andreaskuhn 10.08.2006, 19:21 Uhr 2 0

Frida Kahlo – Rebellin und begnadete Künstlerin

André Breton, der sie partout als Surrealistin etikettieren wollte, beschrieb ihre Kunst als »ein farbiges Band um eine Bombe«.

Madonna beteuerte »Frida ist die große Inspiration für mein Leben«. Zu Lebzeiten kannte Frida Kahlo Wassily Kandinsky, Marcel Duchamp und Pablo Picasso. Eine Ausstellung in Hamburg zeigt nun ihre bedeutendsten Werke.
»Weder Derain, noch Du, noch ich, sind in der Lage, einen Kopf so zu malen, wie Frida Kahlo!« gesteht Picasso in einem Brief an Diego Rivera. Dieser wiederum wirbt anläßlich einer geplanten Ausstellung für seine Frau: »Ich empfehle Ihnen diese Künstlerin, nicht als Ehemann, sondern als begeisterter Bewunderer ihres Werks, ätzend und zärtlich, hart wie Stahl und zart und fein wie der Flügel eines Schmetterlings, bewunderswert wie ein schönes Lächeln und tiefgründig und grausam wie die Bitternis des Lebens.«

Nicht erst seit der äußerst erfolgreichen Verfilmung ihres Lebens und Wirkens durch Regisseurin Julie Taymor (Hauptrolle Salma Hayek in einer schlicht leidenschaftlichen Verkörperung) ist das Interesse an Frida Kahlo als Kunst-Ikone erneut heftig aufgeflammt. Im Jahr 2006 noch immer »Fridomania« post mortem allerorten. Frida Kahlo ist Malerin und Mythos. Als mexikanische Kultfigur mit unvorhergesehener Popularität liefert sie lange schon und schier unablässig Stoff für Bücher, Theaterstücke und Filme, ist idolisiertes Objekt für Merchandising. Frida auf Handtaschen, Postkarten, Frida als Poster und Schlüsselanhänger. Leben wie Werk der wohl mit Abstand bekanntesten Malerin ganz Lateinamerikas sind von kraftvoll exotischer, schillernd bunter und mythisch umrankter Anmutung.

Als bekennende Marxistin gab die charismatische Rebellin, obwohl geboren am 6. Juli 1907, zeitlebens ihr Geburtsjahr mit 1910 an, dem Jahr der mexikanischen Revolution. Sie verehrte Stalin und hatte als »emanzipierte« Frau, gebeutelt durch die Untreue ihres Mannes Diego, Affären mit prominenten Männern wie Leo Trotzki oder Nickolas Murray und auch Frauen wie der Sängerin Chavela Vargas (»La Llorona«). Nickolas Murray verdanken wir (ebenfalls in der Hamburger Ausstellung in fantastischer Qualität präsentiert) – neben Lola und Manuel Alvarez Bravo, Imogen Cunningham, Fritz Henle oder Gisele Freund – einige der schönsten fotografischen Zeitdokumente: prachtvolles, pathetisches und detailbesessenes In-Szene-setzen; regelrechte Performance-Fotografie. Stets ernst blickende, auf den Betrachter gerichtete Augen, »gekrönt von dichten Brauen, die sich vereinten wie Vogelschwingen«, wie Raquel Tibol attestiert.

Fast zwangsläufig versetzt der Kontakt mit den Originalbildern den Betrachter in eine Art Verzückungszustand. Hierzulande wartete man allerdings eine »halbe Ewigkeit« vergeblich, ihre Gemälde einmal mehr »leibhaftig« in Augenschein nehmen zu dürfen. Dem Bucerius Kunst Forum ist nun – bereits ein Jahr vor dem 100. Geburtstag der wichtigsten Vertreterin mexikanischer Kunst – das Kunststück gelungen, die größte private Kollektion von Werken Frida Kahlos aus dem Museo Dolores Olmedo Patino (Xochimilco, Mexiko) einer deutschen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die in Hamburg ausgestellten Gemälde beleuchten die zentrales Themen des Lebens und der Kunst Frida Kahlos: Schmerz, Verlust, Unglück und Leiden. Von einer Kinderlähmung im Alter von wohl sechs Jahren behält Frida eine Behinderung des rechts Beins, eben achtzehnjährig erleidet sie einen fatalen Busunfall. Diesen überlebt sie zwar schwerstverletzt, er markiert aber den Anfangspunkt lebenslänglicher Qualen wie zahlloser Operationen. In deren Auswirkungen schließlich, bereits fast ihr halbes Lebens an Rollstuhl oder Krankenbett gefesselt, stirbt sie mit gerade 47 in ihrem Geburtshaus (»Casa Azul« oder »Blaues Haus«, heute Frida-Pilgern aus aller Welt zugänglich als Frida Kahlo Museum). »Pies para qué los quiero si tengo als pa volar«/»Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel haben zum Fliegen« hatte sie ein Jahr zuvor ihrem Tagebuch anvertraut.

Ergänzt durch Leihgaben aus gesamtamerikanischen Sammlungen ist die liebevoll inszenierte Ausstellung vom 15.6.–17.9.2006 ein absolutes »Muß« für alle Kahlo-Fans."Wichtige Links zu diesem Text"
Bucerius Kunst Forum, Hamburg

2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    in der tat faszinierend, die gute frida ... so’n bade-bild hab ich übrigens auch von mir (mit kaputtem zeh) ,-)

    04.09.2006, 12:29 von andreaskuhn
    • Kommentar schreiben
  • 0

    eine unglaublich interessante person. musste noch gestern beim baden an eines ihrer bilder denken

    10.08.2006, 23:55 von NothingToulouse
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare