Stufti 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Just like you

Die Vorstellung des Friedens am Tag und des Krieges in der Nacht waren für mich reizvoll,sie in einer kleinen Geschichte so umzusetzen.

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Erschöpft vom Tagewerk entspannst Du och ein wenig vorm TV. Komische Medien Altäre sind das, in Full HD und mit allem Schnick Schnack. Selbst die Wand um den Monitor rum, wird in stimmungsvoll passenden Farben angestrahlt.
Stimmt schon, was die Werbung dort sagt, man fühlt sich wirklich wie "mittendrin". Fehlt nur noch echtes Blut, echt Gerüche und echte Schmerzen.
Nackte Titten hat man ja so auch schon genug. Die brauch man nicht auch noch beim TV in echt.

21 Uhr und die Müdigkeit siegt doch, langsam fällst du zur Seite. Machst dich auf der Couch lang und willst noch kurz die Show zu Ende sehen. Und so sind die letzten Eindrücke vorm  Schlafengehen wieder nur tanzende Pixel, die durch halb geschlossene Augen sich kämpfen und dann ihren Weg über diverse Nerven Autobahnen ins Gehirn sich einbrennen und ein jeder Pixel hinterlässt so auf ewig seine Narbe. "Das Leben ist wie eine Autobahn" bekommt da eine ganz neue Bedeutung, danke an die Ohrbooten. Überhaupt Ohrbooten singt Autobahn, dass ist auf so vielen Ebenen verwirrend!

21:30, nächste Werbepause, du entscheidest dich, doch ins Bad zu gehen. Vielleicht bist du ja vor Ende der Werbung fertig, dann könntest du noch den Rest sehen. Auf dem Porzelanthron wird der Tag das erste mal Revue passieren gelassen. Ganz zufrieden mit dir und deinem Werk von heute putzt du dir in Ruhe die Zähne.
21:45, warst nicht schnell genug. Also ab ins Bett. Viel Interesse hattest du eigentlich eh nicht. Es ging eher um die Ablenkung - wie schon die ganzen Tage und Wochen.

22:00 und im Bett. Total alle und kaputt. Letzte Gedanken kriechen durch deinen laut schreienden Kopf. In der Leere sollte es doch eigentlich Stil sein - ein Lärm bis zum bersten. Eigentlich bist du ein sehr friedliebender Mensch, also findest du dich damit ab und schläfst ein.

22:10 ruhig liegst du im Bett, Augen offen. Bettdecke ist schon wieder nicht aufzufinden. In der Ecke lacht etwas, still und heimlich. Selbsthass macht sich auf den Weg ans Bett, du bist auf alles gefasst. "Na, warste heute mal Schlagfertig gegenüber deinem Kollegen oder wieder den Schwanz eingezogen?" Du reagierst gar nicht drauf sondern entdeckst in der anderen Ecke den Mentor vom Selbsthass Zweifel. Er sitzt nur ruhig da und beobachtet.
Hässliches Gekicher, oben auf dem Schrank sitzen die Angstschwestern. Geiern und Lefzen dir hinterher. Verzerrte Fratzen schneidend durchwühlen sie alles, was im Schrank steckt und rede jede Hoffnung tot. Hoffnung, unter deinem Kopfkissen versteckt, wimmert nur. Deine Aufgabe in der Nacht - beschütze Sie.
Tagsüber friedliebend, Nacht für Nacht ein Serienkiller. Du kennst das Spiel. Langsam spannst du jeden Muskel an und machst dich auf den ersten Stoß von Selbsthass bereit. Sabberfäden ziehen sich lang auf dem Bett.
1..
2..
3..
Röcheln, Mentor Zweifel schob sich dazwischen, du hast aber nun schon die Routine und hast es kommen sehen, ein glatter Schnitt entlang der Kehle. Das Blut am Fingernagel schnippst du Selbsthass ins Gesicht.
Falsche Geste, das wird dir auch bewusst. Er weicht zurück und pfeift die Schwestern vor. Sie Tanzen ums Bett. Hoffnung ist kaum noch zu hören, so laut und kaputt Gackern die Schwestern. Dein Puls steht fast, die Atmung setzt aus.
Die Scheinwerfer eines Autos blinken durchs Fenster und lassen die Schwestern nur Schemenhaft erscheinen. Aus drei wurden scheinbar sechs. Sie ziehen ihre Kreise immer enger. Bald stehst du vor Anspannung im Bett. Die kreise werden immer enger und das heulen immer lauter. Du ballst nun die Fäuste und fletschst die Zähne. Nacht für Nacht wirst du mehr zum Tier, von Instinkten getrieben. Blut von Zweifel klebt noch auf deiner Lippe, du leckst es weg. Die Schwestern weinen kurz um ihren Mentor. Selbsthass lässt seine Wirbel knacken. Du beachtest ihn nicht weiter. Die Schwester sind gerade so nah gekommen, dass sie dich quasi mit ihren dürren Fingern streicheln können. Langsam zieht sich der Kreis zu, sie tanzen immer und immer schneller um dich, dir wird schwindelig, du verlierst die Kontrolle.
Sie stürzen auf dich und von oben eine dunkler, großer Schatten. Du hast Selbsthass übersehen...


Das Klingeln des Weckers lässt dich aufschrecken. Selbsthass lebt noch...Aber auch Hoffnung. Ein Teil von dir hast du in der Nacht gelassen. Doch bevor du die Hoffnung aufgibst, gibst du lieber dich auf... An irgendwas musst schließlich auch du glauben.

Neuer Tag, neue Ablenkung, neue Kraft und Hoffnung für einen neuen Weg!!


Tags: Hoffnung, Kampf, Traum, Gute
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