Penn der Perfekte
Der Amerikaner wird als einer der bedeutendsten Kamerakünstler des 20. Jahrhunderts genannt.
Er gilt neben seinem Freund und Weggefährten Richard Avedon als ein Erneuerer der Portrait- und Modefotografie.
“In technischer Hinsicht ist seine Kunst vollendet: Perfekt die Führung des Lichts; von bewundernswerter Delikatesse der Verlauf der Linien in seinen Bildern. Auf einen ersten flüchtigen Blick könnte man Irving Penn für einen Klassiker der Fotografie halten.”
Sein Arbeitsfeld, das von minimalistischen Pflanzenstudien bis zu Portraits der Ureinwohner Südamerikas reicht, ist geprägt von einem höchsten Maß an technischem Wissen. Seine Bilder sind keine Zufallsprodukte und jedes Detail findet seinen rechten Platz. Die Kompositionen sind perfekt ausgeleuchtet und erinnern manchmal an Gemälde alter Meister. Penn ist jedoch nicht nur ein Maler unter den Fotografen, er ist ein beliebter Mode- und Portraitfotograf seit den 40er Jahren. Durch den frühen Kontakt zu dem Art-Direktor der Vogue, Alexander Liberman, gelang Penn schnell in Kontakt mit schillernden Sternchen der Filmbranche sowie den wichtigsten Köpfen aus Kunst, Politik und Wirtschaft.
Doch galt diesen Personen nicht Penns volle Aufmerksamkeit: Durch einen längeren Aufenthalt in Mexiko und Reisen nach Frankreich und Indien schärfte Penn sein Auge für Essays und Reportagen über fremde (vergessende) Völkergruppen, die gleichzeitig anklagend als auch dokumentarisch anzusehen sind.
Aber auch in der Portraitfotografie zählt Penn zu einem der bedeutendsten noch lebenden Fotografen. Ein stiller Beobachter, der wie Avedon, die Vergabelung von freien, künstlerischen Arbeiten mit kommerziellen Aufträgen versteht. Ja sogar dem Betrachter keinen Punkt zur Differenzierung bietet.
“Beim Blick durchs Objektiv zeigte dieser sonst so zurückhaltende Mann kein Erbarmen, spürte alle Geheimnisse auf, die sein Modell vielleicht lieber vor ihm versteckt hätte.”
Penn, der als Meister der Diskretion, Bewunderung und Zurückhaltung gilt, hat Portraits geschaffen, die mit einer äußerst simplen Komposition auskommen und durch das weglassen von Details den Menschen auf das Wesentliche abstrahieren. Als Beispiel sind hier die berühmten Portraits von Persönlichkeiten zu erwähnen, die dicht in eine Ecke gedrängt werden. Die Aufstellwand, im kleinen Winkel gehalten, “erdrückt” das Modell und gibt dem Betrachter einen beklemmenden Eindruck. Die erwähnten Geheimnisse, die Penn in der Lage war aufzuzeigen, waren aber auch nicht zuletzt ein Verdienst beider Seiten. Wer zu einer Sitzung geladen wurde, musste sich dessen bewusst sein, dass er schonungslos Abgelichtet wird.
Aber es mussten nicht immer Personen im Vordergrund stehen: Seine surrealistisch anmutenden Stillleben sind berühmt und die Aktaufnahmen sind in ihrer Licht- und Schattenkomposition einzigartig.
Irving Penn, mittlerweile 88 Jahre alt, prägte jahrzehntelang mit seinen Bildern das jeweilige Ideal von Schönheit und Mode, doch auch hier gab er keinen unnatürlichen Schein wider, sondern war stets darum bemüht, den Menschen hinter dem Modell zu zeigen, “die anonymen Bilder, in Portraits umzuwandeln.”"Wichtige Links zu diesem Text"
Einige seiner bekanntesten Bilder sind in dieser Galerie zu finden.



Kommentare
habe auch schon von ihm gehört...toller text jetzt weiss ich besser bescheid
03.11.2007, 01:13 von Vasco-Da-Gamabonne nuit
Daumen hoch.
05.01.2006, 12:56 von DaFrieseDein Artikel hat einem Fotografielaien Penn und sein Werk kurz und prägnant nahegebracht.Und Bock auf mehr Penn gemacht....*googlegeh*
@DaFriese genialer künstler.
28.10.2006, 16:22 von de_laura