 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Hey du,
    das ist ja echt mal ein außergewöhliches Projekt. Wofür hast du es denn genutzt? Sehr interessieren würde mich, wie man sich die neun Monate finanzieren soll? Nebenbei arbeiten geht ja wohl schlecht, oder?
    Ich spiele derzeit in unserer UniTheaterGruppe und nehme im Sommer an TheaterWorkshops teil.
    Ich suche immer nach wegen, um an mir zu feilen und mich meinem großen Traum zu nähern.
    Schöne Zeit

    04.04.2006, 16:09 von zane
    • 0

      @zane Hallo Zane,

      ich bin hier auf den Artikel über TheaterTotal gestoßen. Ich habe dieses Jahr selbst dort teilgenommen und würde Dich bitten, dich mal bei mir zu melden, falls du Dich dort bewerben willst oder das schon gemacht hast.

      Viele Grüße, Anne

      24.06.2006, 17:12 von kwakwa
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