gerdah 26.04.2018, 20:40 Uhr 0 0

Kaffee, Tee und Kakao in Tassen serviert

Die Sonderausstellung „Von Pulverdampf und Schlachtidyll“ präsentiert das 18. Jahrhundert. Porzellan war so kostbar, dass man es „Weißes Gold“ nannte.



Weißes Gold aus der Frankenthaler Manufaktur

Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen besitzen einen wertvollen Schatz: die weltweit größte und bedeutendste Sammlung an Frankenthaler Porzellan. Mehr als 100 fragile Kostbarkeiten zeigen in der neuen Präsentation die Meisterschaft der kurfürstlichen Manufaktur – sei es bei opulent gestaltetem Geschirr oder als kunstvolle Plastiken. Im Mittelpunkt steht ein Kaffee- und Teeservice von um 1766 - ein Glanzstück der Sammlung. Die Schau ist bis Dezember 2018 im Museum Zeughaus C5 zu sehen. Sie zeigt, dass Porzellan nicht nur kostbares Schaustück ist, sondern auch Spiegel seiner Zeit. Gemälde, Möbel und Waffen stellen das Service in seinen historischen Kontext. Das 43-teilige Service gehört zu den wertvollsten Produkten, die jemals in der Frankenthaler Manufaktur gefertigt wurden. Es kam vor zwei Jahren als Geschenk von Traudl Engelhorn-Vechiatto an die Reiss-Engelhorn-Museen und steht nun zum ersten Mal im Mittelpunkt einer Ausstellung.

 

Dramatische Schlachten zeichnen ein idealisiertes Kriegsbild

Dass ein Service dieser Größe komplett und unbeschadet die Jahrhunderte überdauerte, ist eine Seltenheit. Die Kannen, Tassen und Untertassen wirken fast wie neu und sind alle kunstvoll bemalt. Christian Heinrich Winterstein, einer der besten Frankenthaler

Porzellanmaler, gestaltete sie mit großer Liebe zum Detail. Er wählte ein im 18. Jahrhundert beliebtes Motiv: Reiterkämpfe vor historischer Kulisse, rastende Soldaten in naturnahen Landschaften, Lagerszenen bis hin zu dramatischen Schlachten vermitteln ein idealisiertes Bild vom Kriegsgeschehen der damaligen Zeit.

Dynamik des Kampfes lebensecht auf Porzellankannen einfangen

Diese sogenannten Bataillen zierten im Barock – einer Zeit, in der Krieg allgegenwärtig war – Gemälde, Grafiken und Porzellan. Sie stellten den Künstler vor die Herausforderung, die Dynamik des Kampfes und den Pulverdampf der abgeschossenen Feuerwaffen möglichst lebensecht einzufangen. Die Unterseite der Serviceteile ziert das Monogramm von Kurfürst Carl Theodor, unter dem die Manufaktur in Frankenthal im Jahr 1755 gegründet wurde. Die Ansiedlung von Manufakturen sollte die Wirtschaft ankurbeln. Der kunstsinnige Herrscher machte den Mannheimer Hof zum Anziehungspunkt für Künstler, Musiker und Wissenschaftler. Auch die besten Porzellanmaler zog es in die Kurpfalz. Die Ausstellung fängt den Glanz der kurfürstlichen Zeit ein. 

Porzellan aus China für Kaffee, Tee und heiße Schokolade

Porzellan war damals beliebtes Luxusgut und den vornehmsten Kreisen vorbehalten. Anfänglich wurde es aus China importiert. Aus fernen Ländern kamen auch die neuen Modegetränke, die man aus den feinen Porzellantassen trank: Kaffee aus dem Orient, Tee aus China und heiße  Schokolade aus Südamerika. Um nicht auf den Import aus Ostasien angewiesen zu sein, versuchten die sogenannten Arkanisten, das Geheimnis der Porzellanherstellung zu ergründen.

In Meißen gelingt die Fertigung von europäischem Porzellan

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Johann Friedrich Böttger sollten im Auftrag von August dem Starken Gold herstellen. Stattdessen fertigten sie 1708 in Meißen das erste europäische Porzellan. Durch Verrat, Spionage und Abwerbung von Mitarbeitern gelangte das Rezept schon bald über die Grenzen Sachsens hinaus.

Die Frankenthaler Manufaktur gehörte zu den frühen Gründungen und hatte ein weitverzweigtes Vertriebsnetz. Welchen Stellenwert ihre Erzeugnisse heute noch haben, zeigt sich daran, dass sie Sammlungen in aller Welt bereichern – von Florenz bis Toronto. Die Sammlung der Reiss-Engelhorn-Museen umfasst mehr als 1.000 Stücke und ist weltweit nicht nur die bedeutendste, sondern auch eine der größten.

Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Museum Zeughaus C5

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr.


Tags: Ausstellung, Mannheim Porzellan
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